Städtebau  

 

Stadterneuerung - Friedrichshain-Kreuzberg - Rundgang Warschauer Straße

Der Comeniushof
Wiederherstellung der "Berliner Mischung"


Bildleiste verschiedener Ansichten des Comeniushofes
Früher wie heute repräsentiert der Comeniushof im Block 6 die traditionelle "Berliner Mischung" aus Wohnen und Gewerbe. Am Standort des heutigen Gewerbeneubaus auf dem Grundstück Gubener Straße 47 wurde bereits 1906 ein großflächiger gewerblicher Gebäudekomplex nach einem Entwurf von F. Schlundt errichtet. Das im Auftrag der Möbelfabrikanten C. Rössler & Schmidt auf einer ca. 120 m tiefen Parzelle errichtete Gebäudeensemble bestand bis zur weitgehenden Zerstörung im 2. Weltkrieg aus einem straßenseitigen, 5-geschossigen Wohnhof (Vorderhaus, 2 Seitenflügel, Quergebäude) und einem ebenfalls 5-geschossigen hell verklinkerten Fabrikgebäude. Neben den o.g. Möbelfabrikanten produzierten hier teilweise bis in die 30er und 40er Jahre die Möbelfabriken Mieles & Neumann, die Cannstatter Bettfedernfabrik Rothschild Hanauer sowie die Ledermöbelfabrik Borsig und Pohl.

Auch nach dem Krieg blieb der Baublock bis etwa 1990 traditioneller Standort der Holz- und Möbelherstellung, insbesondere durch den auf dem Grundstück Kopernikusstraße 35 ansässigen Betrieb Intercor. Hingegen wurde das sich weit in den Blockinnenbereich erstreckende Grundstück Gubener Straße 47 nach Abriss der kriegszerstörten Gebäudeteile als Garagen- und Lagergelände genutzt.

Getragen durch die Anfang der 90er aufkommende Fluktuation und die Abwanderungstendenzen des produzierenden Handwerkes ins Berliner Umland zielte das städtebauliche und wirtschaftliche Konzept des Bezirksamtes auf die Realisierung von Gewerbehöfen, um kleine und mittelständische Betriebe am Standort zu halten. Nach einer im Juni 1992 erstellten Bebauungsstudie wurde im Oktober 1992 ein Bebauungsplanverfahren für den Comeniushof eingeleitet. Zielsetzung war dabei, die Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe zu erhalten und auf den Brachflächen im Blockinnenbereich einen Gewerbeneubau zu ermöglichen, der produzierendem Gewerbe einen innerstädtischen Standort bietet und gleichzeitig die dabei häufig auftretenden Konflikte mit der Wohnnutzung minimiert.

Zwischen Juli 1997 und 1999 wurde der "neue" Comeniushof für ca. 24,3 Mio. € errichtet. Die Bruttogeschossfläche des Gewerbezentrums beträgt ca. 17.000 m² , davon entfallen rund 6.800 m² auf das sanierte Fabrikgebäude Kopernikusstraße 35. In einer Tiefgarage unter dem Neubaukomplex wurden zusätzlich 88 Fahrzeugstellplätze geschaffen. Mit einem Hofbereich, der allseitig gegenüber der angrenzenden Wohnbebauung geschlossen ist, wurde hier ein Standort geschaffen, der sowohl Büronutzung als auch die Nutzung durch Handwerksbetriebe erlaubt. Störungen für die benachbarten Wohnungen werden durch nördlich und südlich angeordnete Glaswände verhindert, die gleichzeitig die ausreichende Belichtung sowohl der Wohngebäude als auch des Gewerbehofes sichern und damit die negativen Merkmale der ehemaligen gründerzeitlichen Bebauung vermeiden. Das Gesamtkonzept sieht eine spätere Fortführung der Gewerbebebauung auf dem Grundstück Kopernikusstraße 32 vor. Leider hat sich hierfür bisher kein interessierter Investor gefunden.

Das Gesamtprojekt wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" mit rund 17 Mio. € Bundes-, Landes- und EU-Mitteln gefördert. Hierdurch wurde die Bereitstellung von auch heute noch verhältnismäßig preiswertem Gewerbemietraum (ca. 7 €/m² netto-kalt) ermöglicht. Hauptzielgruppe sind handwerkliche und produzierende, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus dem Bezirksteil Friedrichshain, darunter auch einzelne sanierungsbetroffene Unternehmen aus den bezirklichen Sanierungsgebieten.
Abbildungen:
1. Neubau des Comeniushofs
2. Neubaukomplex im Blockinnenbereich

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