Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Fördergebiete, Vorhaben und Rundgänge

Altstadt Spandau – Bezirk Spandau


Luftbild mit Blick zur Altstadt Spandau; Foto: © Berlin-Motive.de, Horst Stiller
Luftbild mit Blick zur Altstadt Spandau; Foto: © Berlin-Motive.de, Horst Stiller


Ausgangslage

Die Altstadt Spandau verfügt über einen der ältesten und noch heute im Straßenverlauf sichtbaren Stadtgrundrisse. Er lässt sich bis auf das 13. Jahrhundert zurückführen. Die Gebäudestruktur hingegen wandelte sich seither durch Kriegseinwirkungen und Abrissmaßnahmen: Ein Großteil der historischen Bebauung fiel dem Zweiten Weltkrieg und der radikalen Sanierung in den 1950er Jahren zum Opfer. Erst Ende der 1970er Jahre erfolgte ein Umdenken. Die inzwischen stark zerstörte Altstadt wurde aufwändig saniert und zu einer der größten zusammenhängenden Fußgängerzonen Berlins umgebaut. Den Altstadtkern umfahren seitdem sechs- bis achtspurige Verkehrstraßen.

Trotz der Zerstörungen finden sich in der Altstadt noch Gebäudetypen unterschiedlicher Zeitschichten: Hierzu zählen wertvolle Einzeldenkmale wie die Reformationskirche St. Nikolai oder das Gotische Haus. Denkmalgeschützte Bürgerhäuser und Gründerzeitbauten, teilweise erhaltene historische Fachwerkensembles sind ebenso anzutreffen, wie eine Vielzahl an Gebäuden aus der Wiederaufbauphase von 1978 bis in die 1990er Jahre. Über Berlin hinaus bekannt ist auch die Zitadelle, eine Festungsanlage von gesamteuropäischer Bedeutung, die an die Altstadt Spandau angrenzt.

Die Altstadt Spandau ist Hauptzentrum des Bezirks Spandau. Hier finden sich eine Vielzahl an wichtigen administrativen, sozialen und kulturellen Funktionen: Das Rathaus als Sitz der Verwaltung ist genauso in der Altstadt anzutreffen wie die Bibliothek, die Volkshochschule, die Musikschule oder das Kulturhaus. Mit ihren zahlreichen Geschäften ist die Altstadt auch Haupteinkaufszentrum für ca. 255.000 Spandauer*innen.
Seit dem Ende der 1990er Jahre steht dieses Haupteinkaufszentrum vor erheblichen Herausforderungen: Der massive Konkurrenzdruck aus der Berliner City, den benachbarten Umlandgemeinden und den in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt befindlichen "Spandau Arcaden" gefährdet den Standort. Auch die stetig wachsende Bedeutung des Online-Handels stellt eine ernst zu nehmende Gefährdung des Geschäftsbereichs dar. Die sozio-ökonomische Lage und damit die Kaufkraft der Spandauer Bevölkerung hat sich in der Vergangenheit zunehmend verschlechtert.

Ziele und Schwerpunkte

Die Altstadt Spandau ist Identifikationsort und urbaner Mittelpunkt des Bezirks Spandau. Mit ihrem historischen Stadtkern, den zahlreichen Einzeldenkmalen und Denkmalbereichen, ihrer Lage am Wasser und ihrem umfassenden Angebot an kulturellen und sozialen Einrichtungen ist sie städtebaulich und stadträumlich bedeutsam und erhaltenswert.

Die Förderung im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz legt folgende Schwerpunkte für den Erhalt und die Stärkung der Altstadt Spandau:
  • Erhalt und Ausbau der kulturellen und sozialen Angebote und ihre Anpassung an zeitgemäße Standards
  • Beseitigung städtebaulicher und funktionaler Mängel in der Fußgängerzone einschließlich der öffentlichen Straßen und Plätze.
  • Verbesserung von Branchenmix, Branding und Marketing für den Einkaufs- und Erlebnisort
  • Stärkung der Altstadt als Wohnstandort mit bezahlbaren Wohnungen für vielfältige Lebensstile und Altersgruppen
  • Anbindung der Altstadt zum Havelufer und dessen Nutzung für die wohnortnahe Erholung und Erschließung neuer touristischer Ziele
  • Umstrukturierung der ungünstigen Verkehrssituation
Das Gebiet Altstadt Spandau wurde im Juni 2014 aufgrund seiner historischen Altstadt für das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz ausgewählt und mit Senatsbeschluss vom 14. Juli 2015 als Fördergebiet in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen.

In den Jahren 2014 und 2015 erarbeitete der Bezirk Spandau in einem umfassenden Beteiligungsverfahren ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK). Es ist Grundlage für die Sicherung der historischen Qualitäten des Gebietes und seine Anpassung an heutige und zukünftige Bedürfnisse. Mit seinem Leitbild für die zukunfts- und bedarfsgerechte Entwicklung der Altstadt und ihrer Verflechtungsbereiche und den daraus abgeleiteten Entwicklungszielen und Maßnahmen ist das ISEK Grundlage für die Förderung im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz.

Rechtsgrundlagen


Förmliche Festlegung als Erhaltungsgebiet

Das Bezirksamt Spandau von Berlin hat am 28. April 2015 die Aufstellung einer Erhaltungsverordnung gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Baugesetzbuchs (BauGB) zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebietes "Altstadt Spandau" beschlossen. Sie trat am 16. Juni 2016 in Kraft.



Ausgewählte Fördervorhaben


Geschäftsstraßenmanagement Altstadt Spandau


Ziel des Geschäftsstraßenmanagements ist es, mit Hilfe der in der Altstadt ansässigen Gewerbetreibenden, Initiativen sowie Bewohnerinnen und Bewohnern die Altstadt in ein lebendiges und attraktives Hauptzentrum für den Bezirk Spandau zu entwickeln. Bereits 2012 ist es gelungen, ein Geschäftsstraßenmanagement zu etablieren. Mit Aufnahme der Altstadt Spandau in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz wird die Arbeit des Geschäftsstraßenmanagements fortgeführt und ausgebaut.

Im Rahmen der Fortführung des Geschäftsstraßenmanagements im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz sind u.a. folgenden Aufgaben / Ziele angedacht:
  • Aktivierung und Beratung von Eigentümern
  • Unterstützung und Vernetzung der Einzelhändler und Unternehmen
  • Start einer Qualitätsoffensive zur Verbesserung der Angebote und Attraktivität einzelner Geschäfte sowie des gemeinsamen Standorts
  • Gemeinsames Marketingkonzept / Imagekampagne mit den Spandau-Arcarden
  • Weiterführung und Festigung der Kommunikationsstruktur in der Altstadt
  • Einrichtung eines Leerstandsmanagement
  • Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Internet, Publikationen, Ausstellungen etc.)

Im Zusammenhang mit dem Geschäftsstraßenmanagement stehen zudem die Aufgaben des externen Gebietsbeauftragten sowie des Stadtentwicklungsamtes zur Steuerung, Vorbereitung und Durchführung der geplanten Investitionsprojekte in der Altstadt Spandau.

Umgestaltung des Straßenraums Hertefeldstraße


Die Hertefeldstraße, im Nordosten der Altstadt gelegen, verbindet die Fußgängerzone mit dem Lindenufer an der Havel und stellt somit eine wichtige Verknüpfung zwischen Altstadt und Wasserlage dar. Es handelt sich bei der Hertefeldstraße zurzeit um einen provisorisch befestigten Weg. Eine Erschließung für Anlieger ist aktuell nur über das benachbarte Lindenufer möglich. Es ist angedacht die Hertefeldstraße als verkehrsberuhigten Bereich in Richtung des Lindenufers zu öffnen und die Erschließung des Stellplatzes am Lindenufer von der Hertefeldstraße aus zu gewährleisteten. Durch entsprechende Um- und Neubaumaßnahmen bietet sich somit die Möglichkeit, die Wasserlage und Parkanlage am Lindenufer stärker mit der Altstadt in Beziehung zu setzen. Insbesondere die Neugestaltung der Hertefeldstraße auf Höhe des ehemaligen Berliner Tors ermöglicht einen attraktiven Zugang zur Altstadt.