Städtebau  
 

Archiv: IBA Berlin 2020 - Dokumentation der Vorarbeiten

Leitthema: Draußenstadt wird Drinnenstadt


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Berlin wächst wieder, endlich. Damit werden nun aber - wie in vielen anderen Großstädten Europas - auch die Schattenseiten einer dynamischen Entwicklung sichtbar: Der Druck auf die innerstädtischen Quartiere wächst, die Mieten dort steigen rasant, die Kluft zwischen der inneren und der äußeren Stadt wird immer größer.

Die intensive Beschäftigung mit der inneren Stadt ließ in der Vergangenheit überall in Europa die als peripher wahrgenommenen Stadträume vom Radar der Dringlichkeit verschwinden. Die Sogwirkung der Zentren verstärkte das Auseinanderdriften der Stadt. Das soziale Gefälle, die ungleiche Ausstattung mit städtischer Infrastruktur, Ungleichheit auch in Fragen der Erlebnisdichte und Stadtgestalt - von Architektur und öffentlichen Räumen - sind nur einige Stichworte, die diese Entwicklung skizzieren.

Landsberger Allee; Foto: Carlow
 

Die IBA Berlin 2020 rückt nun diese "Draußenstadt" bewusst in den Fokus. Gemeint sind hier nicht nur die Räume außerhalb des S-Bahn-Rings, sondern auch gefühlt periphere Standorte, also Räume, die in der Innen- und Außenwahrnehmung "draußen" sind, auch wenn sie tatsächlich im Inneren der Stadt liegen. Wie können solche aus dem Blick geratenen und oft stigmatisierten Räume in die Stadt "hineingeholt" werden? Wie kann man sie durch Weiterentwicklung des Bestands und Ergänzung von Funktionen zu lebendigen Quartieren entwickeln und damit gleichzeitig dem Druck auf die Innere Stadt begegnen? Die IBA Berlin 2020 will neue Bilder für eine Urbanität der Draußenstadt entwickeln, die sicherlich wenig zu tun haben werden mit den gängigen Bildern von der Urbanität der gemischten gründerzeitlichen Stadt. Durch die Aufwertung ihrer spezifischen Qualitäten und die Anreicherung mit neuen Strukturen, aber auch durch den Abbau von Barrieren und den Aufbau von Konnektivitäten soll die Draußenstadt als Drinnenstadt erlebt werden können.

Karl-Marx-Allee; Foto: Carlow
 

Es gibt kein einfaches "Rezept", die sich sukzessive weiter öffnende Lücke zwischen Draußenstadt und Drinnenstadt zu schließen. Der Kern einer Strategie muss das Prinzip des Herantastens, der Auseinandersetzung und Verständigung sein. Es geht dabei auch um neue Formen der Wahrnehmung und Bewertung, der Wertschätzung und Aufmerksamkeit für bisher aus dem Urbanitätsdiskurs weitgehend herausfallende Stadtgebiete.


Fotos: v.oben: J. Günther, V.M. Carlow