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Presse und Aktuelles

Presseeinladung: Ausstellungseröffnung - Das architektonische Erbe des Sozialismus in Berlin und Warschau


17.08.11, Pressemitteilung
Pressemitteilung des Hauses der Begegnung mit der Geschichte (Dom Spotkań z Historią, DSH) Warschau und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Das architektonische Erbe des Sozialismus in Berlin und Warschau
Karl-Marx-Allee - Marszałkowska Dzielnica Mieszkaniowa


Neue internationale Ausstellung

Berlin, Deutsches Historisches Museum (24.08–09.09.2011)

Warschau, Freilichtgalerie des Hauses der Begegnung mit der Geschichte (28.09–27.11.2011)


Das Warschauer Denkmalschutzbüro, das Landesdenkmalamt Berlin, das Haus der Begegnung mit der Geschichte, das Deutsche Historische Museum und Winfried Brenne Architekten laden ein zur Eröffnung der Ausstellung Das architektonische Erbe des Sozialismus in Berlin und Warschau. Karl-Marx-Allee - Marszałkowska Dzielnica Mieszkaniowa: Mittwoch, den 24. August 2011, 14.30 Uhr, Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2 in Berlin. Die Ausstellung wird zudem ab dem 28. September 2011 in der Freilichtgalerie des Hauses der Begegnung mit der Geschichte auf dem Ks.-Twardowski-Platz in Warschau zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigt das architektonische Erbe des Realsozialismus am Beispiel zweier Großprojekte: des Marszałkowska Wohnviertels (Marszałkowska Dzielnica Mieszkaniowa, MDM) in Warschau und der Karl-Marx-Allee (KMA) in Berlin. Anhang zahlreicher historischer und aktueller Bilder zeigen wir die wichtigsten Gebäude, architektonische Details, Statuen, Straßenmöbeln sowie die Stadtplanung jener Zeit. Die Ausstellungstexte befassen sich mit dem historischen, politischen und gesellschaftlichen Entstehungskontext und der Funktion beider architektonischer und stadtplanerischer Anlagen. Die Ausstellung wurde von der Architektin Maria Wojtysiak erarbeitet, für die grafische Gestaltung ist Łukasz Kamieniak verantwortlich.

Der Realsozialismus hatte entscheidenden Einfluss auf das Erscheinungsbild der ehemaligen Ostblockstaaten und sein architektonisches Erbe ruft noch heute starke Emotionen hervor. Das Marszałkowska-Wohnviertel und die Karl-Marx-Allee wurden zu Standardwiederaufbauprojekten Warschaus und Ost-Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg und sind Schlüsselbeispiele des Realsozialismus in diesem Teil Europas. Der Bau, sowohl von MDM in Warschau, als auch der KMA in Berlin, hatte ein zentrales Ziel – die Macht des neuen Systems zu demonstrieren. Die Wende 1989 entzog solchen Orten wie MDM und KMA den Schutzschirm der Behörden und setzte eine Diskussion über das architektonische Erbe der vergangenen Epoche in Gang.

Die Ausstellung entstand aus Anlass der Ratspräsidentschaft Polens in der Europäischen Union sowie des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Warschau und der Unterzeichnung des "Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit".

Die Ausstellung ist eine weitere Etappe des Projektes "Die Identität der Stadt. Moderne und Gegenmoderne in der Kultur der Nachkriegszeit" des Warschauer Denkmalschutzbüros und des Berliner Landesdenkmalamtes, an dem zahlreiche deutsche und polnische Einrichtungen beteiligt sind. Das Projekt umfasst u. a. Forschungen zum architektonischen Erbe des Realsozialismus und die Erarbeitung von Leitlinien zu dessen Schutz.

WARSCHAU

Die Deutschen zerstörten Warschau in den Jahren 1939-1945 nahezu vollständig. Insgesamt lag die Wohnbebauung der Stadt zu 72 Prozent in Trümmern. Das ab Februar 1945 bestehende Warschauer Wiederaufbaubüro inventarisierte die Zerstörungen.
Im Juni 1945 beschloss der polnische Ministerrat den Wiederaufbau der Hauptstadt. Gemäß der Vision des Sechsjahresplans für den Wiederaufbau Warschaus von Präsident Bolesław Bierut (1950) sollte das neue Warschau eine realsozialistische Stadt werden. Eine der Prioritäten war die Schaffung von Wohnsiedlungen im Zentrum der Hauptstadt – einem der Schlagwörter der Schöpfer des realsozialistischen Warschaus folgend: Arbeiter in die Stadtmitte! Grundlage des Marszałkowska-Wohnviertels ist daher die wichtigste Arterie des Stadtzentrums – die Marszałkowska-Straße. Die Schaffung eines neuen, monumentalen und repräsentativen Stadtraumes hatte dabei Priorität. Dazu wurden viele alte Häuser abgerissen.
Der Entwurf wurde einer Arbeitsgruppe der Werkstatt "MDM" unter der Leitung des Architekten Józef Sigalin übertragen, weitere wichtige Architekten waren Stanisław Jankowski, Jan Knothe und Zygmunt Stępiński.
45.000 Menschen sollten das MDM-Viertel, dessen Wohnungen sich durch einen höheren Standard auszeichneten, bewohnen. Dabei waren viele öffentliche Einrichtungen geplant. Die Arbeiten an den Abschnitten MDM I, II und III dauerten von 1950 bis 1956.

Der Bau begann am Verfassungsplatz (Plac Konstytucji) und seiner Umgebung (MDM I, zwischen der Wilcza-Straße und dem Erlöserplatz). An dem Platz in Form eines länglichen Rechtsecks wurden Wohngebäude mit Bogengängen sowie ein Hotel, verziert u. a. mit Arbeiterstatuen im Stil des Realsozialismus, errichtet. In dem Abschnitt MDM II (zwischen Erlöserplatz und dem Platz der Lubliner Union) entstand zwischen vereinzelten erhaltenen Häusern entlang der Marszałkowska-Straße eine neue Bebauung. Die Architektur sowie die Dekoration und alle anderen Stileigenschaften sind identisch mit der ersten Bauetappe. Am Erlöserplatz gruppieren sich die Bauten um einen runden Platz. Der zentrale Teil, die Latawiec-Siedlung als MDM III nach einem Entwurf von Zofia Sekrecka, besteht aus Gebäuden rund um einen achteckigen Platz (auf der Achse der Wyzwolenie-Allee). Der Stil knüpft an die französische Architektur aus der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert an.
Die im großen Stil errichten MDM-Siedlungen hatten repräsentativen Charakter und großstädtische Eleganz. Die Gebäude, die sich an Vorbildern des Klassizismus oder der Renaissance orientierten, wurden im realsozialistischen Stil mit hervorstehenden Gesimsen und Attiken dekoriert. Die oberen Geschosse wurden hinter Bogengängen in Form von Arkaden, auf denen ausgedehnte Terrassen entstanden, versteckt. Der geltenden Regel von der Synthese der Kunst folgend, wurde die Architektur um monumentale Statuen, Flachreliefs, Schmiedekunst, Mosaike, Sgrafitto und Straßenmöbel bereichert. Der Boden der Plätze und Straßen sowie die Grünanlagen wurden meisterhaft geplant. Das Warschauer Stadtzentrum erhielt ein neues Gesicht.

BERLIN

Nach dem Krieg wurde das in Ost und West geteilte Berlin zum Schauplatz der Rivalität der politischen Systeme. Diese Teilung ist bis heute in der Architektur und Stadtplanung erkennbar. Das spektakuläre Aufbauprojekt im Ostteil Berlins war die monumentale Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee) in den Stadtbezirken Friedrichshain und Mitte. Als städtebauliche Großform (Magistrale) verläuft sie über der kriegszerstörten Großen Frankfurter Straße (Frankfurter Allee). Sie ist Teil der zentrumsbildenden Ost-West-Achse, die über den Alexanderplatz und das Marx-Engels-Forum in den Boulevard Unter den Linden mündet.
Nach dem Krieg hatte der Wohnungsbau Priorität, aber die KMA sollte auch als repräsentativer Raum für Paraden und Umzüge dienen.

Die ersten Nachkriegsprojekte knüpften an den Modernismus aus der Vorkriegszeit an. Nach 1950 setzte eine Wende zugunsten von Monumentalbauten ein, deren Grundlage barocke Kompositionen darstellten. Das erste Modelobjekt gemäß der stalinistischen Architekturdoktrin war die Sowjetische Botschaft (1949–51) am Boulevard Unter den Linden.
Der Wettbewerb für die repräsentative Stalinallee wurde 1951 ausgerufen. Der Entwurf entsprach dem neuen realsozialistischen Stil. Hermann Henselmann und die Planer der übrigen Gewinnerentwürfe bildeten sechs Kollektive für die sechs geplanten Bauabschnitte. Im Dezember 1952 waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. 1953 erfolgte die Fertigstellung des Westteils der Karl-Marx-Allee und des Strausberger Platzes, ein Jahr später wurde die erste Bauetappe der Allee abgeschlossen.
Die Veränderungen nach dem Tod Stalins 1953 hatten Einfluss auf die Stadtplanung der DDR. Die Zeit monumentaler Bauten war vorbei, die Zukunft galt der Industrialisierung der Bautechnik. Ab Mitte der 50er Jahre experimentierte die DDR mit vorgefertigten Bauelementen. Der zweite Abschnitt der Karl-Marx-Allee wurde bereits nach der neuen Doktrin und mit neuer Technologie (Plattenbau) errichtet.
Heute wird die Karl-Marx-Allee als stadtplanerische Achse vor allem mit dem "sozialistischen Klassizismus" assoziiert. Sie ist nicht nur zu einem Aufbaudenkmal, sondern auch zu einer wichtigen Verkehrsarterie Berlins geworden. Berühmt wurde die Allee auch durch die Proteste der Bauarbeiter gegen die Normerhöhung im Jahr 1953.

Organisatoren:

Warschauer Denkmalschutzbüro, Landesdenkmalamt Berlin, Haus der Begegnung mit der Geschichte (Warschau), Deutsches Historisches Museum, Winfried Brenne Architekten.

Partner:

Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Polnisches Institut in Berlin.

Sponsoren:

Gruppe Capital Park, Bank- und Finanzzentrum "Nowy Świat" AG.

Die Ausstellung wird begleitet von dem Bildband: Das architektonische Erbe des Sozialismus in Berlin und Warschau. Karl-Marx-Allee - Marszałkowska Dzielnica Mieszkaniowa, das über 100 historische und aktuelle Bilder enthält.

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Das Haus der Begegnung mit der Geschichte (Dom Spotkań z Historią, DSH) – eine Kultureinrichtung der Stadt Warschau – widmet sich der Geschichte Polens und Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert. Es organisiert Ausstellungen, Filmvorführungen, Zeitzeugenbegegnungen, Seminare, Workshops sowie Aktionen in der Stadt, zudem ist es als Verlag und dokumentierende Einrichtung tätig. Das DSH arbeitet eng mit dem Zentrum KARTA und anderen Organisationen und Kreisen in Polen und im Ausland zusammen. Weitere Informationen: www.dsh.waw.pl.

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