Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
"Archäologisches Besucherzentrum Petriplatz"

Ergebnis: Anerkennung


Anerkennung:
3.500,- Euro
  Kuehn Malvezzi, Berlin

Verfasser / Architekt: Johannes Kuehn
Mitarbeiter: Francesca Bonne, Christian Felgendreher, Yu Ninagawa, Monika Tomik

Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin

Verfasser / Landschaftsarchitekt: Rita Mettler
Mitarbeiter: Marek Langner, Helge Kickert, Michael Girwert
Sonderfachleute / Berater: Tragwerksplanung / Brandschutz:
- Krone, Hamann, Reinke Ingenieurbüro GmbH


Beurteilung durch das Preisgericht:

Das Besucherzentrum ist Teil eines in Höhenstaffelung und Fassadengestaltung stimmig wirkenden städtischen Blocks. Das Ausschwenken der Besucherzentrums-Fassade an der Gertraudenstraße erzeugt eine gelungene Differenzierung zwischen Besucherzentrum und zukünftigen Wohnund Geschäftshäusern.

Der Petriplatz ist um 1,5 m aus dem Stadtraum herausgehoben. Die darunter befindliche archäologische Ebene ist in voller Ausdehnung vom Besucherzentrum aus begehbar. Das Besucherzentrum vermittelt nun zwischen Straßen- und Platzebene durch eine halbgeschossige innere Organisation. Die beiden Zugänge, sowohl unter den Kolonnaden an der Gertraudenstraße als auch durch das Bistro am Petriplatz sind sehr qualitätvoll ausgestaltet. Insbesondere die Orientierung des Bistros zum Petriplatz ist vorbildlich.

Das Besucherzentrum ist in der Materialität der Fassaden dem geplanten Lern- und Bethaus sehr ähnlich. Auch das quadratische Schaumagazin, das als vertikaler Erschließungsraum dient, verweist deutlich auf die dem Lern und Bethaus eingepflanzte Erschließungsrotunde. Gemessen an der unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtung der Häuser wird diese enge Verwandtschaft kritisch gesehen. Das Haus hat eine sehr museale äußere Erscheinung, die der gewünschten Charakteristik des Hauses - nämlich als Werkstatthaus wahrgenommen zu werden - nicht gerecht wird.

Ein starkes Motiv der inneren Ausgestaltung ist der zentrale Erschließungskern, ein von oben belichtetes Schaumagazin, in dem der Besucher an verglasten Vitrinenwänden entlang die halbgeschossig versetzten Ebenen erschließt. Hinter den Vitrinenwänden befinden sich Magazine und Werkstätten, die durch die Vitrinen hindurch einsehbar sind. Problematisch bewertet werden die fehlende Belichtung von Werkstatträumen und die teils hintereinander geschalteten Räume. Der halbgeschossige Versatz der Ebenen macht den Materialtransport innerhalb des Gebäudes schwierig, und Konflikte bei starkem Besucherverkehr sind zu erwarten.

Das vertikale Schaumagazin steht ohne weitere Bezugnahme in der Grabungsebene der Lateinschule. Ein großer Luftraum gibt den Blick von beiden Eingängen auf die Grabungen frei. Die Treppenanlage des Schaumagazins endet hier schlüssig. Ein Durchgang verbindet die Grabungen mit dem unter dem Platz befindlichen Grabungsfeld. Die Jury lobt die großzügige und urbane Wirkung des Petriplatzes, gleichzeitig wird der hohe Aufwand zur Freilegung des Grabungsfeldes und der überdeckung durch die Geschossdecke des Platzes kritisch gesehen. Insbesondere der notwendige Rückbau im Falle der Errichtung des Lehr- und Bethauses erscheint unangemessen. Das Ossarium, in die Wand des Platzuntergeschosses eingebracht, wirkt in seiner All-Cover-ästhetik zu wenig würdevoll.

Modell mit Bet- und Lehrhaus
Modell mit Bet- und Lehrhaus

Modell ohne Bet- und Lehrhaus
Modell ohne Bet- und Lehrhaus

Innenansicht
Innenansicht

Petriplatz
Petriplatz

Lageplan
Lageplan

Schnitt
Schnitt