Städtebau  

 

Alexanderplatz

Entwicklung bis zur Reichsgründung 1871 -
Von der Stadtgründung bis zur Reichshauptstadt


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Die vielen Namen des Alexanderplatzes

Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts war die vor den Toren der Stadt liegende Gegend unbebaut und wurde als Weide- und Ackerland genutzt. Der Bereich des heutigen Alexanderplatzes lag vor den östlichen Festungsanlagen am Oderberger Tor, das bald wegen der hier gelegenen St. Georg Kapelle den Namen Georgentor erhielt. Entsprechend nannte man die hier entstehenden Straßen und Häuser, von denen es um das Jahr 1700 schon mehr als 600 gab, die Georgenvorstadt.
Im Jahr 1701 wurde die Georgenvorstadt umbenannt: Weil der Brandenburgische Kurfürst Friedrich III. im Dom zu Königsberg als Friedrich I. zum König von Preußen gekrönt worden war und anschließend durch die Georgenvorstadt und das Georgentor feierlich nach Berlin eingezogen war, wurde das Georgentor in "Königstor" umbenannt. Dementsprechend hieß der Festungsgraben nun "Königsgraben" und die zum Schlossplatz führende Straße "Königsstraße".
Erst im Jahr 1805 wurde die Bezeichnung "Alexanderplatz" eingeführt, als der Paradeplatz vor dem Königstor aufgrund eines Staatsbesuches des russischen Zaren Alexander I. entsprechend umbenannt wurde. Im Jahr 1810 bekam dann die den Platz in Nord-Süd-Richtung durchschneidende Straße den Namen "Alexanderstraße". Vorher hieß sie in ihrem nördlichen Teil „Auf der Contre Escarpe” und in ihrem südlichen Teil „An der Contre Escarpe”. Mit „Contrescarpe” bezeichnete man den vor der Stadtmauer und dem Festungsgraben liegenden Vorwall und die danach bezeichnete Straße verlief an der östlichen Seite dieses Walls entlang. Das nördlich vom Alexanderplatz befindliche Teilstück wurde später nach dem Festungsbaumeister Johan Gregor Memhard in "Memhardstraße" umbenannt und das südliche Teilstück - in Höhe des heutigen Shopping-Centers „ALEXA” - wurde zur "Alexanderstraße".

Stadt und Alexanderplatz-Bereich im Memhard-Plan von 1652

Der erste Plan der 1237 gegründeten Doppelstadt Berlin-Cölln wurde erst im Jahr 1652 von Johan Gregor Memhard gezeichnet. Der Plan ist nicht genordet, sondern um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Er zeigt die ursprüngliche städtebauliche Struktur mit der ringförmig angelegten Festungsmauer und dem aus der Spree gespeisten Festungsgraben. Die Siedlung Cölln lag am westlichen Ufer der Spree und die Siedlung Berlin am östlichen Ufer. Auf dem sumpfigen nördlichen Teil der zu Cölln gehörigen Spree-Insel stand das Hohenzollernschloss mit seinen Gartenanlagen. Der Stadtgrundriss ähnelt den im 12. und 13. Jahrhundert planmäßig angeordneten Städten des Nordens. Wie diese war auch Berlin-Cölln eine wirtschaftlich expandierende Stadt und von 1360 bis 1451 Mitglied des Hansebundes.

Schon im Memhardplan werden die Standortfaktoren für die verkehrliche und wirtschaftliche Entwicklung des späteren Alexanderplatz-Bereiches deutlich: Ein wichtiges Kriterium war seine zentrale Lage zwischen dem historischen Stadtkern und der sich schnell zur Vorstadt wandelnden Landschaft. Als frühem Verkehrsknotenpunkt und Nadelöhr zur Innenstadt liefen an dem hier gelegenen Stadttor die Straßen von Landsberg, Oderberg, Bernau und Prenzlau zusammen und führten von hier über die Königsstraße direkt ins Stadtzentrum zum Schlossplatz und zum Berliner Rathaus. Es war das wirtschaftlich wichtigste Tor der Stadt, über welches der Handelsverkehr mit den östlichen Hansestädten abgewickelt wurde und wo die meisten Zollgebühren eingenommen wurden.


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