Städtebau  

 

Urban Living - Neue Formen des städtischen Wohnens: Workshop-Verfahren

Ergebnis: Arcostraße 9 (Charlottenburg-Wilmersdorf)
Entwurf Team fatkoehl architekten & Urban Catalyst studio


Entwurf Team fatkoehl architekten & Urban Catalyst studio
Entwurf Team fatkoehl architekten & Urban Catalyst studio

Architekten fatkoehl architekten, Berlin und Urban Catalyst Studio, Berlin
Landschaftsarchitekten  
Sonderfachleute  

Erläuterung des Entwurfs:


Entwurf Team fatkoehl architekten & Urban Catalyst studio
Grafik; Entwurf Team fatkoehl architekten &
Urban Catalyst studio
Wohnen müssen wir alle, aber wie wollen wir leben? Unser Projekt "Fonds Arcostraße" formuliert den Anspruch, den Bau von Wohn-, Arbeits- und Gemeinschaftsräumen mit der Entwicklung einer lebenswerten Nachbarschaft zu verbinden. Die Werte eines „guten“ Lebens in der Stadt – kurze Wege, gemischte Nutzungen, soziale Vielfalt, lokale Kreisläufe sowie mehr Austausch und Multifunktionalität – werden neu definiert und mit den monetären Werten der Immobilienvermarktung in Balance gebracht.

Dazu schlagen wir auf Quartiersebene die Einrichtung eines Fonds aus räumlichen, finanziellen, rechtlichen und humanen Ressourcen vor, der als Auslöser lokale Eigentümer, Ladenbesitzerinnen, öffentliche Einrichtungen, zugezogene Studierende oder Vor-Ort-Aktivisten zum Tauschen animiert.

Das vorgeschlagene Projekt nutzt den Tauschhandel und sichert die Einnahmen des Fonds: im Erdgeschoss die Erweiterung von öffentlich nutzbaren Sportflächen im Tausch gegen die Möglichkeit der Gebäudeaufstockung oder Gemeinwesenarbeit gegen eine moderate Gewerbemiete. In den oberen Geschossen schafft eine breite Nutzungsmischung einen eher internen Tauschhandel, Eigentum subventioniert günstige Mieten. Über den Stadtzins, ein monatlicher Beitrag von Mietern und Eigentümerinnen, gekoppelt an genutzte Fläche, fließt wieder Geld in den Fonds zurück.

Das sagt das Beurteilungsgremium:


Die Idee der Arbeit entwickelt sich aus den vor Ort vorgefundenen Potenzialen, die – soweit irgend möglich – genutzt und im Sinne der Stadtgesellschaft ergänzt und aktiviert werden. Stadträumlich bedeutet dies, dass sich eine neue Kubatur mit dem Vorhandenen vernetzt, es überlagert oder gar durchdringt. Bestehendes wird integriert bzw. erhalten. Verluste in der Substanz wie konstruktiver Aufwand sind hierbei nebensächlich. Das eigentliche Thema dieser Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des urbanen Umfeldes ist der Ansatz, selbstorganisiert und auf Basis des Tauschhandels neue Wege zur Entwicklung urbaner Heterogenität zu beschreiten. Die Arbeit schlägt neue Organisationsformen, neue Finanzierungsmodelle wie auch neue Arten des Umganges miteinander vor – aufregende wie anregende Meinungsbildungsprozesse eingeschlossen.

Die Verfasser formulieren die visionäre Idee eines "Fonds", der neben finanziellen Ressourcen auch immaterielle, wie Arbeitsleistung, baurechtliche Privilegien oder auch bereits vorhandene, ggf. unternutzte Immobilien bündelt, planvoll verteilt und sie mit der Zielsetzung eines selbst propagierenden Wachstumsprozesses einsetzt.

Fazit: Dieser Vorschlag stellt aus Sicht des Beratungsgremiums einen wertvollen Beitrag zur aktuellen Diskussion der Kriterien in Konzeptverfahren zur Vergabe landeseigener Grundstücke im Land Berlin dar, da er über bestehende und praktizierte Regeln städtebaulicher Verträge deutlich hinaus geht.

Den kompletten Entwurf können Sie hier herunterladen: