Städtebau  

 

Stadterneuerung - Mitte - Rundgang Spandauer Vorstadt

Kunsthof Oranienburger Straße 27


Bildcollage verschiedener Ansichten des Kunsthofes in der Oranienburger Straße

Die Oranienburger Straße, eine seit dem Mittelalter bestehende Wegeverbindung und Heerstraße nach Spandau, wurde maßgeblich seit dem frühen 18. Jahrhundert bebaut und ist heute die südliche Hauptachse der Spandauer Vorstadt zwischen dem Hackeschen Markt und der Friedrichstraße.

Inmitten der nördlichen Häuserzeile lässt der Kunsthof Oranienburger Straße 27 ein Stück bürgerliches Leben in der Tradition der Schinkel-Zeit anschaulich nachvollziehen. Nach der Erneuerung von 1996 bis 1999 kann die qualitätsvolle klassizistische Architektur der Wohn- und Gewerbehofanlage wieder neu entdeckt werden. Während das 1840 erbaute Vorderhaus eine spätklassizistische Wohnhausfassade mit klarer Reihung der Fenster, betonter Mittelachse durch den gusseisernen Balkon, Friesbändern und Gesimsen sowie den Drempelfenstern mit Zinkgussrosetten hat, überliefern das Belvedere und die westlichen Hoffassaden die Rundbogenarchitektur von 1855 bis 1860 mit Merkmalen des italienischen Villenstils in Berlin.

In den von der Bankiersfamilie Goldberger repräsentativ ausgestatteten Wohnräumen der Beletage des Vorderhauses sind die Stuckdecken und das Intarsienparkett aus der Zeit von 1850-60 erhalten und aufwändig restauriert worden. Sie dokumentieren stilgeschichtlich und künstlerisch ein qualitativ hochwertiges Zeugnis der Innenraumgestaltung aus der Zeit Friedrich Wilhelm IV. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden entstellende Veränderungen am Erscheinungsbild korrigiert und fehlende Teile ergänzt. So waren die Schaufenster im Erdgeschoss zugesetzt, die Einzelteile des gusseisernen Balkons über dem Hauptportal lagerten im Pferdestall des Seitenflügels, das Tafelparkett war durch jahrelange Vernachlässigung bis auf eine beinahe hauchdünne Schicht abgetreten. Heute ist der wertvolle Fußboden mit einem Glasboden ganzflächig überdeckt und lässt den Besucher über das Parkett schweben.

Wegen der stadtbildprägenden Wirkung des hohen Daches durfte die Dachfläche straßenseitig nicht verändert werden, hofseitig wurden zahlreiche Dachflächenfenster eingebaut, um eine angemessene Belichtung der Dachräume zu gewährleisten.

Die gesamte Anlage mit ihrer betont unauffälligen Farbgestaltung im Hofbereich zählt zu den imposantesten im Flächendenkmal Spandauer Vorstadt.


Abbildungen:
KoSP GmbH (3)
Hübner & Oehmig

Städtebauförderung - Logos