Städtebau  
 

Rathausforum

Geschichte des Areals Rathausforum


In den stadtentwicklungspolitischen Grundsätzen des Senats von 2009 wurde die Geschichte des Rathausforums in folgenden Kontext gestellt:

Gründungskern

"Die heutige Freifläche nimmt den größeren Teil der Neustadt ein, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts dem ältesten Siedlungsgebiet Berlins um die Nikolaikirche und den Molkenmarkt angefügt wurde und die Stadtfläche fast verdoppelte. Parallelstraßen um diesen Gründungskern wurden fortgeführt und mit dem Neuen Markt zwischen Spandauer- und Jüdenstraße sowie mit der Pfarrkirche St. Marien versehen."

Transformationen der städtebaulichen Leitbilder bis Kriegsende

"Der Entwicklungsstrategie anderer Metropolen, wie z. B. in Rom im 16. Jhd. oder Paris im 17. und 19. Jhd. in ältesten, dicht bebauten Vierteln Repräsentationsachsen und Schmuckplätze durch Abriss zu gewinnen, folgte Berlin erst spät. Die preußischen Könige hatten im 18. und 19. Jahrhundert neue Räume der Staatsrepräsentation noch auf die barocken Stadterweiterungen und Randbezirke Berlins beschränkt. Nach dem Thronwechsel 1888 erfolgte erstmals auch die Anbindung des mittelalterlichen Stadtkerns an das Residenzschloss. Im Umfeld der Marienkirche wurde systematisch abgerissen, um die Kaiser-Wilhelm-Straße anzulegen als Vorläufer der heutigen Karl-Liebknecht Straße. Nach dem 1. Weltkrieg genügte dieser Durchbruch nicht mehr den städtebaulichen Leitbildern einer Metropole. Die Weimarer Republik plante und das nationalsozialistische Regime begann den blocktiefen Abriss der alten und neuen Bauten entlang der Straße, um sie als Verlängerung der Ost-West-Achse stark zu erweitern."

Planung der DDR

"Diese Strategie fand nach dem Bau der Karl-Marx-Allee ihren Höhepunkt durch die Anlage des heutigen Rathausforums in enger konzeptioneller und räumlicher Verbindung mit der Neubebauung des Alexanderplatzes als Ort des Konsums und des einstigen Schlossareals als Staatsmitte der DDR. Dem Abriss fielen um 1970 neben Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsbauten auch die wenigen Reste älterer Bebauung zum Opfer, mit Ausnahme der Marienkirche.

Der Fernsehturm als Höhendominante Berlins bezeugte den Anspruch des Freiraumes als Stadtmitte. Eine Folge von international beachteten Wettbewerbsverfahren der Zwanziger-, Fünfziger- und Sechzigerjahre hatte diese Planung vorbereitet. Damit verfügte Berlin über einen neuen urbanen Metropolenraum, der zwischen der Spandauer Straße und dem Alexanderplatz den Repräsentations-, Nutzungs- und Gestaltungsansprüchen der Nachkriegsmoderne in hohem Maße entsprach. Ein generationenübergreifender Wille zur Verwandlung des Altstadtquartiers in einen "Weltstadtraum" hatte zugleich den Stadtgrundriss und die Bebauungsstrukturen der historischen Stadt weitgehend überformt."

Veränderungen als Folge der Wiedervereinigung

"Nach der Wiedervereinigung Berlins haben Verlagerungen von Einzelhandel und Kulturinstituten, die Vernachlässigung von Grün- und Freiflächen sowie die unterlassene Instandhaltung von Erdgeschosszonen am Rathausforum noch deutlichere Abwertungseffekte erzeugt, als vergleichbare Prozesse in der City-West.

Die Erreichbarkeit konnte jedoch durch die Wiederherstellung von Straßenbahnlinien zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz deutlich verbessert werden. Der Bau der U5 wird bis 2020 mit ausgedehnten Baustellenflächen verbunden sein, die eine rasche Neugestaltung des gesamten Freiraums ausschließen. Der Ausbau des Kulturstandortes auf der Museumsinsel, des Einzelhandelszentrums am Alexanderplatz sowie des Tourismusschwerpunktes am Hackeschen Markt führen wachsende Besucherzahlen ins unmittelbare Umfeld des Rathausforums. Die weitere städtebauliche Verdichtung auf der südlichen Spreeinsel, am Molkenmarkt und am Alexanderplatz sowie der Bau des Humboldt-Forums werden die Besucher- und Nutzerströme weiter verstärken."