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Umweltatlas Berlin

08.05 Elektromagnetische Felder

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26. BImSchV

Zum Schutze der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen leiten sich aus diesem Basis-Vorsorgewert für die äußeren elektrischen und magnetischen Feldstärken bei einer Frequenz von 50 Hz die Grenzwerte ab, die seit dem 01.01.1997 in Deutschland durch die 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (26. BImSchV 1996) gesetzlich bindend sind. Die Grenzwerte für Niederfrequenzanlagen - im Sinne der Verordnung determiniert als "ortsfeste Anlagen zur Umspannung und Fortleitung von Elektrizität einer Spannung von 1000 Volt oder mehr" - sind:

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Tab. 2: Grenzwerte der 26. BImSchV für ortsfeste Niederfrequenzanlagen

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen sind Freileitungen, Erdkabel, Bahnstromoberleitungen und Elektroumspannanlagen so zu errichten und zu betreiben, daß in ihrem Einwirkbereich in Gebäuden und auf Grundstücken, die nicht nur zum vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, bei höchster betrieblicher Anlagenauslastung und unter Berücksichtigung von Immissionen durch andere Niederfrequenzanlagen die Grenzwerte der elektrischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte nicht überschritten werden.

Unter bestimmten Bedingungen darf hiervon abweichend die magnetische Flußdichte kurzzeitig und die elektrische Feldstärke kleinräumig die Werte um 100 % überschreiten. "Zum Zwecke der Vorsorge haben bei der Errichtung oder wesentlichen Änderungen von Niederfrequenzanlagen in der Nähe von Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kinderhorten, Spielplätzen oder ähnlichen Einrichtungen in diesen Gebäuden oder auf diesen Grundstücken" auch die maximalen Effektivwerte den Grenzwerten zu entsprechen.

Der Geltungsbereich der Grenzwerte erstreckt sich grundsätzlich nur auf die Errichtung oder die wesentliche Änderung von Anlagen. An Anlagen, die vor Inkrafttreten der 26. BImSchV errichtet wurden, sind die Grenzwerte nach Ablauf von drei Jahren seit Inkrafttreten der Verordnung einzuhalten. Ebenfalls ist zu beachten, daß die Grenzwerte nur in den Bereichen einzuhalten sind, die nicht nur zum vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind. Landwirtschaftlich genutzte Flächen oder auch Bahnsteige z. B. sind hiervon ausgenommen. Auf Bahnsteigen halten sich zwar unter Umständen ständig Menschen auf, die maßgebliche Verweildauer des Einzelnen ist aber gering.

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Abb. 6: Anwendungsbereich verschiedener Grenz- und Richtwerte
(BG = Berufsgenossenschaften, UVV = Unfallverhütungsvorschriften)

Da die Grenzwerte der 26. BImSchV nur bestimmte Anlagen betreffen - insbesondere Anlagen einer Betriebsspannung von 1000 Volt oder mehr - sind in der Praxis häufig zusätzlich die Richtwerte der IRPA/ICNIRP heranzuziehen (Tab. 3), die einen viel umfassenderen Bereich abdecken als die 26. BImSchV (siehe Abb. 6).

Die Richtwerte der IRPA/ICNIRP (ICNIRP/IRPA 1990, 1994, 1998) erfassen sowohl allgemeine Bereiche als auch Arbeitsplätze. Einschränkungen betreffend der Spannungsebene oder des Zeitpunktes der Errichtung einer Anlage gibt es nicht. Die IRPA/ICNIRP erfaßt zusätzlich Gleichfelder, die in der Medizin und Industrie eine wichtige Rolle spielen. Die Richtwerte der IRPA/ICNIRP sind jedoch nicht als gesetzlich bindend anzusehen, sondern haben nur den Charakter einer Empfehlung. Sie sind dennoch derart bedeutend, daß der Gesetzgeber die Grenzwerte der 26. BImSchV ausdrücklich an den Richtwerten der IRPA/ICNIRP orientiert hat.

An Arbeitsplätzen, die nicht unter die 26. BImSchV fallen - Arbeitsplätze an denen bestimmungsgemäß mit einem Auftreten von elektromagnetischen Feldern zu rechnen ist - gelten grundsätzlich die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) der Berufsgenossenschaften. Diese sind derzeit in Deutschland in Bearbeitung und werden die bisherigen Empfehlungen der Berufsgenossenschaften (BGF 1995) ersetzen.

Zusammenfassend werden in Tab. 3 noch einmal Grenzwerte und Richtwerte in öffentlichen Bereichen und an Arbeitsplätzen aufgelistet. Der Anwendungsbereich beschränkt sich ausdrücklich auf 50 Hz. Historisch bedingt entstanden dabei am Anfang die Grenzwertempfehlungen des VDE (VDE 0848 1995) und der IRPA für die berufliche Exposition zum Schutz gegen die allgemein anerkannten Wirkungen in starken elektrischen und magnetischen Feldern. Die Differenz in den Grenzfeldstärken der beiden Gremien beruht dabei lediglich auf der Umrechnung derselben primären Basisgrenzwerte in sekundäre Grenzwerte für äußere Felder mittels verschiedener Modellansätze. Die IRPA definierte gleichzeitig auch Grenzwerte für die allgemeine Bevölkerung, die bis zum heutigen Tage Bestand haben, während der VDE versuchte, dies erst in den Änderungen 1-3 der Norm 0848, Teil 4 nachzuholen. Da die VDE als Interessenvereinigung der Elektroindustrie jedoch unzweifelhaft einer gewissen Befangenheit unterliegt, näherten sich die Empfehlungen der VDE niemals eindeutig denen der IRPA und gelangten niemals über das Stadium einer Vornorm hinweg. Folglich sah der Gesetzgeber die Empfehlungen des VDE nicht als maßgeblich an und orientierte die Grenzwerte der 26. BImSchV an den international unumstrittenen Empfehlungen der IRPA. Darüber hinaus existiert im Rahmen der europäischen Harmonisierung ein Grenzwertvorschlag des European Committee for Electrotechnical Standardization (CENELEC). Dieser wird jedoch voraussichtlich nicht von der EG übernommen, sondern durch einen Vorschlag des EG-Ministerrates im Rahmen der Richtlinien zu physikalischen Normen an Arbeitsplätzen ersetzt.

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Tab. 3: Grenz- und Richtwerte elektrischer und magnetischer Felder
CENELEC - European Committee for Electrotechnical Standardization
IRPA/INIRC - International Non-ionizing Radiation Committee / International Radiation Protection Association; die Arbeit wird fortgesetzt durch die ICNIRP
DIN VDE - Deutsches Institut für Normung e.V., Verband Deutscher Elektrotechniker e.V.
BImSchG - Bundes-Immissionsschutzgesetz

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

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