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Stadtentwicklungsplan (StEP) Industrie und Gewerbe

Leitlinien


Modell der räumlichen Entwicklung des gewerblichen Bereichs
Modell der räumlichen Entwicklung des gewerblichen Bereichs

1. Industriestandort Berlin stärken
Die Position des Wirtschaftsstandorts Berlin im Wettbewerb mit anderen europäischen Metropolen hängt ganz wesentlich von der Entwicklung der Industrie ab. Die im Masterplan Industriestadt Berlin 2010–2020 verankerte Stärkung des produzierenden Sektors ist deshalb auch vorrangiges Ziel des Stadtentwicklungsplans Industrie und Gewerbe mit dem Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich. Die Entwicklung gesamtstädtisch bedeutsamer Gebiete – BBI Business Park Berlin, Clean Tech Business Park sowie Flughafen Tegel – unterstreicht dieses Ziel.
2. Flächen aktiv sichern
Ein erheblicher Teil der gewerblichen Bauflächen wird für Nutzungen produktionsferner Wirtschaftszweige, unter anderem für Einzelhandel, nachgefragt. Die Realisierung dieser Nachfrage verringert das Angebot an verfügbaren Gewerbeflächen und führt zu steigenden Bodenpreisen an den betroffenen Standorten.
Durch den grundsätzlichen Ausschluss unverträglicher Nutzungen auf gewerblichen Bauflächen soll das Angebot an Grundstücken für Gewerbe und Industrie zu angemessenen Preisen gesichert und der Verdrängungsdruck auf ansässige Betriebe vermindert werden.
3. Differenzierte Flächenvorsorge treffen
Ziel des Stadtentwicklungsplans Industrie und Gewerbe ist eine ausgewogene Entwicklung der gewerblichen Bauflächen in den vier Stadträumen Berlins. Diese Ausgewogenheit soll unter dem Aspekt der kurzen Wege unnötige Pendler- und Wirtschaftsverkehre vermeiden und die räumlichen Qualitäten der Stadträume stärken. Grundsätzlich haben der Erhalt der industriellen Basis und die Revitalisierung gewachsener Standorte Vorrang vor der Inanspruchnahme neuer Flächen.
Die Anforderungen der Unternehmen an gewerbliche Bauflächen müssen sich in einem differenzierten Flächenangebot widerspiegeln. Ein ausreichendes Angebot an Flächen unterschiedlicher Qualität ist Voraussetzung für die Bewältigung des Modernisierungsprozesses in der Industrie; es soll zur Stärkung der bestehenden gewerblichen Strukturen beitragen und Neuansiedlungen erleichtern.
Der Vorhaltung landeseigener Flächen kommt große Bedeutung zu. Dies gilt in besonderem Maße für zusammenhängende Flächen zur Ansiedlung von Großunternehmen.
4. Flexibilität gewährleisten
Vor dem Hintergrund sich ändernder Rahmenbedingungen benötigen produzierende Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität. Um die Zukunftsfähigkeit des produzierenden Sektors innerhalb der Stadt zu sichern und Konflikte mit anderen Nutzungen zu vermeiden, sollen große, zusammenhängende Flächen gegenüber dem Eindringen oder Heranrücken sensibler Nutzungen gesichert werden.
5. Eingestreute Gewerbelagen erhalten und entwickeln
Berlin verfügt traditionell über besondere städtebauliche Strukturen mit einem engen Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe. Diese Strukturen ermöglichen wohnungsnahe Arbeitsplätze, sichern eine kleinräumige Versorgung mit gewerblichen Leistungen und fördern die Identifizierung der Bewohner mit ihren Quartieren. Eingestreute Gewerbelagen sind daher als wichtige Standorte der Wirtschaft zu betrachten; sie sind zu sichern und weiter zu entwickeln.
6. Konflikte vermeiden
Zur Minderung immissionsschutzrechtlicher Konflikte sollen zwischen gewerblichen Nutzungen und Wohnen angemessene Abstände eingehalten werden. Im Fall gleicher Wirkung sollen Maßnahmen baulicher Art Vorrang vor flächenbeanspruchenden Abstandsregelungen haben.
7. Äußere Erschließung verbessern
Die Attraktivität der gewerblichen Bauflächen wird maßgeblich durch ihre Erreichbarkeit und damit durch leistungsfähige regionale und überregionale Verkehrsverbindungen bestimmt. Für große Teile von Industrie und Gewerbe ist der Straßenverkehr das wichtigste Transportmedium. Gleichwohl sind auch Schienen- und Wasserwege zu erhalten und weiter zu entwickeln.
Um die Entwicklungspotenziale ausschöpfen zu können, muss die äußere Erschließung verbessert werden. Dies gilt insbesondere für die Anbindung der östlichen Stadträume. Der künftige Großflughafen BBI eröffnet neue Perspektiven, die zur Stärkung der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg genutzt werden sollen.
8. Standorte profilieren und Netzwerke entwickeln
Lokale Netzwerke tragen wesentlich zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Standortbindung ansässiger Unternehmen bei. Zugleich steigern sie die Attraktivität einzelner Standorte für potenzielle Investoren.
Zusammenschlüsse von Unternehmen zu lokalen Netzwerken sind zu fördern. Sie sollen neben anderen Maßnahmen zur Profilierung von Standorten genutzt werden. Der Stadtentwicklungsplan Industrie und Gewerbe zielt darauf ab, die Entwicklung kleinräumiger Netzwerke aus Forschungseinrichtungen, Fertigungsbetrieben und Dienstleistern zu forcieren.
9. Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen
Mit seiner breit gefächerten Hochschul- und Forschungslandschaft bietet Berlin hervorragende Bedingungen zur Entwicklung und Fertigung innovativer Produkte. Die positiven Effekte lokaler Wissenschaftsstandorte auf die Innovationskraft der gewerblichen Unternehmen sollen gestärkt, der Sprung von der forschungsnahen Leitproduktion zur Serienfertigung soll gefördert werden.
Berlin hat eine lange Tradition als internationale Messe- und Kongressstadt. Dieser Standortvorteil soll zur Darstellung der länderübergreifenden Cluster und Zukunftsfelder der Hauptstadtregion sowie zur Vernetzung, Kommunikation und Präsentation von Wissenschaft, Forschung und Industrie genutzt werden.
10. Berliner Gewerbestandorte aktiv vermarkten
Der Wirtschaftsstandort Berlin verfügt mit seinem differenzierten Flächenangebot über eine besondere Qualität. Dieser Wettbewerbsvorteil soll in der Vermarktung des Standorts, insbesondere auch in der Außendarstellung, stärker akzentuiert werden.
Der Stadtentwicklungsplan dokumentiert die flächenspezifischen Potenziale Berlins in den Steckbriefen des Entwicklungskonzepts für den produktionsgeprägten Bereich. Dazu gehören die Darstellung von standortspezifischen Qualitäten, die Definition von Entwicklungsmaßnahmen und die Identifizierung von Profilierungsansätzen.
Der Stadtentwicklungsplan Industrie und Gewerbe gibt damit Investoren und Entscheidungsträgern Hinweise für eine wirtschaftlich interessante und den spezifischen Potenzialen entsprechende Nutzung der Gebiete. Er versteht sich als Basis für die Erarbeitung adäquater Instrumente im Rahmen einer offensiven und akquisitionsorientierten Außendarstellung des Industriestandorts Berlin.