Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Kietz-Vorstadt – Bezirk Treptow-Köpenick


Der Kietz am Frauentog
Der Kietz am Frauentog; Foto: AG Schilling Kinkenberg

 

Die Kietz-Vorstadt wurde 1991 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2005 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, beim damaligen Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen das Ende der Förderung anzuzeigen. Seit dem Jahr 2007 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt.
 

Entwicklung des Gebiets

Der Ursprung der ehemaligen Fischersiedlung Kietz ist durch archäologische Funde auf den Beginn des 13. Jahrhunderts datiert. Die überwiegend slawische Bevölkerung war dem Schloss Köpenick zugeordnet und zu verschiedenen Diensten verpflichtet, durfte dafür jedoch in den dem Schloss zugeordneten Gewässern die Fischerei ausüben. Das Dorf umfasste nur die zum Ostufer der Dahme parallel verlaufende heutige Straße Kietz mit 31 Hausstellen. Die zur Ursprungsbebauung gehörenden Fischergüter lagen zu beiden Seiten der Dorfstraße. Um Bewohnern der wasserabgewandten Seite die Ausübung der Fischerei zu ermöglichen, führten in unregelmäßigen Abständen schmale Wege als Wassergassen an das Ufer der Dahme.
 
Von der ersten Bauphase sind keine Bauten überliefert. Seit dem 17. Jahrhundert waren eingeschossige, traufständige Bauten aus Fachwerk ohne Sockel, Keller und Drempel mit hohen Satteldächern typisch. Nach 1875 verstärkte sich die Bautätigkeit. Damit wuchs der Anteil der Anwohner, die nicht mehr vom Fischfang lebten. Mit der Gründerzeit entstanden die ersten Neubauten, die sich in der Höhe noch an der bereits vorhandenen Bebauung orientierten, jedoch mit spätklassizistischen Fassaden, erhöhtem Drempel und ausgebautem Dach versehen waren. Nach 1890 wurden die ersten dreigeschossigen Mietshäuser errichtet. Die Bebauung der Flurstücke wurde durch eine Hofbebauung mit Werkstätten und Schuppen verdichtet.
 
Zu DDR-Zeiten waren die alten Häuser durch den Baustoffmangel nur schwer instand zu halten, etliche Häuser waren 1990 vom Verfall bedroht.
 
Durch die breite Trasse der in den 1980er Jahren neu angelegten Müggelheimer Straße wurde der historisch gewachsene städtebauliche Zusammenhang des Kietzes mit der Altstadt zerrissen.
 
Die bis heute erhaltene Grundstruktur des Kietz, der dörfliche Charakter der Bebauung in der Garten- und Spitzerstraße mit Durchblicken zum Wasser sind von besonderer geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung. Der gesamte Bereich steht unter Denkmalschutz.
 

Ziele der Förderung

Mit dem Einsatz des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Gebiet Kietz-Vorstadt waren folgende Ziele verknüpft:
  • Sicherung und langfristiger Erhalt historisch wertvoller Bausubstanz
  • Modernisierung historischer Gebäude, Herstellung eines zeitgemäßen Ausstattungsstandards der Wohnungen, Beseitigung von Leerstand
  • Erhaltung und Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses, Wiederöffnung der Wassergassen
  • Sanierung des Straßen- und Wegenetzes mit teilweise mittelalterlichen Strukturen
  • Erhalt kleinteiliger Nutzungsmischung
 

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Von 1991 bis 2007 sind 30 Vorhaben mit insgesamt 10,2 Millionen € gefördert worden.
 
Die wesentlichen städtebaulichen Ziele konnten realisiert werden. Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2007 folgende Ergebnisse erreicht:
  • Im Fördergebiet wurde die denkmalgeschützte Bausubstanz mit öffentlichen und privaten Mitteln umfassend instand gesetzt und modernisiert. Durch den konzentrierten Einsatz öffentlicher Förderungsmittel konnten viele Bauten vor dem Verfall gerettet werden. Über 30 % der privaten Altbauten wurden denkmalpflegerisch anspruchsvoll restauriert.
  • Mit der umfassenden und aufwendigen Restaurierung historischer Gebäude in Verbindung mit der Nutzung durch kulturelle und soziale Projekte fand nicht nur ein Beitrag zur Gebietsaufwertung statt, sondern wurde wesentlich zur Stabilisierung als Wohnstandort und zur Identitätsstärkung der Bewohnerinnen und Bewohner beigetragen (sozial-pädagogisches Kommunikationszentrum Flussbad in der Gartenstraße 42-50, Kinder- und Jugendkulturprojekt in der Alten Möbelfabrik Karlstraße 12).
  • Die vorhandene städtebauliche Struktur konnte erhalten werden. Die Erneuerung des Straßenraumes Kietz und die Wiederherstellung der Wassergassen tragen entscheidend zur Attraktivitätssteigerung der Kietz Vorstadt bei.


Ausgewählte Fördervorhaben


Flussbad Gartenstraße, Gartenstraße 42-50
Flussbad Gartenstraße
Gartenstraße 42-50
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Ensemble, Kietz 23/24
Ensemble
Kietz 23/24
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Fördergebiet Kietz-Vorstadt
Fördergebiet Kietz-Vorstadt

Der Kietz 1833
Der Kietz 1833
Quelle: Stadt Köpenick: Karte vom Kietz, 1833

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Buchtipp

Köpenick Baudenkmale (Buchcover)
Köpenick Baudenkmale
Bezirksamt Köpenick von Berlin/KÖWOGE mbH, Berlin, 1998