Städtebau  

 

Stadterneuerung - Pankow

Aufgehobenes Sanierungsgebiet Pankow - Bötzowstraße


Sanierungsgebiet  Bötzowstraße (Luftbild); Foto: falcon crest
Gebiet Bötzowstraße; Foto: falcon crest

Informationen

Berlin Pankow

Bezirk Pankow von Berlin

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Bötzowstraße
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Status: Aufgehobenes Sanierungsgebiet
seit dem 27.04.2011


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Das Gebiet

Das Sanierungsgebiet Bötzowstraße liegt im südlichen Bereich des ehemaligen Stadtbezirks Prenzlauer Berg, angrenzend an den Volkspark Friedrichshain und in der Nähe zum Alexanderplatz, dem Zentrum in Berlin Mitte. Es ist bekannt für seine repräsentativen Jugendstil-Häuser, die mit Ausnahme der Bebauung an den Ausfallstraßen Greifswalder Straße und Am Friedrichshain, erst nach 1900 entstanden sind. Historisch bedeutsam waren auch der ehemalige Vergnügungspark Schweizer Garten mit dem Saalbau und die Brauerei Schneider, die als Kristallisationspunkte der städtischen Entwicklung bereits 1850 an der Hangkante des Barnim errichtet wurde.

Die gründerzeitliche Blockrandbebauung war zu Beginn der Sanierung grundsätzlich noch gut erhalten und wies mit ihren Vorderhäusern, Seitenflügeln und Quergebäuden eine annähernd gleiche Traufhöhe auf. Auch die historisch typische Mischnutzungsstruktur mit ihren eingestreuten gewerblichen Einrichtungen und in den Blöcken integrierte soziale Infrastruktureinrichtungen war noch erhalten. Charakteristisch für das Bötzowviertel ist neben den denkmalgeschützten Brauereiarealen im Süden auch der außerhalb des Sanierungsgebiets liegende Arnswalder Platz.

Daten (Stand: 31.12.2010)
Fläche 29 ha
Grundstücke 262
Wohnungen 3.559
Einwohner 6.147
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Sanierungsziele

Mit der Festlegung als Sanierungsgebiet wurde ein Prozess zur Behebung von städtebaulichen Defiziten und funktionellen Mängeln im Bötzowviertel eingeleitet. Das historische Erscheinungsbild und der gründerzeitliche Stadtgrundriss mit seinen ruhigen privaten Innenhöfen und belebten öffentlichen Straßenräumen sollten erhalten und behutsam weiter entwickelt werden. Die Anpassung der Altbausubstanz an zeitgemäße Standards war im Zuge der Instandsetzung und Modernisierung von Wohn- und Gewerbegebäuden auch unter Berücksichtigung von Wohnwünschen spezifischer Gruppen zu gewährleisten. Neubebauung war an die vorhandene Bebauung anzupassen. Die Wohnungsanzahl sollte sich durch die Sanierung nicht wesentlich erhöhen. Das 20 ha große Areal des Schweizer Gartens war städtebaulich neu zu ordnen.

Die sozialen und kulturellen Infrastruktureinrichtungen sollten durch die Beseitigung von baulichen und technischen Mängeln sowie Flächenerweiterungen an einen zeitgemäßen Standard angepasst werden. Dem Neubau von Sporthallen kam dabei eine zentrale Bedeutung zu. Als kulturell bedeutsame Einrichtung sollte das „Filmtheater am Friedrichshain“ erhalten und denkmalgerecht saniert werden. Mängel in der wohnungsnahen Versorgung mit Spiel- und Grünflächen und der Ausstattung des Gebiets mit sozialen Einrichtungen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, sollten behoben werden. Auch die privaten Grundstücksfreiflächen sollten entsiegelt, gestaltet und von Pkw-Stellplätzen frei gemacht werden. Eine Reduzierung der Verkehrsbelastung, Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verbesserung des öffentlichen Straßenraumes sollte insbesondere mit Kreuzungsumbauten und den Bau von Querungshilfen erreicht werden.

Die Durchführung der Erneuerungsmaßnahmen war an den Belangen der Betroffenen zu orientieren und in ihren nachteiligen Wirkungen zu mildern. Bürgerbeteiligung und die Partizipation unterschiedlicher Bewohnergruppen bei der Planung und Realisierung von Infrastrukturprojekten sollte gewährleistet werden. Da die vorhandene Bevölkerungsstruktur in ihrer sozialen Mischung und ihren sozialen Beziehungen zu erhalten war, sollte auch der Erneuerungsprozess durch umfassende Mieter– und Eigentümerberatung begleitet und im Sinne der sozialen Sanierungsziele sozialverträglich gestaltet werden. Es galt, das Sanierungsgebiet Bötzowstraße als zentrumsnahes Wohnquartier zu erhalten und zu stärken und ein familienfreundliches Wohnumfeld zu entwickeln.

Ergebnisse der Sanierung

In den ersten Jahren nach 1995 konzentrierte sich die Sanierung auf der Erneuerung der Wohn- und Gewerbegebäude. Nach der Umstellung der Förderschwerpunkte im Jahr 2002 standen die zeitgemäße Erneuerung der sozialen Infrastruktureinrichtungen, insbesondere die Erneuerung von Schulen sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer im Vordergrund.

66 % des gründerzeitlichen Wohnungsbestandes wurden seit der Festlegung umfassend modernisiert und instandgesetzt. Davon wurden im Programm der "Sozialen Stadterneuerung" 20 Gebäude mit insgesamt 404 WE gefördert. Ein Großteil des Gebietes ist an das Fernwärme-Netz angeschlossen. Von den 1.160 noch unmodernisierten Wohnungen haben immer noch ca. 800 WE einen mittleren bis hohen Erneuerungsbedarf. Auf den Grundstücken entlang der Hauptverkehrsstraßen ist noch ein höherer Erneuerungsbedarf zu verzeichnen. Dennoch konnte das zentrale Ziel einer zügigen Sanierung der Wohnbausubstanz im Wesentlichen erreicht werden.

Im Wohnungsneubau sind im Sanierungsgebiet ca. 370 Wohnungen neu entstanden. Insbesondere mit dem Neubauprojekt Prenzlauer Gärten auf dem Areal des ehemaligen Schweizer Gartens wurden 60 drei- bis viergeschossigen Townhouses, 40 Apartments sowie neun Penthousewohnungen errichtet. Andere Neubauwohnungen entstanden in den meist kriegsbedingten Baulücken und durch den Ausbau von Dachgeschossen. Mit dem generationsübergreifendem Wohnprojekt in der Käthe-Niederkirchner Straße 37-40 und in der Esmarchstraße 4 entstanden Wohnungen im sozialen Wohnungsbau. Ferner wurden vier Wohnprojekte von Baugruppen konzipiert, die wie z.B. das Holzhaus in der Esmarchstraße 3 modellhaften Charakter haben.

Die umfassende Erneuerung der sozialen Infrastruktureinrichtungen hat wesentlich zur Verbesserung der Attraktivität des Wohnumfeldes beigetragen. Die Kita, Am Friedrichshain 18a, wurde mit öffentlichen Fördermitteln zur Öko-Kita umgebaut. Der steigende Bedarf an Kita-Plätzen wird auch durch die Kita in der Jablonskistraße im benachbarten Sanierungsgebiet Winsstraße sowie durch mehrere Eltern-Kind-Initiativen gedeckt. Grundschulplätze werden vorwiegend am Standort in der Pasteurstraße 10-12 angeboten. Die dortige Homer-Schule, eine "Staatliche Europaschule für Deutsch und Griechisch", wurde umfangreich saniert und der Schulhof neu gestaltet. Erhebliche öffentliche Fördermittel sind in die Sanierung der Kurt-Schwitters-Oberschule, eine "Staatliche Europaschule für Deutsch und Portugiesisch", geflossen. Die umfangreichen Erneuerungsarbeiten an beiden Standorten (Greifswalder Straße 25 und Bötzowstraße 9) umfassten neben der energetischen Sanierung den behindertengerechter Ausbau, die zeitgemäße Ausstattung mit Fachräumen, Erneuerung der Mensa und Cafeteria sowie die Umgestaltung aller drei Schulhöfe. Für den erforderlichen Sporthallenneubau konnte das Grundstück erworben werden.

Die stark defizitäre Versorgung des Gebietes mit Grün- und Freiflächen konnte mit der Erneuerung des vorhandenen Spielplatzes "Am Friedrichshain 19-21" und der Neuanlage von vier weiteren Spielplätzen in der Pasteurstraße 22/24, der Esmarchstraße 14 / Pasteurstraße 14, der Käthe-Niederkirchner-Straße 27 und Hans-Otto-Straße 8-10 entscheidend verbessert werden. Die Planung und Umgestaltung erfolgte in Kooperation mit der Betroffenenvertretung und unter Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Anwohnern des Gebiets. Die Erneuerung privater Höfe entspricht in etwa der Erneuerung des Wohnungsbestandes.

Die gewerbliche Nutzung spielt im Sanierungsgebiet Bötzowviertel eine untergeordnete Rolle. Das historische Filmtheater Am Friedrichshain wurde 1996 als Programmkino mit 876 Plätzen und fünf Sälen nach einem denkmalgerechtem Umbau wieder eröffnet. Das Verlagsgebäude Am Friedrichshain 22 und der Gewerbehof Greifswalder Straße 33A wurden saniert. Die Umnutzung von historischen Gewerbebauten, wie der ehemaligen Brauerei Schneider oder von Fabrikgebäuden zu Wohnraum (Loftwohnen), zeugen von der hohen Lagegunst des Sanierungsgebiets Bötzowstraße.

Entscheidende Fortschritte konnten bei der Umgestaltung des Straßenraumes erzielt werden. Zur Verkehrsberuhigung und Entlastung von "Schleichverkehren" wurden das gesamte Gebiet als Tempo-30-Zone ausgewiesen und drei Kreuzungsbereiche entlang der Bötzowstraße sowie in der Hufelandstraße umgebaut. Mit der Erneuerung der Gehwege, der Neuordnung des ruhenden Verkehrs und der Anlage eines Angebotstreifens in der Greifswalder Straße wurden die Bedingungen für Radfahrer spürbar verbessert. Mit der Erneuerung der Gehwege in der Hufelandstraße, der Aufstellung von Fahrradbügeln und der Anlage von Querungshilfen vor sozialen Infrastruktureinrichtungen konnte die Verkehrssicherheit im Gebiet erheblich erhöht werden. Der Barrierewirkung, insbesondere für Kinder und Jugendliche, zum benachbarten Volkspark Friedrichshain wurde mit geschwindigkeitsreduzierenden Maßnahmen in der Straße Am Friedrichshain, der Ordnung des ruhenden Verkehrs und der Neugestaltung des Einmündungsbereiches zur Bötzowstraße entgegengewirkt. Zudem verbessert die kleine Platzanlage den öffentlichen Raum im Einmündungsbereich und das historische Stadtbild vor dem hoch frequentierten und beliebten Kino Am Friedrichshain.

Fortzuführende Maßnahmen

Die steigenden Bevölkerungszahlen, der vermehrte Zuzug von Familien und die damit verbundene erhebliche Zunahme der Kinderzahlen, stellen die Gebietsentwicklung im Bötzowviertel weiterhin vor neue Herausforderungen.

Um die ausreichende Versorgung des Gebietes mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur sicherzustellen, liegt ein Schwerpunkt in der Sicherung und Schaffung von ausreichend Schulkapazitäten. Dazu wird der Schulstandort in der Pasteurstraße 7-11 im Rahmen der landesweiten Investitionsplanung saniert und als neuer Gymnasialstandort ausgebaut. Er wird auch Kapazitäten für die steigende Zahl Bedarfe an Grundschulplätzen bereitstellen. Bestandteil dieser Investitionsplanung ist auch die Errichtung einer Vier-Hallenteile umfassenden Sporthalle auf den Grundstücken Dietrich-Bonhoeffer Straße 6-9, die im Zuge einer Doppelnutzung auch die Bedarfe der benachbarten Homer-Grundschule abdecken wird. Für diesen Sporthallenneubau muss der Grunderwerb noch abgeschlossen werden.

Der Neubau der Jugendfreizeiteinrichtung auf dem Grundstück Pasteurstraße 22 ist weitestgehend planerisch und architektonisch vorbereitet und soll im Programm "Stadtumbau Ost" gefördert werden. Dazu fand im Februar 2013 ein intensives Beteiligungsverfahren mit den zukünftigen Nutzern, Kindern und Jugendlichen und Anwohnern statt. Geplant ist es, den Neubau im Jahr 2014 / 2015 fertig zu stellen.

Die Erneuerung der Grün- und Spielfläche in der Dietrich-Bonhoeffer 22-27 wurde im Sanierungszeitraum vorbereitet und die Gestaltungskonzeption im Rahmen der Bürgerbeteiligung abgestimmt. Hier sollen auch die Angebote an Sportfreiflächen der beiden benachbarten Schulen ergänzt werden.


Rechtsverordnungen

Kinder in der Pasteurstraße, Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Kinder in der Pasteurstraße

Filmtheater am Friedrichshain, Foto: Philipp Schumann
Filmtheater am Friedrichshain (1)

Schulhof der Homer-Grundschule, Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Schulhof der Homer-Grundschule

Dietrich-Bonhoeffer-Straße, Foto: S.T.E.R.N. GmbH
Dietrich-Bonhoeffer-
Straße

Schweizer Garten
Schweizer Garten


Fotos:
S.T.E.R.N. GmbH,
außer (1) Philipp Schumann

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