Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossenes Fördergebiet Oberschöneweide

Lauffener Straße


Blick zum Kaisersteg, 2011; Fotos: Steinbrecher & Partner
Blick zum Kaisersteg, 2011
Fotos: Steinbrecher & Partner

Lageplan Lauffener Straße
Lageplan

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Bereits im 17. Jahrhundert befand sich zwischen der heutigen Reinbeck- und Lauffener Straße das Gut Quappenkrug, ein Gehöft mit eigenem Schankrecht. Für die Erschließung der Wiesen und Wälder, aber auch durch den Betrieb der Schankwirtschaft, gewann das Anlegen von Straßen und Verbindungswegen zusehends an Bedeutung. Nördlich der Spree verband eine unbefestigte Landstraße, die heutige Straße An der Wuhlheide, Berlin mit Köpenick. Vom Gut Quappenkrug führte ein Sandweg Richtung Norden durch eine Wald- und Wiesenlandschaft zur Landstraße. Aus diesem Sandweg entwickelten sich später die Edison-, Wilhelminenhof- und Ostendstraße. 1814 wurde das Gehöft schlossartig umgebaut und erhielt den Namen Wilhelminenhof.

Die Lauffener Straße wurde vermutlich um 1896 angelegt. Erstmalig in einem Kartenwerk erfasst wurde sie 1902 im Übersichtsplan der Gemeinde Oberschöneweide.

Benannt wurde die Lauffener Straße nach dem Ort Lauffen am Neckar. Hier demonstrierte 1891 die AEG die erste Drehstromübertragung über eine 25.000 Volt-Freileitung von Lauffen nach Frankfurt am Main. Durch diese hohe Übertragungsspannung des Drehstroms wurde die Übertragung elektrischer Energie mit Leitungen von geringem Durchmesser technisch ermöglicht und der Aufbau leistungsstarker Versorgungsnetze realisierbar. 1895-97 baute die AEG hier an der Lauffener Straße Ecke Wilhelminenhofstraße die erste Drehstrom-Überlandzentrale Deutschlands - ein Elektrizitätswerk mit angegliedertem Umspannwerk. Der Baukomplex steht heute als Einzeldenkmal "Abspannwerk Oberspree" in der Berliner Denkmalliste.

1898 wurde der Kaisersteg als zweite Spreeüberquerung in Schöneweide fertig gestellt. Durch den Bau verkürzte sich der tägliche Arbeitsweg zwischen dem Bahnhof Niederschöneweide-Johannisthal und den Fabriken in der Wilhelminenhofstraße für etliche Arbeiter. Die Lauffener Straße ist dabei das Bindeglied zwischen Kaisersteg und Wilhelminenhofstraße.

Um 1902 war der Bereich nördlich der Wilhelminenhofstraße von Wohnbauten geprägt, wohingegen im südlichen Bereich, zwischen Wilhelminenhofstraße und Spree, diverse Industrieanlagen dominierten. Die im Industriegebiet gelegene Lauffener Straße vereinte diese beiden Nutzungen. Die Parzellen westlich der Lauffener Straße waren für Wohnbauten vorgesehen, wovon 1902 bereits eine bebaut war. Östlich der Straße lag eine gewerbliche Ansiedlung. Diese Funktionsmischung hat sich bis heute erhalten: Der westlichen Wohnhausreihe sind Industriebauten des 20. Jahrhunderts im Osten entgegengesetzt.

Die Lauffener Straße gewann Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend an städtebaulicher Bedeutung. Die nördliche Verlängerung der Lauffener Straße, die heutige Flirlstraße, wurde bis zur Chaussee An der Wuhlheide erweitert. Hinzu kam die 1908 geweihte Christuskirche, auf die die heutige Flirlstraße als Blickpunkt zuführt. Zudem diente sie ab ca. 1910 als Verbindung zwischen Kaisersteg und dem neu entstandenen Gemeindezentrum rund um den Marktplatz, heutige Griechische Allee, und die Christuskirche.

Mit der Zerstörung des Kaiserstegs 1945 wurde die Lauffener Straße eine Sackgasse und verlor an Bedeutung. Mit dem Bau einer neuen Fußgängerbrücke 2006 konnte die Lauffener Straße wieder ihre traditionelle Rolle als Anbindung vor allem an die Wilhelminenhofstraße einnehmen.

Das historische Pflastermaterial der Lauffener Straße ist erhalten und weist auch noch den originalen Diagonalverband auf. Granitbordsteine trennen die Fahrbahn von den Gehwegen, die in Abschnitten ebenfalls noch original gepflastert sind. Die mittleren Streifen der Gehwege weisen Plattenbelag, die Seitenstreifen Kleinsteinpflaster und Mosaikpflaster auf. An den Gehwegen sind Baumreihen gepflanzt, deren Beete mit Steinreihen eingefasst sind.

Mit der Sanierung der Fahrbahn und Gehwege wurde der historische Bestand in seiner überlieferten Gestalt mit originalen Materialien erhalten bzw. wiederhergestellt. Von denkmalpflegerischer Bedeutung waren hier insbesondere der Erhalt des historischen Straßenprofils, des ursprünglichen Straßen- und Gehwegpflasters, der ehemaligen Einfriedung des Abspannwerkes Oberspree, der historischen Beeteinfassungen um die Bäume sowie des Baumbestands.

Daten

  • Baujahr/Entstehung: um 1896
  • Eigentümer: Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin
  • Geförderte Maßnahmen: Instandsetzung Gehwege, Fahrbahn, Umgestaltung
  • Planung:
    Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin
  • Gesamtbaukosten: ca. 245.000 €
  • Fördermittel: 210.000 €
  • Fertigstellung: 2009