Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
"Archäologisches Besucherzentrum Petriplatz"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
17.500,- Euro
  Florian Nagler Architekten GmbH, München

Verfasser / Architekt: Florian Nagler
Mitarbeiter: Ludwig Zitzelsberger, Sascha Löffler, Max Hartinger

Christina Kautz Landschaftsarchitektur, Berlin

Verfasser / Landschaftsarchitekt: Christina Kautz


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Arbeit überzeugt in ihrer unangestrengten, angemessenen Großzügigkeit. Das Volumen des Besucherzentrums verbindet sich locker mit dem Wohnbau zu einer größeren Figur, die wie selbstverständlich die vorhandene städtebauliche Körnung übernimmt. über die angehobene Platzfläche kommuniziert dieser Bau mit dem geplanten Bet- und Lehrhaus, ohne diesem in irgendeiner Weise Konkurrenz machen zu wollen.

Der Petriplatz erhebt sich als 1,50 m hohes Plateau aus dem städtischen Gefüge und schafft einen gemeinsamen urbanen Platz für Bethaus und Archäologisches Besucherzentrum, der sich über Treppen und Rampen spannungsvoll gegenüber dem umgebenden Straßenraum abhebt. Verglaste Oberlichtöffnungen im Boden bieten Einblicke in die darunterliegende archäologische Grabungszone, die als zusammenhängende Ebene die komplexe Historie des Ortes zeigt. Für die Verfasser ist die Realisierung des Bethauses eine wichtige Voraussetzung und so mag auch die temporäre Gestaltung des Plateaus ohne Bethaus nicht ganz überzeugen. Der Eingang zum Gebäude liegt in der Arkade an der lauten Gertraudenstraße, öffnet aber unmittelbar Einblick in die Ausgrabungsebene sowie gesonderte Zugänge zum Besucherzentrum wie zur Ausgrabung. Die Treppe dorthin mündet auf einem mäandrierenden Steg, der in einem letzten Ausbaustadium auch die Ausgrabungen unter dem Bethaus erschließen könnte. Das Ossarium wird um einen der großen Bestandsbäume angelegt, eine poetische Lösung, die durchaus kontrovers diskutiert wird. Atmosphäre schafft im Inneren vor allem ein Lichthof. An ihm liegen die Haupterschließungen aller Geschosse mit Vitrinen und Sitznischen. Gut belichtete Arbeitsräume, Werkstätten und Labore sorgen für beste Arbeitsbedingungen, Saal und Ausstellung werden sinnvoll mit der großen Loggia im letzten Obergeschoss gekoppelt.

Das äußere und das innere Erscheinungsbild des Gebäudes sind in ihrer Materialität weitgehend identisch: eine monolithische Bauweise aus sandfarbenen Ziegeln und Dämmbeton verspricht nicht nur sehr gute bauphysikalische Werte, sie spricht vor allem für eine massive Dichte, die dem Thema des archäologischen Zentrums durchaus angemessen ist. Baurechtliche Probleme tauchen vor allem in der Höhenentwicklung an der Scharrenstraße und an der Gertraudenstraße auf. Auch die Fluchtwegsituation innerhalb des Gebäudes ist zumindest zu überprüfen.

Insgesamt betrachtet leistet die Arbeit einen hervorragenden Beitrag zur Reparatur des Stadtraums genauso wie zum Neubau des Archäologischen Besucherzentrums mit angemessener Signifikanz. Die Duplizität von architektonischen Elementen am Besucherzentrum und am Bet- und Lehrhaus könnte durchaus zumindest für den zweiten Blick gut sein: sie nistet sich im Gedächtnis ein.

Modell mit Bet- und Lehrhaus
Modell mit Bet- und Lehrhaus

Modell ohne Bet- und Lehrhaus
Modell ohne Bet- und Lehrhaus

Blick vom Eingang in den Erschließungsbereich
Blick vom Eingang in den Erschließungsbereich

Blick aus der Gertraudenstraße
Blick aus der Gertraudenstraße

Lageplan
Lageplan

Ansicht Südost
Ansicht Südost