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    Städtebau  
 

Städtebauliches Gutachterverfahren
"Erweiterung Rathaus Zehlendorf, Berlin Steglitz-Zehlendorf"

Ergebnis: Weiteres Team


Weiteres Team:
  Winkelmüller Architekten
STUDIO RW Stadtplanung + Landschaftsarchitektur


Beurteilung der Jury:

Der vorliegende Entwurf schlägt für die Erweiterung des Rathauses Zehlendorf eine kompakte und spannungsvolle, organisch anmutende Großform vor, die sich selbstbewusst und progressiv präsentiert, mithin aber einen atypischen städtebaulichen Baustein für den Ort darstellt. Trotz der räumlich exzellenten Einpassung des Volumens auf dem Grundstück wird diskutiert, ob die formal ungewöhnliche und sehr eigenständige entwurfliche Annäherung ausreichendes Identifikationspotential für Bürgerinnen und Bürger bietet.

Positiv wird gesehen, dass der Baukörper alle Funktionen unter einem Dach vereint und zudem im Erdgeschoss ein sehr gutes Angebot an öffentlichen Nutzungen, nämlich Welcome Desk, Bibliothek, Kantine, Café und einen Mobility Hub, anbietet. Gleichzeitig ist die Erdgeschosszone durchlässig gestaltet und kann jederzeit von der Öffentlichkeit bespielt werden. Die verschiedenen Funktionen sind als Ensemble in unterschiedlichen Kubaturen untergebracht, die in freiem Spiel mit alternierenden Außenräumen und Höfen eine eindrückliche Erdgeschosslandschaft formen. Kritisiert wird allerdings, dass die Freiflächen durch ihre Ausformung und Größenordnung multifunktionale Nutzungen nur eingeschränkt zugelassen und damit als wenig bürgernah angesehen werden können.

Über dem Erdgeschoss schließt sich der Gebäudering im 1. Obergeschoss bzw. Richtung Norden im 2. Obergeschoss und gibt so der Verwaltung die Möglichkeit einer flexiblen und auf kurzem Weg gut zu erschließenden Raumzuordnung. Die vorgeschlagenen Loggien, die natürliche Belichtung in die Flurräume einbringen, treten als großzügige Fensterflächen in der Fassade in Erscheinung. Sie stellen eine Sichtbeziehung zwischen dem Außen und dem Innen her und werden in Verbindung mit dem Angebot der Dachgärten als benutzerfreundlich gesehen.

Die Anbindung des Bestandsgebäudes an den Neubau wird kontrovers diskutiert: einerseits soll durch eine Fuge ein respektvoller Abstand gewährleistet und der Altbau durch das neue Volumen eingerahmt werden, andererseits wird hier die starke Differenz der beiden Architektursprachen sehr deutlich. Eine räumliche Verbindung ist durch die unterschiedlichen Geschosshöhen nur für das 1. Obergeschoss dargestellt.

Die sensible Staffelung der Geschosse – von 6 Geschossen im Norden auf 4 Geschosse im Süden – wird positiv gesehen, ebenso das Zurücktreten von der Baugrenze zur Martin-Buber-Straße, da die im südlichen Bereich liegenden Villen auf diese Weise in ihrer städtebaulichen Setzung in den Entwurf einbezogen werden. Die Arbeit berücksichtigt weiterhin, dass eine Zugänglichkeit in den rückwärtigen Bereich der Grundstücke des Einzelhandels am Teltower Damm gewährleistet werden muss.

In der Kirchstraße werden die Arkaden des alten Zehlendorfers Rathauses durch Baumreihen fortgesetzt. Die Fahrspur ist verkleinert, um den Vorbereich des Rathauses und die neue Eingangssituation zu vergrößern, kann aber dennoch den Verkehr in beide Richtungen gewährleisten.

Die Erweiterung der Gottfried-Benn-Bibliothek ist von der städtebaulichen Struktur der umgebenden Villen abgeleitet und erscheint – ebenso wie der Erhalt des Bestands - plausibel und angemessen.

Modellfoto © Hans-Joachim Wuthenow
Modellfoto © Hans-Joachim Wuthenow

Lageplan
Lageplan

Grundrissausschnitt Eingangssituation
Grundrissausschnitt Eingangssituation

Perspektive Gesamtensemble
Perspektive Gesamtensemble

Perspektive Eingangssituation
Perspektive Eingangssituation

Nutzungskonzept
Nutzungskonzept