Städtebau  
 

Nichtoffener Ideen- und Realisierungswettbewerb
"Freiräume Europacity / Heidestraße und Nordhafen"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
22.000,- Euro
  relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Verfasser: Gero Heck, Marianne Mommsen
Mitarbeiter: Elisabeth Biederbick, Martina Kaiser, Kirsten Polifka, Thomas Thränert, André Kaiser


Beurteilung durch das Preisgericht:

Das Projekt besticht durch eine klare, ruhige und einfache Gestaltung aller Teilbereiche, was zu einer räumlich sehr großzügigen Lösung führt. Der Bezug zum Wasser, die Uferkante und die Tektonik des Geländes spielen dabei die Hauptrolle des Entwurfes.

Die Materialisierung bleibt einfach und zurückhaltend. Die Promenade wirdmit einer wassergebundenen Decke belegt, in die verschiedene 1,5 Meter breite Bänder aus großen Betonplatten eingelegt sind. Ausgezeichnete Orte, wie der Stadthafen und die nördliche Stadtkante am Nordhafenpark, wie auch der Nordhafenplatz nehmen das Material Beton großflächig auf. Vegetationselemente werden zurückhaltend und präzise auf ihren Verwendungsort und -zweck hin eingesetzt: wenige Bestandsbäume und Solitärgehölze in der Promenade, Schatten spendende Formgehölze am Stadthafen und Baumpakete resp. -reihen im Bereich der Wohnquartiere.

Die Fußgängerbrücken sind in ihrer Lage und Topographie gut in ihre Umgebung eingebunden. In diesem Zusammenhang werden zwei Stadtterrassen formuliert: Ein Promenadendeck bildet das südliche Ufer des Stadthafens, die entstehende Hafenmauer ist zugleich Anlegekante für Schiffe. Am Nordende der Bebauung wird ein Stadtbalkon zum Nordhafenpark gebaut, ein erhöhter Platz in Ergänzung zu den weichen grünen Geländeebenen des Nordhafenparks.

Am Stadthafen findet die erhöhte Stadtterrasse ihr Vis-à-Vis in einer klug ausgestalteten tektonischen Terrassen- und Rampenlandschaft. Dank sanfter Neigungen und niedriger Geländesprünge wird eine vielseitig aneignenbare Stadtlandschaft geschaffen, die ohne Treppen, Geländer und Brüstungen auskommt. Ein zuunterst liegendes Holzdeck schafft eine neue Atmosphäre, und mit dem leicht vom Wasser überspülten "Wasserstein" wird ein attraktives Gestaltungselement eingeführt, dessen Sicherheitsaspekt jedoch zu längeren Diskussionen geführt hat. Auf einen Pavillon wird verzichtet, der Platz am Stadthafen wendet sich als Ganzes möglichst zügig dem Wasser zu, ohne an der Heidestraße einen Stadtplatz aufbauen zu wollen.

Die Hinwendung zum Wasser wird auch im Nordhafenpark thematisiert: die als "Wasserläufer" bezeichneten Holzstege, die sich zu Sitzbereichen auffalten, bieten eine willkommene Möglichkeit, sich dem Wasser zu nähern und die Wasserfläche zu erobern.

Auch der Nordhafenplatz hat das Wasser zum Hauptthema, hier wird das in den Retentionsfilterbecken gewonnene Wasser als "Wasserparterres" wieder verwendet. Der Platzboden ist reliefartig gefaltet und geformt, das gereinigte Wasser füllt die Flächen blubbernd auf bis zu einer Tiefe von maximal 40 cm. Nebeldüsen bereichern diese flächige Anordnung in der dritten Dimension und vor allem auch atmosphärisch.

Die Retentionsfilterbecken werden - entgegen der Auslobung, die drei Standorte vorsieht - im Nordhafenpark als große, raumbildende Schilfflächen zusammengefasst, sie bilden zusammen mit niedrigen Weidenflächen einen schönen Rahmen für eine großzügige Spielfläche.

Die restlichen Parkbereiche am Nordhafen werden in ihrem Bestand aufgewertet, vorhandene Relikte wieder Instand gesetzt, die "Wasserläufer" und eine neue große Ufertreppe verbessern die Zugänglichkeit zum Wasser auf beiden Seiten. Die Vegetation wird ausgelichtet.

Insgesamt ist das Projekt eine sehr schlüssig ausformulierte und sorgfältig durchgearbeitete Arbeit mit hoher gestalterischer Qualität, die einen großzügigen Stadtboden für die unterschiedlichen Bereiche zur Verfügung stellt und diese in einen übergeordneten Zusammenhang bringt.
Lageplan
Lageplan

Städtebauliche Einbindung
Städtebauliche Einbindung

Konzept
Konzept

Schnitt A
Schnitt A

Schnitt B
Schnitt B

Perspektive
Perspektive

Perspektive
Perspektive

Detail Nordhafen
Detail Nordhafen