Bauen  

 

Werbekonzept

Werbung prägt das Stadtbild


Öffentlicher Raum und Werbung gehören seit langer Zeit zusammen. Diese Partnerschaft ist nicht immer reibungslos: Solange wie es Städte und Werbung gibt, finden Auseinandersetzungen darüber statt, welchen und wie viel Raum Werbung in der Stadt bekommen soll. Handlungsbedarf und Steuerungsnotwendigkeiten leiten sich aus drei Aspekten ab: gesellschaftliche, gestalterische und ökonomische. Diese reichen über die Frage des Geschmacks hinaus.

Gesellschaftliche Aspekte


Gesellschaftlicher Dominanzanspruch: Werbung im öffentlichen Raum ist Teil des zunehmenden "Brandings" in vielen Lebensbereichen. Räume, Gegenstände, Menschen oder Lebensgefühle werden markiert, von oder für eine Marke in Besitz genommen. Da der Wiedererkennungswert von Marken und Logos in keinerlei Bezug zum Ort der Werbung steht, kann Werbung mit ihren Markenzeichen Stadtbilder, sogar Stadtidentitäten überlagern.

Besitzanspruch: Werbung ist Teil zunehmender Kommerzialisierung und Privatisierung öffentlicher Räume. Als private Meinungsäußerung nimmt sie nennenswert öffentlichen Raum und Aufmerksamkeit in Anspruch.

Verwirrung: Werbung ist Teil von Zeichenüberflutung im öffentlichen Raum. Wegweiser, Werbung, Verkehrszeichen, Piktogramme, Bilder, Texte, Farben, Leuchtendes und Bewegtes – die Fülle der Informationen und Zeichen verwirrt teilweise eher, als dass sie die Orientierung in der Stadt erleichtert.

So tun als ob: Werbung ist Teil von Fassadensimulation im öffentlichen Raum. Fassadensimulationen an Gerüsten werden oft durch großformatige Werbung finanziert.

Gestalterische Aspekte


Inwertsetzung: Werbung kann unter Umständen bei entsprechender Qualität einen Ort neu ins Blickfeld rücken. Künstlerische und dem Ort angepasste Werbung kann dazu beitragen.

Gestalterischer Dominanzanspruch: Werbung kann durch Gestaltung, Dimension oder Häufung den Raum dominieren. Insbesondere großformatige Werbung bedeutet einen Maßstabssprung im Vergleich zu benachbarten Straßen oder Gebäuden. Dominanz entsteht auch, wenn die Gesamtausstattung eines Ortes mit Werbung ein für den Ort verträgliches Maß überschreitet oder Werbung dem Ort nicht angemessen ist, z. B. wenn ein Ort des Mauergedenkens von großformatiger Werbung überstrahlt wird. Technische Entwicklungen (u. a. LED-Technik) werden den Dominanzanspruch der Werbung durch Leuchtkraft, bewegte Bilder und auch Interaktion in den nächsten Jahren verstärken.

Ökonomische Aspekte


Wirtschaftsfreundlich: Auch im Werbebereich will die Stadt ein wirtschaftsfreundliches Klima signalisieren. "Wirtschaftsfreundlich" im Bereich der Werbung im öffentlichen Raum ist jedoch nicht gleichbedeutend mit laissez-faire und daraus entstehendem Wildwuchs. Im Gegenteil: Auch die Werbewirtschaft lebt davon, dass die Werbung zur Geltung kommt und nicht in der Masse untergeht.

Werbung bringt Geld: Mit großformatiger Werbung an Baugerüsten wird Geld verdient, daher werden Bauzeiten gerne verlängert. Die Berliner Bauordnung begrenzt deshalb Baugerüstwerbung auf sechs Monate. Werbung auf Flächen in öffentlichem Eigentum bringt den Städten Einnahmen über Sondernutzungsgebühren. Mit dem Verkauf von Werberechten werden in Berlin, wie überall, u. a. Toiletten, Brunnen und Weihnachtsbeleuchtungen finanziert.

Gestalterischer Dominanzanspruch
Gestalterischer Dominanzanspruch

Zeichenüberflutung und Verwirrung
Zeichenüberflutung und Verwirrung

(Großformatige) Werbung bringt Geld
(Großformatige) Werbung bringt Geld

Besitzanspruch
Besitzanspruch

Fotos: proloco