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Archiv: Ökologisches Bauen - Abgeschlossene Projekte

Wohnungsbauvorhaben Weinmeisterhornweg - Ergebnisse


Untersuchungsmethoden:

Zusätzlich zur investiven Förderung der ökologischen Maßnahmen wurde im Rahmen des Landesprogramms die Dokumentation des Gesamtvorhabens (IBUS) und für den Zeitraum von zwei Heizperioden die messtechnische Erfassung und Auswertung der Heizenergieverbräuche in Auftrag gegeben. Vom Frauenhofer-Institut wurden dazu vier ausgesuchte Wohnungen mit Hybridsystem detailliert messtechnisch untersucht einschließlich Luftdichtigkeitsmessung (Blower-Door) und Thermografie, durch Wohnstatt die wohnungsbezogenen Heizkostenabrechnungen ausgewertet und Interviews mit Bewohnern durchgeführt. Es wurden umfangreiche Vergleichsanalysen der gemessenen Wärmeverbrauchswerte mit den Sollwerten der Wärmebedarfsrechnung sowie zur Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Energiesparkomponenten erstellt.

Daten und Messergebnisse:

Energetische Zielstellung für die gesamte Wohnanlage war die Unterschreitung der (bei Realisierung des Vorhabens zwar bekannten aber noch nicht verbindlichen) Vorgaben der Wärmeschutzverordnung 1995, d.h. es sollte - bei dem bestehenden durchschnittlichen A/V-Verhältnis von 0,53 - ein Heizwärmebedarf von etwa 74 kWh/m² a bezogen auf die Nutzfläche bzw. ca. 95 kWh/m² a bezogen auf die Wohnfläche unterschritten werden. Die Energieverbräuche der Heizperioden 1994/95 und 1995/96 wurden messtechnisch mit 109 bzw. 118 kWh/m² Wohnfläche ermittelt. Nach der Durchführung von Nachbesserungen wurde von der GSW für die Jahre 2000 - 2002 ein durchschnittlicher Jahres-Heizwärmeverbrauch von 91 kWh/m² Wohnfläche festgestellt.

Die 60 Wohnungen der Wohnanlage verteilen sich auf 5 Haustypen (2 Reihenhaus- und 3 Torhaustypen) und 10 Wohnungstypen, wobei 30 WE über Hybridsysteme, 38 WE über Wintergärten, davon 19 WE über beide Elemente verfügen und außerdem zwischen oberen und unteren Wohnungen unterschieden wird. Die errechneten Heizwärmebedarfe der Wohnungstypen streuen entsprechend zwischen 56 und 91 kWh/m² Nutzfläche, die Verbrauchswerte zwischen 69 und 140 kWh/m² Nutzfläche. Für die Einzelwohnungen ist die Spanne der gemessenen Verbräuche noch weitaus größer, ebenso die Abweichungen von den theoretischen Bedarfswerten). Hierin kommt das durch die Mieterbefragung bestätigte sehr unterschiedliche Nutzerverhalten zum Ausdruck. Die überwiegend unbefriedigenden Verbrauchswerte sind z.T. auch der zunächst schlechten Bauausführung anzulasten.

Einzelanalysen der Messergebnisse zeigen u.a.,
  • dass Wohnungen mit Hybridheizung und/oder Wintergärten im Durchschnitt günstigere Verbrauchswerte aufweisen als Wohnungen ohne diese Systeme, auch wenn die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden;
  • dass mit dem Hybridsystem bis zu 14 kWh/m² a, mit Wintergärten (die häufig als Wohnraumerweiterung genutzt werden und dadurch Mehrverbrauch verursachen) bis zu 7 kWh/m² a Wärmeenergie eingespart werden;
  • dass im Vergleich zu einer etwa zeitgleich nach Wärmeschutzverordnung 1982 errichteten Reihenhaussiedlung (Heizwärmeverbrauch 151 kWh/m² a) der Energiespareffekt von verbesserter Wärmedämmung, Wärmeschutzverglasung und moderner Heizungstechnik etwa 80 %, der von Hybridsystem und Wintergärten etwa 15 % beträgt.

Die Wirtschaftlichkeitsanalyse der Energiesparmaßnahmen ergibt erwartungsgemäß, dass das Verhältnis von Aufwand und Wirkung bei den konventionellen Maßnahmen der Wärmedämmung bisher um ein Vielfaches günstiger ist als bei den Sonderelementen Hybridsystem und Wintergarten, bei denen selbst bei verbesserter Ausführung und Wirksamkeit eine betriebswirtschaftliche Rentierlichkeit nicht abzusehen ist.

Bewertung:

Insgesamt kann die Wohnanlage am Weinmeisterhornweg als ein gelungenes Projekt angesehen werden. Es wurden vielfältige Maßnahmen, die ein ökologisches Modellprojekt kennzeichnen, wie Eingliederung in das umgebende Wohngebiet, Ausrichtung und Zonierung der Gebäude, Gründächer, Außenanlagen mit Regenwasserversickerung sowie energiesparende und umweltverträgliche Bauweise verwirklicht. Auch das Erscheinungsbild der Siedlung und die durch die Befragung belegte überwiegend positive Einschätzung der Bewohner bestätigen den Erfolg des Projekts.

Zu den speziellen Maßnahmen der Modellförderung ist Folgendes festzuhalten:
  • Für den Zeitpunkt seiner Planung und Realisierung hat Weinmeisterhornweg 170/178 das energetisch anspruchsvollste und - nach erfolgter Optimierung - auch die besten Verbrauchswerte Berliner Wohnanlagen. Die Vorgaben der Wärmeschutzverordnung 95 werden im Durchschnitt aller Wohnungen unterschritten.
  • Aus den Mess- und Befragungsergebnissen zu einzelnen Wohnungen wurde ersichtlich, dass bei energiebewusster Nutzung der Sonderelemente Hybridsystem und/oder Wintergarten ein Niedrigenergiebetrieb, d.h. Heizenergieverbrauch unter 50 kWh/m² a, möglich ist.
  • Als Projekterfahrung für die Weiterentwicklung des energetischen Wohnungsbaustandards wurde deutlich, dass die Wirksamkeit von Sondermaßnahmen, wie Solartechnik, die Optimierung der Gebäudeplanung und der konventionellen Energiesparmaßnahmen, wie Wärmedämmung und Wärmeschutzverglasung, sowie sorgfältige Bauausführung und hinreichende Bewohnerinformation voraussetzt.

Berichte/Veröffentlichungen:

  • IBUS GmbH: Endbericht - Forschungsvorhaben Hybridwand Weinmeisterhornweg 170-178, Berlin-Spandau. Berlin, 1996.
  • Wohnstatt, Gesellschaft für Stadterneuerung mbH: Energieeinsparung im Sozialen Mietwohnungsbau am Beispiel des Projektes Weinmeisterhornweg 170/178 - Abschlussbericht. Berlin, 1997.
  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik: Solare Hybridsysteme in einer Reihenhaus-Wohnanlage am Weinmeisterhornweg in Berlin, IBP-Bericht WB 88/1997.