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Diskussionsbeitrag | 29.10.2005 | 21:13 | Tosch

Diskussionsbeitrag Kein Leinenzwang für Hunde

Der Leinenzwang erzeugt die gestörten Hunde, vor denen er schützen soll.
Ein Hund ist kein technisches Gerät, welches durch eine Mechanik sicherer wird, sondern ein soziales Wesen, dass auch nur so sicher oder weniger sicher ist.


Das beste Beispiel sind Zwingerhunde. Technisch perfekt weggesperrt, sind gerade sie für 70% aller Todesfälle verantwortlich (besser gesagt ihre Halter). Meist geht der Hund dem Menschen an die Kehle, der im falschen Moment die Tür aufsperrt.

Hunde sind sicher durch (mit absteigender Bedeutung):

-Ihre Prägung. Bis zur 7./11. Lebenswoche müssen Hunde auf ihr soziales Umfeld geprägt werden, also möglichst viel Kontakt zu Menschen (Kindern, Erwachsenen Älteren, Behinderten) haben. Nur so betrachten sie uns Zweibeiner als Partner.

-Ihre Sozialisation. Im freien Umgang mit anderen lernen Hunde, dass ihnen der Spielkamerad auch weh tun kann, wenn sie zu frech sind. (Zum Glück erklärt ihnen keiner, dass Menschen selten Hunde beißen.)
Nur so können sie ein umfassendes Verhaltensprogramm ausbilden. Sie schnappen z.B. nicht gleich zu, wenn ihnen etwas nicht gefällt, sondern versuchen es auch mit Beschwichtigungsgesten, Flucht oder Drohgebärden.

-Ausbildung. Der junge Hunde muss u.a. lernen, Jogger und Fahrradfahrer nicht zu verfolgen und nicht alle Menschen anzuspringen. Beibringen kann man ihm das aber nur, wenn er es vorher falsch macht. Der junge Hund muss also z.B. wenigstens einmal einem Jogger hinterher rennen. Das ist noch(!) völlig risikolos. In dem Alter würde er nie auf die Idee kommen, auch zu beißen. Dass dieser Ausbildungsschritt nur ohne Leine geht, liegt auf der Hand.
Ist Herrchen zu faul dafür, weil "Rex" sowieso immer an der Strippe hängt und ihm rutscht eines Tages die Schlaufe aus den Fingern, steht er vielleicht am nächsten Tag in der Zeitung.


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Kommentare
Hundehalter "an die Leine"?
(Kommentar von Moderation (dr) 29.10.2005 | 23:13)
Hallo "Tosch" vielen Dank für Ihren Beitrag mit vielen interessanten Infos zur Hundehaltung. Provokativ gesagt könnte man ja aus Ihren Ausführungen schließen, dass nicht der Hund, sondern der Hundehalter "an die Leine" müsste und klare Regeln befolgen sollte. Wie sehen die anderen Teilnehmer das -- wie kann das Miteinander von Hundehaltern und Haustierlosen Bürgern verbessert werden?
fragt Daniela Riedel (Moderation)
die Realität der Stadt    ( Langhoff    30.10.2005 | 13:59)
bei der Hundehaltung macht den Unterschied. Und da finden sich an so mancher Hundeleine Halter die überhaupt nicht den Eindruck machen sich auch nur ansatzweise so intensiv mit den Eigenheiten ihres Hundes auseinander gesetzt zu haben.
Pauschaler Leinenzwang    ( Rydell    02.11.2005 | 18:06)
Es gibt allerdings immer wieder "schlechte" Hundehalter und die sind das Problem.

Als Vater eines Kindes halte ich deshalb einen absoluten bzw. einen lokal beschränkten Leinenzwang für absolut notwendig. Leider würde es damit auch pauschal alle "guten" Hundehalter erwischen, aber die Sicherheit vor allem von Kindern geht aus meiner Sicht vor.
passt nicht
(Kommentar von Bergner 31.10.2005 | 09:00)
Sie schrieben, dass 70 % aller Hundeangriffe von Zwingerhunden ausgeführt werden. Sind nicht in Berlin, zumindest in den Innenstadtbereichen, alle Hunde Zwingerhunde? Tagsüber eingepfercht in kleinen Wohnungen warten sie mit voller Blase auf die Heimkehr des Halters, der dann 15 min von seinem Feierabend "opfert", damit sich der Hund im nächsten Stadtpark entleeren und seinen aufgestauten Bewegungsdrang ausleben kann. Somit ist jeder Hund eine potentielle Zeitbombe.
wer passt schon    ( silke    06.11.2005 | 17:14)
Sehr geehrter Herr Bergner,
es würde mich schon sehr interessieren, woher Sie wissen, dass Hunde tagsüber in kleinen Wohungen eingepfercht sind, um dann mit voller Blase auf die Heimkehr ihrer Besitzer zu warten. Die Hundehalter die ich hier im Umfeld kenne, sind den ganzen Tag mit ihren Tieren zusammen. Einige wenige können ihre Hunde nicht mit zur Arbeit nehmen, sie haben für ihre Tiere tagsüber einen Betreuungsplatz organisiert. Unsere Hunde sind mehrfach am Tag an der frischen Luft. Ich denke, damit geht es den Vierpfötern besser, als vielen Kindern.
Beste Grüße
Silke
Eigene Freilaufzone ?
(Kommentar von Rainer Rudolph 31.10.2005 | 14:13)
Vielleicht gibt es ja wegen dem Zersplittertem Charakter des Geländes eine Möglichkeit ein eigenes Hundeauslaufgebiet zu schaffen ?
Sehr geehrter Herr Bergner,
(Kommentar von Tosch 02.11.2005 | 11:17)
zum Glück sind menschliche Behausungen noch etwas größer als ein Hundezwinger. Das ist aber nicht der Unteschied. Hunde sind hochsoziale Lebewesen und genau wie wir Menschen auf Kontakte angewiesen.
Ein Windhund von einem Jogger in einer Einzimmerwohnung gehalten ist also völlig ok, einen Dackel mit einem riesen Vorrat an Schnappi in einem leerstehenden Palast auszusetzen ist Tierquälerei.
In Deutschland sterben jedes Jahr 600 Menschen bei Bränden. Diese werden meist ausgelöst durch elektrische Heiz- und Warmwassergeräte wie z.B. Kaffeemaschinen. Die "Zeitbombe" steht also in Ihrer Küche.
Anders ausgedrückt, wer sich traut, eine Straße zu überqueren, braucht sich um Nachbars Pittbull nun wirklich keine Sorgen mehr zu machen.
Wär das ein Kompromiss ?
(Kommentar von Sandro 04.11.2005 | 19:30)
Hallo,
was hälst Du denn von einem "Hundespielplatz", mit Tunnel, Slalom, usw.? Hab meinen Beitrag mal mit Deinem verlinkt, guck's Dir doch mal an...
Bis später.
bitte: kackefrei
(Kommentar von astrid 05.11.2005 | 17:01)
für mich als hundefreundin, ich habe daher keinen hund in berlin ist das wiederlichste an der städtischen hundehaltung die ganze eklige hundekacke die mehr oder weniger deutlich herumliegt. in meinem traumpark gibt es ein oder mehrere hundeklos. beispiele dafür wie gut das funktioniert habe ich schon vor 20 jahren in köln gesehen. in abgezäunten, gekennzeichneten bereichen wird ganz einfach sand aufgeschüttet. in diesen können dann die haufen gesetzt werden. pauschale reinigung durch die stadt.

Oder aber sollte ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass frauchen und herrchen für die beseitgung der haufen unverzüglich zu sorgen haben.

generell steht die erholung der menschen im park über der freude der armen köter. dessen sollten sich hundehalten bewusst sein oder sie sollten darauf hingewiesen werden.


jedem seine (ihre) Ecke
(Kommentar von Elga 06.11.2005 | 16:20)
Wie wär's mit einer abgetrennten Ecke jeweils für Kinder/Radfahrer/Hunde/Skater/Fussballspieler/Alte/Junge/Frauen/Männer usw.? (Vorsicht Ironie!)
Zitat:
"generell steht die erholung der menschen im park über der freude der armen köter." Ich will mich mit meinem Hund erholen, mein Hund gehört dazu. Hunde steigern die Lebensfreude, das ist längst wissenschaftlich belegt.
Ich bin gegen Leinenzwang - es gibt in Berlin kaum noch Stellen, an denen ich meinen Hund frei laufen lassen darf. Hunde brauchen Auslauf, sonst werden sie wirklich neurotisch.


Sicherheit
(Kommentar von Tosch 06.11.2005 | 22:09)
Sicherheit    ( Tosch    06.11.2005 | 22:10)
Genau darum geht es, um Sicherheit. Nur ein Hund, der grundsätzlich nicht an der Leine durch die Gegend gezerrt wird, bietet ein Maximum an Sicherheit.
An alle Hundehasser
(Kommentar von Ralf 07.11.2005 | 13:08)
Wenn sie Hundehalter nicht akzeptieren können sollten sie uns zumindest tollerieren. Ich muß das auch, ich habe keine Kinder , kein Auto und bin nichtraucher. Und trotzdem liebe ich Kinder auch wenn sie in Büsche kacken Wände vollschmieren oder ihren Lehrer abknallen. Auch mit Autos habe ich kein Problem obwohl ich mich vor den Abgasen nicht schützen kann und ich mit der Gefahr leben muß überfahren zu werden. Sogar die Raucher stellen eine Gefahr,abgesehen von den Kippen auf der Straße die ganz bestimmt nicht schick aussehen, bin ich ständiger passiv-raucher.Aber ganz egal ich liebe sie alle. Nun zu den Hunden zurück, auch wenn nicht alle Halter korekt handeln darf man nicht alle in eine Schublade stecken und allen Hunden einen Leinenzwang auferlegen.


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Von: Tosch

29.10.2005 | 21:13
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