Städtebau  

 

Stadterneuerung - Pankow

Aufgehobenes Sanierungsgebiet Pankow - Teutoburger Platz


Sanierungsgebiet Teutoburger Platz, Foto: falcon crest
Sanierungsgebiet Teutoburger Platz (1)

Informationen

Berlin Pankow

Bezirk Pankow von Berlin

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Teutoburger Platz
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Status: Aufgehobenes Sanierungsgebiet
seit dem 13.03.2013


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Das Gebiet

Das Gebiet Teutoburger Platz gehört zu den Altbauquartieren des 19. Jahrhunderts, die ringförmig um den alten Stadtkern Berlin-Cölln entstanden sind. Prägend ist eine geschlossene, gründerzeitliche Mietshausbebauung. Dienstleistungen, Einzelhandel und kulturelle Einrichtungen dominieren das Stadtbild. Die Kastanienallee hat sich zu einer lebendigen Hauptachse des Quartiers entwickelt. Als wesentliche, das Stadtbild prägende historische Gebäude sind das Areal der ehemaligen Brauerei Pfeffer, der so genannte Pfefferberg, als Veranstaltungsort und Standort für Galerien, freischaffende Künstler und Gastronomie, das Stadtbad in der Oderberger Straße und der Berliner Prater mit der zweiten Spielstätte der Volksbühne zu nennen. Der ehemalige Haupt- und Realschulstandort in der Kastanienallee 82 ist neues Domizil einer internationalen privaten Sprachenschule, die sich als wichtiger Impulsgeber für das Gebiet erweist.
 
Daten (Stand: 31.12.2012)
Fläche 49,7 ha
Grundstücke 316
Wohnungen 4.855
Einwohner 8.624
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Sanierungsziele

Wesentliches Ziel der Sanierung war es, das Gebiet Teutoburger Platz als zentrumsnahes Wohngebiet in seiner typischen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und sozialer Infrastruktur in seinem gründerzeitlichen Stadtgrundriss zu erhalten und zu stärken und gleichzeitig behutsame Anpassungen an überörtliche Funktionsansprüche vorzunehmen.

Hohe Priorität hatten die flächendeckende Grundinstandsetzung und Modernisierung der Bausubstanz sowie die Beseitigung des Leerstands in Wohn- und Gewerbebauten.
Zur Stärkung des sozial durchmischten, für Familien zunächst nur eingeschränkt geeigneten Quartiers, sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, das Wohnumfeld zu verbessern und die Versorgung mit sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie mit Grün- und Spielflächen sicherzustellen. Durch die Beseitigung von baulichen und technischen Mängeln sowie durch Flächenerweiterungen sollten die vorhandenen Schulen und Kindertagesstätten an einen zeitgemäßen Standard angepasst werden.

Eine Reduzierung der Verkehrsbelastung im Gebiet, die Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, die Gewinnung von Straßenraum als nutzbarer Freiraum und Verbesserung der Infrastruktur für Fahrradfahrer waren die wichtigsten Sanierungsziele im Bereich Verkehr.
Die kleinteilige Mischung von Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistungen sollte erhalten und weiter entwickelt werden bei gleichzeitigem Abbau vorhandener Nutzungskonflikte und Reduzierung gewerblicher Emissionen.

Das Gebiet Teutoburger Platz ist seit 2005 auch Gebietskulisse für das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz. Dies eröffnet neue Chancen für die Erneuerung der historischen Gebäudesubstanz und der stadtbildprägenden Straßen und Plätze im Quartier.

Ergebnisse der Sanierung

In den ersten Jahren konzentrierte sich die Sanierung auf die Erneuerung der Wohngebäude. Nach der Umstellung der Förderschwerpunkte im Jahr 2002 standen die zeitgemäße Erneuerung der Schulen und Kindertagesstätten, Spielplätze sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer im Vordergrund.

Zum Abschluss der Sanierung sind ca. 76 % des Altbau-Wohnungsbestandes umfassend modernisiert und instand gesetzt, davon etwa 575 Wohnungen mit Unterstützung von Fördermitteln des Bundes und des Landes Berlin aus den Programmen Soziale Stadterneuerung und Wohnungspolitische Selbsthilfe mit preisgebundenen Mieten und Belegungsbindungen.

Als Wohnungsneubau entstanden im Gebiet Teutoburger Platz innerhalb des Sanierungszeitraums etwa 780 Wohnungen, davon 260 durch Dachgeschossausbau und 520 in neu errichteten Wohngebäuden. Eine besondere Konzentration des Neubaupotenzials befand sich im nördlichen Teil der Schwedter Straße, wo im Rahmen von drei Projekten insgesamt ca. 300 Wohnungen unterschiedlichen Typs entstanden. Für den Bau von rund 180 weiteren Wohnungen sind noch Flächenpotenziale vorhanden.

Große Projekte wie die Erneuerung der Schulgebäude konnten nur unter Einsatz verschiedener Förderprogramme (Umweltentlastungsprogramm, Schul- und Sportstättensanierungsprogramm, Förderprogramme Stadtumbau Ost und Städtebaulicher Denkmalschutz, Städtebaufördermittel und Investitionsmittel) wie auch unter Einsatz von Eigenmitteln und Spenden realisiert werden. Insgesamt ca. 21 Mio. € (Stand 2012) wurden so in die Verbesserung der sozialen Infrastruktur im Sanierungsgebiet Teutoburger Platz investiert. Die erfolgte umfassende Erneuerung der sozialen und kulturellen Infrastruktur trägt wesentlich dazu bei, dass das Gebiet auch langfristig seine Funktion als Wohngebiet, insbesondere auch für Familien, erfüllen kann.

Die Kindertagesstätte in der Choriner Straße 25 (Waldorfkita) wurde als Ersatzneubau mit öffentlichen Fördermitteln, Spenden und Eigenmitteln errichtet. Auch der Kindergarten am Hirschhof, Eberswalder Straße 12 / 13, ebenfalls in freier Trägerschaft, wurde überwiegend mit öffentlichen Mitteln erneuert. Im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz, mit Mitteln des Programms Zweckgebundene Einnahmen der Städtebauförderung sowie aus weiteren Sonderprogrammen wurde der (Schul)Standort Schönhauser Allee 165 erneuert, in dem sich auch die städtische Kita "Tigerenten" und die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung "GO" befinden. Die o. g. Kindertagesstätten decken einen großen Teil des Bedarfs aus dem Sanierungsgebiet ab. Darüber hinaus verfügt das Gebiet Teutoburger Platz über Kita-Angebote freier Träger in Wohngebäuden, mehrheitlich ohne eigene Freifläche.

Die Grundschule am Teutoburger Platz, Templiner Straße 1, wurde für eine bessere Schulversorgung baulich erweitert. Neben der umfassenden Erneuerung von Turnhalle und Schulgebäude ist dieses Vorhaben Pilotprojekt für den Einsatz innovativer Technik. Nach beispielhafter energetischer Sanierung erreicht das Gebäude annähernd Passivhausstandard.
Die Gebäude und Freiflächen der Schule am Senefelderplatz, Schönhauser Allee 165, werden seit mehreren Jahren in einzelnen Bauabschnitten schrittweise bei laufendem Betrieb erneuert. Die Fertigstellung wird über den Sanierungszeitraum hinausreichen.

In diesem Quartier sind sowohl traditionelle kulturelle Einrichtungen wie der Prater als auch neue wie der Pfefferberg zu finden. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist der Berliner Prater. Seit 1995 befindet sich hier die zweite Spielstätte der Volksbühne. Seit mehreren Jahren werden die denkmalgeschützten, stark sanierungsbedürftigen Gebäude mit Mitteln des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz schrittweise erneuert.

Für die ehemalige Pfefferberg-Brauerei, Schönhauser Allee 176, war die Einrichtung eines soziokulturellen Zentrums formuliertes Sanierungsziel. Zu diesem Zweck konnte die Pfefferwerk-Gesellschaft zur Förderung von Stadtkultur mbH, heute Stiftung Pfefferwerk, das Areal vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland erwerben. Auf dem Gelände befinden sich jetzt sowohl Galerien und Ateliers namhafter internationaler Künstler, ein Hostel, ein Theater und diverse gastronomische Einrichtungen als auch soziokulturelle Projekte.

Zur Aufwertung und Ergänzung der öffentlichen Grünanlagen und Spielplätze wurden insgesamt 2 Mio. € und zur Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur etwa 16,5 Mio. € investiert (Stand 2012).
Die stadträumlich bedeutsame Platzanlage des Teutoburger Platzes wurde bereits frühzeitig nach Festlegung des Sanierungsgebietes neu gestaltet, die Spielangebote erweitert und verbessert.
Als zentrales Projekt der Grün- und Spielplatzflächenversorgung ist die Sicherung des sog. "Hirschhofs" in der Oderberger Straße zu bezeichnen. Hier wurde 2012 eine ca. 3.600 qm große neue Grün- und Spielfläche der Öffentlichkeit zur Nutzung übergeben. Eines der ehemaligen Werkstattgebäude auf diesem Areal soll perspektivisch noch zu einem Nachbarschaftstreff entwickelt werden. Weitere neue Grün- und Spielflächen befinden sich, angrenzend an die Schulfreifläche, in der Choriner Straße 21 und in der Choriner Straße 47/48.

Auszeichnung: Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises
Für die Vielzahl von vorbildlich realisierten Projekten im Kinder- und Jugendbereich wurden die Sanierungsgebiete in Prenzlauer Berg mit dem Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises 2003 ausgezeichnet.

Um alle Ressourcen zur Aufwertung des öffentlichen Raumes zu nutzen, erhielt auch die Verbesserung von Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Straßenraum einen hohen Stellenwert unter den Sanierungszielen.
Bereits zu Beginn des Sanierungsprozesses sind die Straßen rund um den Teutoburger Platz verkehrsberuhigt und fußgängerfreundlich erneuert worden. In Umsetzung der Sanierungsziele Verkehr wurden weitere Maßnahmen wie Kreuzungsumbauten und Gehwegvorstreckungen realisiert sowie ein Fußgängerüberweg in der Fehrbelliner Straße angeordnet. Die Hauptverkehrsstraßen Schönhauser Allee und Eberswalder Straße wurden im Rahmen von Investitionsmaßnahmen Berlins grundlegend erneuert. Die Seitenräume der Lottumstraße und der angrenzenden Angermünder Straße sind erneuert worden. Weitere Gehwegabschnitte in der Templiner Straße, Schwedter Straße und der Christinenstraße werden 2014 folgen.
Die Erneuerung der wichtigsten Straßen innerhalb des Quartiers, Kastanienallee und Oderberger Straße, wurde aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz finanziert. Mit der Ausweisung der Choriner Straße als Fahrradstraße, der Anlage eines Fahrradstreifens in der Kastanienallee und der Aufstellung von mehr als 250 Fahrradbügeln im Gebiet wurde die Infrastruktur für Radfahrer spürbar verbessert.
Zur Ordnung des ruhenden Verkehrs waren die Möglichkeiten einer Parkraum-Bewirtschaftung zu prüfen, welche Ende 2010 eingeführt wurde.

Im Gewerbebereich konnte die Verträglichkeit der gewerblichen Nutzungen mit dem umgebenden Wohnen erheblich verbessert werden. Auf dem ehemaligen Gewerbehof Schwedter Straße 34a – 36a hat sich eine Mischnutzung aus Wohnen, Ateliers, wohnverträglichen Dienstleistungsangeboten und Büronutzung entwickelt. Auf Grundlage der Sanierungsziele wurden zwei Betriebe, eine Kfz-Werkstatt und ein Galvanikbetrieb, an andere Standorte umgesetzt. Zu Sanierungsbeginn überwiegend leer stehende Gewerbehöfe wie in der Kastanienallee 32, 75 und 79 oder in der Schwedter Straße 263 erwiesen sich als Flächenressourcen für die strukturelle Anpassung an neue wirtschaftliche Erfordernisse, für die Ansiedlung von Büro- und Dienstleistungsnutzungen bzw. als Standorte für Kulturwirtschaft wie in der Kastanienallee 79. Vereinzelte Gemengelagenkonflikte, die aus der Mischnutzungsstruktur resultierten, wurden bewältigt. Festzustellen ist, dass die zu Beginn der Sanierung noch vorhandenen Handwerks- oder Kleingewerbebetriebe – häufig aufgrund der Konflikte mit der angrenzenden Wohnnutzung, aber auch aufgrund der Entwicklung der Gewerbemieten - durch Dienstleistungsbetriebe ersetzt wurden.

Das Gebiet Teutoburger Platz hat sich im Laufe der Sanierung zu einem attraktiven und nachgefragten Wohngebiet entwickelt. Die gründerzeitliche Wohnbebauung konnte erhalten und die Mischung von Wohnen, Arbeiten und Sozialer Infrastruktur weiterentwickelt werden. Die zu Beginn der Sanierung zu verzeichnenden Funktionsmängel des Gebietes wie Wohnungsleerstand, defizitäre Ausstattungsqualität und die Gestaltungsdefizite im öffentlichen Raum konnten beseitigt werden.


Rechtsverordnungen

Modernisierter Altbau, Christinenstraße 32, Foto: Michael Schroedter
Modernisierter Altbau, Christinenstraße 32 (2)

Das Estradenhaus, Choriner Straße 56, Foto: Isabel Simon
Das Estradenhaus, Choriner Straße 56 (3)

Neubau, Fehrbelliner Straße 100, Foto: Michael Schroedter
Neubau, Fehrbelliner Straße 100 (4)

Prater, Kastanienallee 9, Foto: Michael Schroedter
Prater,
Kastanienallee 9 (5)

Kastanienallee, Foto:S.T.E.R.N. GmbH
Kastanienallee (6)

Grundschule am Teutoburger Platz, Templiner Straße 1, Foto: Philipp Schumann
Grundschule am Teutoburger Platz, Templiner Straße 1 (7)

Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Sporthalle Grundschule
am Teutoburger Platz (8)

Oderberger Straße, Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Oderberger Straße (9)

Hirschhof, Oderberger Straße 19, Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Hirschhof, Oderberger Straße 19 (10)

Neubauten Schwedter Straße 37-43 , Foto: Philipp Schumann
Neubauten Schwedter Straße 37-43 (11)

Schule am Senefelderplatz, Foto: Philipp Schumann
Schule am
Senefelderplatz (12)

Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, Foto: Philipp Schumann
Pfefferberg,
Schönhauser Allee 176 (13)


Fotos:
(1) falcon crest
(6,8,9,10) S.T.E.R.N. GmbH
(2,4,5) Michael Schroedter
(3) Isabel Simon
(7,11,12,13) Philipp Schumann


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