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Presse und Aktuelles

Bär und Stier in Philadelphia gescannt und im Berliner Tiergarten wieder aufgestellt


17.06.20, Pressemitteilung
Restaurierung der Tierplastiken für den Floraplatz erfolgreich abgeschlossen

Zur Wiederaufstellung der acht Tierplastiken auf dem Floraplatz im Tiergarten würdigten Senatorin Katrin Lompscher, der Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut, Jürgen Götte vom Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks Mitte und Gerhard Simke und Dr .Klaus von Krosigk von der Hinckeldey-Stiftung die erfolgreiche Arbeit der Restauratoren, Historiker und Archäologen. Mit der Konzeptentwicklung, Planung und Fachbauleitung war das Büro Restaurierung am Oberbaum beauftragt. Die kunsthistorische Recherche erfolgte durch Frau Nicola Vösgen, und begleitet wurde die Maßnahme durch die Archäologie-Agentur Dr. Dittrich & Geßner.

Sowohl die gute Zusammenarbeit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des  Landesdenkmalamtes und der Unteren Denkmalbehörde Mitte, als auch die großzügige Spende der Hinckeldey-Stiftung ermöglichten die Wiederherstellung dieses beeindruckenden Ensembles im Tiergarten.

In den Jahren 2019 und 2020 wurden sechs im Tiergarten erhaltene, ehemals am Floraplatz aufgestellte Tierplastiken umfangreich restauriert. Hierbei handelt es sich um zwei Bisons, zwei Hirsche und zwei Elche.  Zwei weitere zu dem Ensemble gehörende Plastiken – ein Stier und ein Bär – gelten als verschollen; sie wurden in Bronze nachgegossen. Die originalen Granitsockel wurden restauriert, ein fehlender materialidentisch neu angefertigt.

Senatorin Lompscher: „Der Tiergarten ist nicht nur eine herausragende innerstädtische Parkanlage, sondern auch ein Ort mit wechselvoller Geschichte und vielfältigen Kunstwerken. Als Bausenatorin freue ich mich, dass in unserer Verantwortung weitere Denkmäler und Skulpturen restauriert und wiederaufgestellt worden sind. Damit können wir das Gesamtkunstwerk Tiergarten in seiner ganzen Schönheit für alle Berlinerinnen und Berliner sowie die vielen Gäste der Stadt noch attraktiver gestalten.“
 
Da sämtliche Tierplastiken im Original am Washington-Denkmal in Philadelphia / USA erhalten sind, bestand die Möglichkeit, das komplette Ensemble am Floraplatz wieder aufzustellen. Dank modernster Technik konnten die in Berlin fehlenden Plastiken „Stier“ und „Bär“ in Philadelphia im Scan-Verfahren hochauflösend dreidimensional vermessen und die übermittelten Datensätze zur Anfertigung exakter physischer Modelle im Maßstab 1:1 verwendet werden. Gleiches geschah mit den Geweihen, Ohren und Hufen, die den Berliner Elchen fehlten. In der Skulpturengießerei Knaak wurden die erhaltenen Tierplastiken denkmalgerecht restauriert und „Stier“ und „Bär“ neu in Bronze gegossen. Die Teilnachgüsse der Elche wurden entsprechend den vorhandenen historischen Fotografien montiert. Alle Bronzen erhielten eine einheitliche Patina sowie eine schützende Wachsschicht.

Landeskonservator Dr. Rauhut: „75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs ist es gelungen, die Tierplastiken des Bildhauers Siemering, ein bedeutendes, aber Jahrzehnte zerstreutes Denkmalensemble des Großen Tiergartens, vorbildlich zu restaurieren und wieder am Originalstandort zu vereinigen. Ein interdisziplinäres Team verschiedener Fachsparten hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Hiermit wird ein wichtiger Baustein des „Masterplans für den Denkmälerbestand im Großen Tiergarten“ umgesetzt, auf dessen Basis in den vergangenen 10 Jahren bereits so bedeutende Standbilder wie Goethe, Lessing, die Königin Luise aber auch das Musikerdenkmal erfolgreich restauriert wurden.“

Der im späten 18. Jahrhundert von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff angelegte Floraplatz im Südosten des Berliner Tiergartens, wurde im Laufe seiner mehr als zweihundertjährigen Geschichte mehrfach umgestaltet. Die namensgebende, barocke Skulptur der Flora im Zentrum des Platzes wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die vergrößerte Zweitausführung der „Amazone zu Pferde“ von Louis Tuaillon ersetzt. Einige Jahre zuvor waren auf Wunsch des Kaisers acht lebensgroße Tierplastiken konzentrisch um den Platzmittelpunkt aufgestellt worden. Die Bronzen hatte der Bildhauer Rudolf Siemering (1835 – 1905) ursprünglich für das George-Washington-Denkmal in Philadelphia/USA geschaffen, sie stellten wildlebende Tiere der nordamerikanischen Fauna dar. Nach den Gipsmodellen, die der Kaiser in Siemerings Atelier gesehen hatte, wurden Nachgüsse für den Floraplatz angefertigt.
 
Während des 2. Weltkriegs wurde der Platz stark in Mitleidenschaft gezogen, und in den Jahren nach 1945 diente der Bereich wie auch weitere Teile des fast gänzlich abgeholzten Tiergartens dem Gemüseanbau. Die Amazone überstand den Krieg relativ gut, wohingegen die Tierplastiken zum Teil stark beschädigt wurden und zwei gänzlich verloren gingen.

Zwischenzeitlich erhielten die sechs erhaltenen Bronzen neue Aufstellungsorte im Tiergarten, die Hirsche wurden restauriert. Am Floraplatz zeugte lediglich die „Amazone zu Pferde“ von der kaiserzeitlichen Gestaltung. Während „Bär“ und „Stier“ zwischen 1949 und 1951 wohl einem Diebstahl aufgrund ihres Materialwertes zum Opfer fielen, waren die übrigen Tierplastiken immer sichtbar und wurden 2019-2020 lediglich für ein dreiviertel Jahr in die Gießerei Knaak zur Restaurierung verbracht.

Naturwissenschaftlich/archäologische Untersuchungen sowie diverse Suchgrabungen der vergangenen Jahre zeigten, dass die meisten Fundamente der Tierplastiken noch vorhanden oder zumindest nachweisbar waren, sodass die genauen historischen Positionen der Bronzen ermittelt werden konnten. Während ursprünglich nur vier originale Granitsockel als erhalten galten, konnten im Laufe der Untersuchungen drei weitere Sockel im Tiergarten ausfindig gemacht werden.

Die Opus Denkmalpflege führte die Erneuerung der Fundamente sowie die Restaurierung und Teilergänzung der vorhandenen Granitsockel und die Neuanfertigung des fehlenden Sockels in identischem Material aus.
Die Projektkosten belaufen sich insgesamt auf ca. 450.000 Euro

Die gartendenkmalpflegerische Gestaltung des Floraplatzes erfolgt in einem nächsten Schritt, nachdem die Sockel und Tierplastiken an ihren genauen ursprünglichen Positionen wiederaufgestellt werden konnten.
 




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