Städtebau  

 

Erweiterung Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße

Die Zeit der Berliner Mauer 1961-1989


Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße um 1970; Quelle: Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde
Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße um 1970: Bis auf die Versöhnungskirche wurde ab 1965 die Bebauung auf dem Grenzstreifen abgerissen und nur Teile der Straßenfassaden als vorläufige Mauer stehen gelassen.
Quelle: © Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde

Folgen des Mauerbaus

Bernauer Straße Ecke Gartenstraße, 1962: Die Einmündung der Gartenstraße ist provisorisch zugemauert. Quelle: Stiftung Berliner Mauer
Bernauer Straße Ecke Gartenstraße, 1962: Die Einmündung der Gartenstraße ist provisorisch zugemauert.
Quelle: © Stiftung Berliner Mauer
Mit Schließung der Grenze und Mauerbau im August 1961 wurde die Abtrennung des Viertels nördlich der Bernauer Straße vollendet. Die bis dahin durchlässige Grenze entlang der Bernauer Straße wurde unpassierbar, indem die Gebäude auf der Südseite, deren Fenster und Türen in den Wochen nach dem 13. August vermauert und die auf den Straßeneinmündungen und Leerstandsflächen mit Mauern verbunden worden waren, zu einem Teil der Grenzsperranlagen wurden. Ergänzt wurde dies durch die Sperrung und Vermauerung des Fußgängertunnels unter dem Gelände des Stettiner Bahnhofs und des Tunnels zur Gleimstraße hin, die bis dahin eine gewisse Anbindung nach Osten und Westen ermöglicht hatten. Seitdem waren die Straßenverbindungen nach Norden die einzigen Zugänge zum Viertel, das somit zu einem Randgebiet von West-Berlin wurde.

Der östliche Mauerbereich wird zum Sperrgebiet

Das Viertel südlich der Bernauer Straße erfuhr ebenfalls eine tiefgreifende Umgestaltung. Die Bewohner der Grenzhäuser wurden bis Anfang Oktober zwangsweise umgesiedelt, so dass diese Gebäude vollständig geräumt waren.

Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße in den 1980er Jahren; Quelle: Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde
Bernauer Straße in Höhe der Ackerstraße in den späten 1980er Jahren: Die Versöhnungskirche wurde 1985 entfernt und die Grenzanlagen zeigen einen fertigen Stand mit vorderer Mauer entlang der Bernauer Straße, diversen Sperranlagen, Postenweg, Kontrolltürmen, Grenzsignalzaun und Hinterlandmauer.
Quelle: © Stiftung Berliner Mauer / Versöhnungsgemeinde

Im Juni 1963 wurde im zu Ost-Berlin gehörenden Vorfeld der Grenze ein Grenzgebiet definiert, das nur mehr mit einer polizeilichen Sondergenehmigung bewohnt oder betreten werden durfte. Die Gebäude hinter der Grenze wurden seit 1965 abgerissen, um für den heute noch als stadträumliche Narbe bestehenden Grenzstreifen Platz zu machen.

Der Altbaubestand im Westteil musste großzügigen Flächensanierungen weichen

Während aus dem zu Ost-Berlin gehörenden Stadtraum südlich der Bernauer Straße wegen seiner Nähe zur Grenze aus regimepolitischen Erwägungen heraus das soziale Leben verdrängt wurde, verschwand es aus dem zu West-Berlin gehörenden Stadtraum nördlich der Bernauer Straße durch die räumliche Abtrennung und die vom West-Berliner Senat eingeleitete Flächensanierung. Nach dem Krieg war zunächst im Rahmen von Wiederaufbau und Systemkonkurrenz an der Ackerstraße die Ernst-Reuter-Siedlung entstanden, die Mitte der fünfziger Jahre fertig gestellt wurde und zusammen mit dem Hansaviertel zu den Vorzeigeprojekten West-Berlins gehörte, die die Gegenmodelle zum Ost-Berliner Aufbauprogramm an der Stalinallee darstellten. Die seit 1963 geplante und seit 1966 umgesetzte Sanierung im Wedding westlich und östlich der Brunnenstraße war der grundsätzlichen Ablehnung der „Mietskasernenstadt“ verpflichtet. Als damals größtes Sanierungsgebiet Europas wurde es mit mehrfach veränderten Planungsvarianten zu einem Experimentierfeld der Innenstadtsanierung. Der Altbaubestand wurde weitgehend abgerissen und durch moderne Wohnbauten teils in Blockrandbebauung teils in gestaffelter Bebauung ersetzt. Hierdurch entstand ein funktional und sozial weitgehend homogenes Gebiet des sozialen Wohnungsbaus. Die flächendeckende Neubebauung war 1980 abgeschlossen.