Städtebau  
 

Nichtoffener Realisierungswettbewerb für Architekten als Generalplaner oder für Bewerber-/ Bietergemeinschaften aus Architekten mit Fachplanern für Tragwerksplanung, für Technische Gebäudeausrüstung und mit Landschaftsarchitekten
"Neues Wohnen an der Briesestraße, Berlin Neukölln"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
23.000,- Euro
  Architektur (Generalplaner): AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien / München

Mitarbeit: Ondrej Stehlik, Michal Stehlik



Beurteilung durch das Preisgericht:

Städtebaulich wird begrüßt, dass die Arbeit durch die abgetreppte Geometrie der Wohnungsanordnung eine großzügige Öffnung der Passage von der Lessinghöhe anbietet. Die Höhenentwicklung staffelt sich von der 6-geschoßigen Blockrandhöhe der gründerzeitlichen Bebauung im Süden hoch bis zu der 8-geschossigen Höhe der angrenzenden Bebauung der 1970er Jahre. Die Höhe an der Briesestraße wird kritisch beurteilt.

Entlang der Briesestraße versuchen die Verfasser eine Abtreppung in Richtung der angrenzenden Bebauung der Kirchengemeinde, gleichwohl verbleibt ein zu deutlicher Sprung in der Höhenentwicklung.

Die Fassadengliederung entlang der Briesestraße überzeugt durch die Fuge zum Gemeinschaftshaus nicht.

Thematisch gliedert sich das Projekt in eine serielle Anordnung kleinteiliger Wohnungen entlang der Passage und ein um ein innen liegendes Treppenhaus angeordnetes Gemeinschaftshaus. Es gelingt den Verfassern dadurch, bei allen Wohnungen eine Nordausrichtung zu vermeiden, die Balkone haben eine Süd- oder Westausrichtung. Im Gemeinschaftshaus werden die Gemeinschaftsräume nach Norden zur Straße ausgerichtet, die Wohnungen gewinnen dadurch eine Südausrichtung zum ruhigen Innenhof.

Der charakteristische Schwung in der Abfolge der versetzt angeordneten Balkone erzeugt eine eindeutige Identifikation für die Bewohner und bereichert die Qualität des Quartiers. Mit dem wiederkehrenden Schwung der Balkone gelingt eine gelungene Antwort auf die Architektursprache des gegenüberliegenden Wohnungsbaus der 1970er Jahre. Die Formulierung der Endpunkte gelingt in der Fassade besser als in den Grundrissen.

Die Anordnung von kleinen, privaten Vorgärten vor den Atelierwohnungen im EG wird kontrovers diskutiert. Die wünschenswerte öffentliche Verknüpfung der Ateliers zum Stadtraum wird dadurch eingeschränkt. Entsprechend der innerstädtischen Lage des Standortes soll hier der urbane Charakter eines offenen Quartiers gegenüber dem Siedlungscharakter gestärkt werden.

Der Umgang mit der Höhenentwicklung zwischen Briesestraße und Kienitzer Straße wird nicht ausformuliert.

Die Gestaltung und Funktionalität der mit 2 Treppenhäusern angedienten Laubengangerschließung bleibt vor allem im Bereich der großen Flächenanteile an der Brandwand unklar in Bezug auf Belichtung und Abgrenzung der Außenhülle. Die trichterförmige Zuspitzung am Südende stellt dort die Aufenthaltsqualität in Frage. Die beiden zum Innenhof liegenden Kleinwohnungen wirken neben der Abfolge der gereihten Wohnungen zur Passage sehr vereinzelt.

Der geforderte Wohnungsschlüssel kann umgesetzt werden. Die Kosten der Baukonstruktion liegen im durchschnittlichen Bereich, Die geschwungenen Betonbrüstungen können durch Fertigteilbauweise wirtschaftlich dargestellt werden.

Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow
Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow

Lageplan
Lageplan

Perspektive Kienitzer Straße
Perspektive Kienitzer Straße

Perspektive Briesestraße
Perspektive Briesestraße

Grundriss EG
Grundriss EG

Grundriss OG
Grundriss OG