Ökologische Modellprojekte
Fotos: Architekten BDA Landsberg & Pinkau, Berlin; GEHAG/TU Braunschweig (IGS); GSW/IBUS GmbH (2); Louis Back; WBG Marzahn/Klaus Dombrowsky
Die Grundlagen, die heute für das ökologische Bauen in Berlin gelten, hat der Senat in zahlreichen Modellvorhaben während der letzten 20 Jahre erarbeitet. Ursprünglicher Ansatzpunkt war der Wohnungsbau. Heute sind die Prinzipien in andere Bereiche des Bauens vorgedrungen. Viele Projektansätze haben sich dabei vom Experiment zum Standard entwickelt.
Landesprogramm
Einen Gutteil seines Wissensvorsprungs in Sachen nachhaltiges Bauen verdankt Berlin dem Landesprogramm "Stadtökologische Modellvorhaben". Seit 1989 liefert es Erkenntnisse zu den Faktoren und Komponenten des nachhaltigen Wohnungs- und Städtebaus, die durch die praktische Anwendung in konkreten Bauprojekten abgesichert sind.
Die Projekte besaßen nicht unbedingt modellhaften Charakter für eine Eins-zu-Eins-Übertragung auf andere Bauvorhaben. Sie stellten Arbeitsmodelle dar, an denen experimentelle Ansätze und Verfahrensweisen erforscht und getestet werden konnten. Als gebaute Forschung wurden diese Projekte grundsätzlich im Rahmen kooperativer und integrierter Planungsverfahren entwickelt und umgesetzt, über einen längeren Zeitraum wissenschaftlich begleitet, ausgewertet, wo nötig optimiert und letztlich dokumentiert.
Was wurde gefördert?
Das Land förderte drei Typen von Projekten:
- Bauvorhaben, die innovative Maßnahmen zu mindestens bei einem der fünf ökologischen Bausteine Energie, Wasser, Baustoffe, Grün oder Abfall erprobten
- Bauvorhaben, die auf der Basis eines ökologischen Gesamtkonzepts entwickelt wurden
- Querschnittsauswertungen, Arbeitshilfen, Merkblätter und Projektdokumentationen, die die erworbenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich machten und verbreiteten
Voraussetzung für eine Förderung war, dass an der Erprobung und Weiterentwicklung der neuen Ansätze ein öffentliches Interesse bestand. Konkret bedeutete dies, dass die Projekte stadttypische Bauaufgaben behandelten und im Anschluss breitenwirksam umgesetzt werden konnten. Gefördert wurden unter anderem Planungsoptimierungen, die ein ökologisches Gesamtkonzept oder Teilbereiche davon berücksichtigten, die Erprobung neuer Verfahren oder neuer Baumaterialien, Mehrkosten für ökologische Maßnahmen und ein Projektmonitoring.
Projektarchiv
Im Landesprogramm "Stadtökologische Modellvorhaben" wurden rund 50 bauliche Modellvorhaben gefördert und realisiert. Dazu gehörten die Sanierung des Gewerbehofs Weiberwirtschaft im Stadtteil Mitte, eine Gründerzeitschule im Prenzlauer Berg und eine Typenschule in industrieller Bauweise in Lichtenberg.
Ein Schwerpunkt lag auf Sanierungsaufgaben im komplexen Wohnungsbau. Hier wurden unter anderem der Einbau trinkwassersparender Installationen erprobt und die ökologische Mustersanierung einer Großsiedlung in Hellersdorf ermöglicht.
Seit Mitte der 1990er Jahre rückten Neubauprojekte zur Verbesserung der Energieeffizienz in den Mittelpunkt. Beispiele sind die Heinrich-Böll-Siedlung in Pankow mit 330 Wohnungen, die Wohnanlage Berliner Straße 88 in Zehlendorf mit 173 Wohnungen, die Niedrigenergiehäuser in Marzahn (mit 56 Wohnungen), in Rudow-Süd (mit 58 Wohnungen) oder die Niedrigenergiesiedlung Am Petersberg in Zehlendorf mit 105 Wohnungen. Zum Ende des Programms bildeten schließlich Projekte der sozialen Infrastruktur und öffentliche Baumaßnahmen den Schwerpunkt.
Die Darstellungen einiger abgeschlossener Projekte aus vier Themenbereichen befinden sich im Archiv: