Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossenes Fördergebiet Spandauer Vorstadt

Rosa-Luxemburg-Platz
Neugestaltung eines Platzes nach historischem Vorbild


Lageplan
Lageplan

Städtebauförderung - Logos

Städtebaulicher Denkmalschutz Berlin - Logo
Die heutige städtebauliche Gestalt des Platzes ist das Ergebnis von Stadtumbau- und Sanierungsmaßnahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit dem Durchbruch der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße, durch das damalige Scheunenviertel mit einem Geflecht von schmalen Gassen und dichtgedrängter kleinteiliger Bebauung (zum Teil ehemalige Scheunen) verfolgte die Stadtgemeinde Berlin das Ziel, die Straße Unter den Linden fortzusetzen und an die wichtigen Ausfallstraßen in das Umland, Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee anzuschließen, um so eine bessere Verbindung zwischen westlichen und östlichen Stadtteilen zu erreichen. Neben der Neuordnung der Verkehrsführung sollte gleichzeitig das damalige Hauptanliegen - die soziale Veränderung bzw. die Verdrängung der ansässigen proletarischen und der nach 1900 zugewanderten jüdischen Bevölkerung - vollzogen werden. Mit den Baumaßnahmen für die neue U-Bahn-Strecke Spittelmarkt-Nordring im Jahr 1906 begannen die Abrissarbeiten. Im Jahr 1910 war die Neuordnung umgesetzt. Damit war der Platz geschaffen für größere, bedeutende Bauvorhaben, die noch heute den Platz bestimmen, wie das Karl-Liebknecht-Haus (1912/13) und die Volksbühne (1913-15 erbaut nach Entwürfen von Oskar Kaufmann).

Luftbild 1991
Luftbild 1991
Die weitere Bebauung der Platzkanten, verzögert durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation, erfolgte ab 1927 nach den Plänen von Hans Poelzig. Die von ihm entworfenen Gebäude an der Weydinger Straße, überwiegend mit Mitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz instand gesetzt, prägen bis heute entscheidend das Erscheinungsbild der Platzränder.

Die wechselhafte 100-jährige Geschichte des Platzes und seine politische Bedeutung spiegelt sich in den zahlreichen Umbenennungen wider: Babelsberger Platz (1907-10), Bülowplatz (1910-33), Horst-Wessel-Platz (1933-45), Liebknechtplatz (1945-57), Luxemburgplatz (1947-69), Rosa-Luxemburg-Platz (seit 1969). In gleichem Maß war die Nutzung und Gestaltung des Platzes einem Wandel unterworfen. So wurde die gärtnerisch gestaltete Vorfläche des Theaters nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als "Anmarschplatz" gepflastert, mit dem Wiederaufbau der Volksbühne (1948-54) erfolgte die Neugestaltung der drei Freiflächen mit Grünanlagen, in den Jahren bis zur jetzigen Neugestaltung wurde die symmetrische Platzform durch veränderte Gehweg- und Straßenführung zerstört, die westliche Platzfläche zu einem Parkplatz umgenutzt.

Mit der Neugestaltung des Rosa-Luxemburg-Platzes aus Städtebaufördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurde der historischen und städtebaulichen Bedeutung des Ortes entsprochen. Grundlage des in Abstimmungsrunden mit den Anrainern entwickelten Entwurfs ist die Geschichte des Ortes, die in zahlreichen Spuren dokumentiert ist.

Heute ist die symmetrische Gestalt des Platzes wieder zu erkennen, die drei Freiflächen sind den jeweiligen Anforderungen und der Bedeutung entsprechend gestaltet: Der Theatervorplatz repräsentativ mit freier Sichtachse von der Rosa-Luxemburg-Straße über die Grünfläche zur Freien Volksbühne, die östliche Freifläche als ruhigere Grünfläche für Anwohner mit Spielplatz, die westliche Freifläche für eine größere Öffentlichkeit als Treffpunkt für Anwohner und Passanten. Die Verbesserung der Aufenthaltsqualität wird zudem mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Rosa-Luxemburg-Straße, Reduzierung des Durchgangsverkehrs und der Geschwindigkeit, Neugestaltung des Straßenraums und Bepflanzung mit Straßenbäumen, unterstützt.

Im Jahr 2006 wurde auf dem Platz ein "Denkzeichen für Rosa-Luxemburg" des Künstlers Hans Haake eingeweiht. Diese besondere Bodeninstallation war Ergebnis eines zweistufigen, eingeladenen Kunstwettbewerbs.
Das Denkzeichen besteht aus mehr als 70 Zitaten und Fragmenten aus Rosa Luxemburgs Schriften, die mit Messingbuchstaben in. Betonstreifen eingelassen und frei über den Platz verteilt in die Gehwege und Fahrbahnen, auch Bordsteine durchquerend eingebaut wurden. "Erst beim Umhergehen soll man sie entdecken und sich dazu verleiten lassen, die Gedanken Rosa Luxemburgs zu erwandern und über ihre Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit nachzudenken".
(Zitat basiert auf dem Beitrag "Rosa Zeiten-Rosas Zeichen!",
erschienen in Kunststadt Stadtkunst 52/2005; erweitert und überarbeitet; Stefanie Endlich, Okt. 2005)

Schriftzug "Rosa Luxemburg (1898)"
 
Mit der Nutzungsvielfalt der angrenzenden Bebauung - Theater, Kino, Galerien, Restaurants, Läden, Geschäftshäuser, Wohnbebauung - entstand wieder ein lebendiger Platz im Zentrum Berlins, dem gesamtstädtische wie örtliche Bedeutung zukommt.

An der Rosa-Luxemburg-Straße: ein Platz zum Verweilen
An der Rosa-Luxemburg-Straße: ein Platz zum Verweilen

Daten

  • Baujahr/Entstehung: 1910
  • Denkmalart: Ensemble
  • Eigentümer: Bezirksamt Mitte von Berlin
  • Geförderte Maßnahmen: Neugestaltung des Platzes
  • Architekten:
    Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH
    Schönhauser Allee 182
    10119 Berlin
  • Fertigstellung: 2006