Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Senatorin Katrin Lompscher spricht zur Eröffnung der Transferwerkstatt Stadtumbau am 4. September
Der Seminarraum des Tribünengebäudes war voll besetzt
Tagungsort Poststadion Moabit
Der Abenteuerspielplatz Moabiter Kinder-Hof
Der Gebäudekomplex Rathenower Straße 16
Blick vom Bahnhof Südkreuz auf das neue Stadtquartier Schöneberger Linse
Cathleen Kotterla, Fachbereich Stadtplanung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg, und Ulrich Schop, Gebietsbeauftragter für den Stadtumbau im Gebiet Südkreuz, leiten den Rundgang am 5. September

Transferwerkstatt Stadtumbau diskutierte in Berlin über die Anwendung von Wettbewerben und Konzeptverfahren

Berlin strafft Konzeptverfahren für Grundstücke und stärkt Partizipation im Rahmen von Wettbewerben
September 2019

Am 4. und 5. September trafen sich 120 Fachleute aus Verwaltung, Stadtplanung und Architektur zur Transferwerkstatt Stadtumbau im Tribünengebäude des Poststadions in Moabit. Thema waren "Planungswettbewerbe und Konzeptvergaben im Stadtumbau", die nach der Beobachtung der einladenden Bundestransferstelle immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zu Beginn der Veranstaltung sprach Senatorin Katrin Lompscher über die veränderte Boden- und Liegenschaftspolitik Berlins. Auf diesem Gebiet sei Berlin weiter als der Bund, denn der Verkauf an den Meistbietenden sei Geschichte. Eine Möglichkeit, Benachteiligungen durch den Markt auszugleichen, ist das Konzeptverfahren, bei dem der Interessent mit dem aus städtebaulicher, sozialer und ökologischer Sicht besten Konzept das Grundstück zum Festpreis erwerben kann.

Ein erstes Pilotprojekt dazu hat Berlin gerade abgeschlossen. Aktuell werden die Kaufverträge für die Grundstücke im Gebiet der Schöneberger Linse unterzeichnet. Das Verfahren müsse nun gestrafft werden. Wichtig sei, sich noch mehr auf die Inhalte zu konzentrieren, so Katrin Lompscher dazu. Als Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung in Lichtenberg hat sie das Programm Stadtumbau von 2001 bis 2006, also ganz zu Beginn, in ihrem Bezirk umgesetzt. Aus dieser Erfahrung bekräftigt sie die Bedeutung von Wettbewerben, wenn es um die Qualifizierung des öffentlichen Raums oder anspruchsvolle Bauvorhaben geht. Immer müsse dabei breiter Raum für Partizipation sein. Dies war auch das Credo fast aller Rednerinnen und Redner auf der zweitägigen Veranstaltung.

Eine etwas andere Meinung vertrat Michael Mackenrodt, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Berlin und dort zuständig für Wettbewerbe und Vergabe, im Interview mit Martin Karsten, Leiter der Bundestransferstelle, der die Veranstaltung zusammen mit Irina Liebmann, ebenfalls Bundestransferstelle, moderierte. Michael Mackenrodt plädierte für eine intensive Partizipationsphase vor dem Beginn eines formellen Wettbewerbsverfahrens, um die Aufgabenstellung zu definieren. In das Regelwerk eines Planungswettbewerbs, das u.a. Anonymität vorschreibt, dürfe dann nicht mehr eingegriffen werden. 

Mut zu Innovation und Beteiligung auf Augenhöhe

Ein ganz anderes Herangehen wurde beim Vortrag von Marcus Lehmann deutlich. Er leitet das Jugendamt des gastgebenden Berliner Stadtbezirks Mitte und plädierte dafür, die Kinderbeteiligung sehr ernst zu nehmen – in diesem Fall für ein neues Spielhaus auf dem Moabiter Kinder-Hof. Im Verfahren mit zuvor ausgewählten Planungsbüros wurden den Kindern zwischen August 2018 und Juni 2019 immer wieder Zwischenergebnisse vorgestellt und die weitere Planung Schritt für Schritt an die Sicht der Kinder angepasst. 

Ein weiteres Berliner Beispiel stellte Karoline Scharpf von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte vor, die das beschränkte städtebauliche Entwurfsverfahren für die Revitalisierung des Gebäudekomplexes an der Rathenower Straße 16 in Moabit begleitete. Bei der geplanten Neustrukturierung mit Teilabriss und Neubau sind viele Interessen zu berücksichtigen. In den heute teilweise leer stehenden Gebäuden aus den 1970er-Jahren sollen neben den vorhandenen Nutzungen des Jugendclubs und einer Moschee u.a. besondere Wohnformen mit prämiertem Konzept etabliert werden. 

Mut zu neuen Formen machte allen im Saal der Bauamtsleiter der bayrischen Stadt Selb, die durch den Niedergang der Porzellanindustrie besonders stark vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffen ist. Er setzt seit Jahren in seiner Kommune verschiedene innovative Wettbewerbsformen durch, u.a. Bürgerwettbewerbe für Zwischennutzungen und den Studierendenwettbewerb "Europan" (www.europan.de). Die oft überraschenden Resultate werden in Selb sehr häufig auch erfolgreich umgesetzt. 

Das neue Stadtquartier Schöneberger Linse

Im zweiten Teil des Tages sowie auf dem Stadtrundgang am folgenden Tag stand dann die alternative Vergabe von Grundstücken im Mittelpunkt. Als Beispiel führten Senat und der Bezirk Tempelhof-Schöneberg ein Konzeptverfahren zur Vergabe von vier Grundstücken auf dem Baufeld 2/3 im neuen Wohnquartier Schöneberger Linse durch. Es ist eines der geplanten 14 neuen Stadtquartiere und umfasst 22 Hektar zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Schöneberg. 1.900 Wohnungen entstehen hier in den nächsten Jahren, aber auch Gewerbe wird nach wie vor seinen Platz haben. Ein Hotel, Büros und der Hauptsitz der Berliner Stadtreinigung sowie natürlich Geschäfte und Dienstleistungen sind geplant. Architektonisch ist einiges zu erwarten, Vattenfall plant einen Holz-Hybridbau; das von der BSR als Entreé am Südkreuz geplante Hotel ist ebenfalls von hoher Attraktivität (siehe dazu auch unseren Bericht von 2018).

Baubeginn für das Baufeld 2/3 ist im Frühjahr 2020. Die Ausschreibung für das Konzeptverfahren an einen sozialen Träger, eine Wohnungsgenossenschaft und zwei Baugruppen erfolgte bereits 2015, wie Grit Schade, die Leiterin der Wohnungsbauleitstelle, berichtete. So lange soll es in Zukunft nicht mehr dauern, bis die Kaufverträge unterschriftsreif sind. Der Rundgang durch das Gebiet beinhaltete auch eine Diskussionsrunde in der Teske-Schule mit Christina Pachaly von der Wohnungsbauleitstelle, Ronald Eckert, der für das Bezirksamt im Auswahlgremium saß, sowie dem Geschäftsführer der Berliner Schwulenberatung Marcel de Groot. Die gemeinnützige GmbH hatte das Konzeptverfahren als sozialer Träger gewonnen. Doch neben der Dauer und dem bedeutenden finanziellen Aufwand für die Interessenten machte Marcel de Groot auf ein anderes großes Problem aufmerksam. Es sei nicht gut, soziale Träger in Konkurrenz treten zu lassen, denn das Verfahren beanspruche Ressourcen, die besser dem eigentlichen Zweck der Träger zugute kommen sollten. Außerdem sei durch die Konkurrenzsituation das Vertrauen der Träger untereinander beschädigt worden, die doch eigentlich dasselbe Ziel haben. Konzeptvergaben sind also kein Allheilmittel und ihre Anwendung ist von Fall zu Fall neu zu überdenken.

Die Schwulenberatung baut nun ab Mai 2020 auf der Schöneberger Linse. Es entstehen 69 Wohnungen, 22 davon preisgebunden, sowie eine spezialisierte Pflege-WG für Menschen aus der queeren Community, zwei therapeutische WGs für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, eine Krisen-WG, eine Kita mit 44 Plätzen, sowie Büro-, Beratungs- und Nachbarschaftsräume. Anfang 2022 soll der neue Lebensort Vielfalt am Südkreuz fertig sein.

Von: Anka Stahl

Fördergebiete & Projekte

Projektinformationen

Logo Europäische UnionLogo Bundesministerium des Innern, für Bau und HeimatLogo StädtebauförderungLogo Senatsverwaltung für Stadtentwicklung