Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Spandauer Vorstadt – Bezirk Mitte


Spandauer Vorstadt
Luftbild Spandauer Vorstadt/Hackescher Markt

 

Das Sanierungsgebiet Spandauer Vorstadt wurde 1993 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2010 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, die Förderung zu beenden. Seit dem Jahr 2011 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt.

Entwicklung des Gebietes

Die Spandauer Vorstadt ist der einzige in seiner historisch gewachsenen Struktur erhaltene Teil des alten Berliner Stadtgebiets. Sie hat sich seit dem Ende des 17. Jahrhunderts außerhalb der von Memhardt angelegten Befestigungswerke vor dem Spandauer Tor entwickelt. Die Hauptstraßen zu den Vororten im Norden Berlins sowie das unregelmäßige Straßensystem, das im Wesentlichen bis 1716 abgesteckt war, bestimmen die städtebauliche Eigenart des Gebiets bis heute.
Das Nebeneinander von Wohnhäusern und einer dichten Gewerbeüberbauung der Parzellen aus zweihundert Jahren Stadtentwicklung ist kennzeichnend für das Gebiet. Mit Ausnahme von wenigen erhaltenen zwei- bzw. dreigeschossigen Wohnhäusern der Erstbebauung aus dem 18. Jahrhundert prägen die höheren Mietshäuser, Geschäfts- und Gewerbebauten der zweiten und dritten Ausbauphase das Stadtbild der einstigen Vorstadt.

Die Spandauer Vorstadt ist in ihrer Entwicklung auch stark von ihren jüdischen Bewohnern beeinflusst worden. Das Viertel war lange Zeit für das friedliche Miteinander der verschiedensten Kulturen und Religionen bekannt.

Im Krieg teilweise zerstört, wurde die historische Bausubstanz zu DDR-Zeiten mehr und mehr vernachlässigt, letztlich aufgegeben. Bürgerinitiativen riefen noch vor der Wende zur Rettung des Quartiers auf – mit Erfolg. Der oft substanzgefährdete Zustand der historischen Bauten erforderte eine denkmalgerechte Instandsetzung. Die Förderung im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz hat entscheidend zur fachgerechten Umsetzung denkmalpflegerischer Konzepte und zum Erhalt der wertvollen Bausubstanz beigetragen.

Das heutige Erscheinungsbild der Spandauer Vorstadt ist wesentlich durch den sehr frühen Einsatz dieser Fördermittel geprägt. Sie haben in Bezug auf die Erneuerung der Gebäude die Qualitätsmaßstäbe gesetzt. Mit den Fördermitteln ist nicht nur die bauliche Erneuerung durchgeführt, es sind damit gleichzeitig bezahlbare Wohnungen in einem Gebiet mit hohem Umnutzungs- und Verdrängungsdruck gesichert worden.

Von 1991 bis 2011 sind insgesamt 184 Vorhaben mit insgesamt rund 122 Millionen € gefördert worden.

Ziele der Förderung

Die Förderung in der Spandauer Vorstadt konzentrierte sich anfangs stark auf öffentlich geförderte Modernisierung und Instandsetzung von privaten Wohngebäuden. Mit Mitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden Maßnahmen in der Erneuerung und Neugestaltung öffentlicher Grün- und Freiräume sowie sozialer und kultureller Infrastrukturen gefördert.

In der Spandauer Vorstadt wurden die folgenden städtebaulichen Ziele verfolgt:

  • Stärkung und Entwicklung als innerstädtisches Wohnquartier: Erstes Hauptziel war die Sicherung und Stärkung des historischen vorhandenen Wohnbestandes. Die Altbauten waren auf einen zeitgemäßen Ausstattungsstandard im weitest möglichen Einvernehmen mit den Mietern zu erneuern unter Berücksichtigung der historischen Spuren.
  • Erhalt und Wiederherstellung der Stadtgestalt, Sicherung der einmaligen und un-verwechselbaren städtebaulichen Eigenart des Gebiets: Wesentlich für die Attraktivität der Spandauer Vorstadt für alle Bewohnergruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, insbesondere für Haushalte mit Kindern, war die Sicherung, der Ausbau und die Ergänzung der Gemeinbedarfseinrichtungen.
  • Erweiterung des Angebots bei den Grünflächen und Spielplätzen durch Neuanlagen und Qualitätsverbesserung des vorhandenen historischen Bestands: Der öffentliche Raum, die Straßen und Plätze waren so zu gestalten, dass sie eine hohe Nutzungs- bzw. Aufenthaltsqualität erreichen.


Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Im Fördergebiet wurde die denkmalgeschützte Bausubstanz mit öffentlichen und privaten Mitteln umfassend instand gesetzt und modernisiert. Durch den konzentrierten Einsatz öffentlicher Fördermittel konnten viele Bauten vor dem Verfall gerettet werden und so zum Erhalt des historischen Stadtbildes beitragen. Private Altbauten wurden baukulturell anspruchsvoll saniert und viele historisch wertvolle Details blieben erhalten.
Die vorhandene städtebauliche Struktur und das historische Stadtbild sind erhalten geblieben. Dazu haben u. a. die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und Fassaden sowie die Erneuerung von öffentlichen Gehwegen, Straßen und Plätzen beigetragen. Besondere stadtbildprägende Bedeutung hatte dabei auch die Sanierung der Turmfassade und der Fassade des Kirchenschiffs der Sophienkirche sowie die Sanierung des St. Hedwigskrankenhauses in der Krausnickstraße 19. Besondere historische Ereignisse der Stadt Berlin sind durch Maßnahmen wir die Hüllensanierung des Haus Schwarzenberg, der Gedenkstätte in der Rosenthaler Straße 39, die Einbringung der Betonstelen in den Rosa-Luxemburg-Platz eines zeitgenössischen Künstlers sowie die Restaurierung des historischen Denkmals am Koppenplatz 13 bis heute erfahrbar.
Die umfassende und aufwendige Restaurierung von Schul- und Hortgebäuden wie der Waldorfschule Weinmeisterstraße 16, der Kastaniengrundschule Gipsstraße 23a und der Kultur- bzw. Schulstandorte in der Auguststraße 21 und am Koppenplatz 12, die Sanierung der Franz-Mett-Sporthalle in der Gormannstraße 13, der Volkshochschule in der Linienstraße 162 und der Kita in der Großen Hamburger Straße 28 trugen zur Gebietsaufwertung, Stabilisierung als Wohnstandort sowie zum Erhalt der historischen Identität gleichermaßen bei.
Mit der Neugestaltung der Stadtplätze Monbijouplatz, Zwirngraben, Rosa-Luxemburg-Platz und historisch bedeutsamer Straßen (u.a. Mulackstraße, Steinstraße, Auguststraße, Joachimstraße, Gipsstraße, Rückerstraße, Alte Schönhauser Straße, Oranienburger Straße) im historischen Kontext wurden wichtige Maßnahmen im öffentlichen Raum umgesetzt, die wesentlich zu einer gesteigerten Attraktivität und Aufenthaltsqualität im Gebiet beitragen. Mit der Sanierung konnte der historische Bestand in seiner überlieferten Gestalt mit originalen Materialien erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Von denkmalpflegerischer Bedeutung waren hier insbesondere der Erhalt des ursprünglichen Gehwegpflasters sowie die Stärkung historischer Raumbezüge.

Verteilung der Fördergelder

Die Mittel aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz verteilen sich über den gesamten Förderzeitraum wie folgt auf die Bereiche öffentliche Vorhaben (soziale Infrastruktur, Plätze und Straßenraum) und private Vorhaben:

Grafik: Tortendiagramm Verteilung der Fördergelder für die Spandauer Vorstadt (öffentliche Vorhaben: 19,9 Mio. €, private Vorhaben: 102 Mio. €)



Ausgewählte Fördervorhaben


Franz-Mett Sporthalle, Gormannstraße 13
Franz-Mett Sporthalle
Gormannstraße 13
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Wohnhaus, Gipsstraße 11
Wohnhaus
Gipsstraße 11
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Wohnhäuser, Joachimstraße 20/21
Wohnhäuser
Joachimstraße 20/21
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Kindertagesstätte, Große Hamburger Straße 28/29
Kindertagesstätte
Große Hamburger Straße 28/29
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Kulturhaus Mitte
Kulturhaus Mitte
Auguststraße 21
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'Kunstwerke', Auguststraße 69
Kunst-Werke
Auguststraße 69
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Rosa-Luxemburg-Platz
Rosa-Luxemburg-Platz
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Stadtplatz, Am Zwirngraben
Stadtplatz
Am Zwirngraben
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Theaterhaus Mitte
Theaterhaus Mitte
Koppenplatz 12
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Fördergebiet Spandauer Vorstadt
Fördergebiet Spandauer Vorstadt

Berliner Stadtgebiet 1737 und die Vorstadt vor dem Spandauer Thore
Berliner Stadtgebiet 1737 und die Vorstadt vor dem Spandauer Thore
Quelle: Dusableau: Plan der Königlichen Residenzstadt Berlin, nachkoloriert

Buchtipps

Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte (Buchcover)
Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte
Landesdenkmalamt Berlin, Michael Imhof Verlag, 2005

Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte (Buchcover)
Spandauer Vorstadt
in Berlin-Mitte -
Ein Kunst- und Denkmalführer

V. Hübner, Ch. Oehmig
Michael Imhof Verlag, 2002

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