Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Aktive Stadtumbau-Gebiete

Neue Mitte Tempelhof


Der Bereich rund um das Rathaus Tempelhof ist zentral gelegen und verkehrlich gut erschlossen

Das Gebiet "Neue Mitte Tempelhof" zeichnet sich durch seine besondere stadträumliche Lage aus. Neben der guten verkehrlichen Erschließung und Anbindung an das ÖPNV-Netz konzentrieren sich in dem Bereich zwischen Götz- und Albrechtstraße viele öffentliche Funktionen wie das Stadtbad Tempelhof oder die Bezirkszentralbibliothek. Auch die vielfältigen Parks und Grünanlagen sowie der alte Dorfkern sind für diesen Bereich prägend. Der Tempelhofer Damm (B 96) hat als zentrentragender Stadtraum die Funktion eines Stadtteilzentrums.

Gebietscharakteristik

Der Rathauskomplex, der Tempelhofer Damm und viel Grün prägen das Gebiet

Eine Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen befinden sich entweder direkt im Gebiet oder sind fußläufig zu erreichen, beispielsweise das Rathaus Tempelhof selbst, ein Polizeiabschnitt, die alte Dorfkirche sowie Infrastruktureinrichtungen wie das Vivantes Wenckebach Klinikum und mehrere Schulstandorte. Insgesamt ist die bauliche Struktur heterogen, sowohl gründerzeitliche Gebäude als auch Nachkriegsbauten prägen das Stadtbild. Zudem gibt es einige denkmalgeschützte Gebäude und Ensembles, wie das Kaiserliche Postamt, die Wohnanlage "Märkische Scholle" und die Gartendenkmäler Franckepark und Alter Park. Sie bilden zusammen mit Bosepark und Lehnepark einen Grünzug und Naherholungsraum, der jedoch durch den Tempelhofer Damm zerschnitten wird. Für die Naherholung sind auch die drei Kleingartenanlagen wichtig.

Informationen

Bezirk: Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Gebietsfestlegung: 25.09.2018
gemäß § 171b BauGB

Gebietsgröße: 62 ha

Einwohner: 4.200 (Stand 12/2017)

Bewilligte Programmmittel seit Gebietsfestlegung:
-
größere Kartenansicht
AktuellAbgeschlossen

Handlungsbedarf

Die öffentlichen Gebäude entsprechen nicht mehr den funktionalen Anforderungen, hier: das Stadtbad
Blick über leere Fläche auf quaderförmigen Bau mit Glasfront

Trotz seiner Zentralität entspricht der Bereich nicht seiner Bedeutung für den Ortsteil Tempelhof und wird den Anforderungen der wachsenden Stadt nicht gerecht. Die öffentlichen Einrichtungen der 1960er-1970er Jahre sind teilweise stark sanierungsbedürftig. Eine bauliche Anpassung an sich wandelnde Nutzungsanforderungen gestaltet sich schwierig. Die mangelnde Vernetzung der Freiräume, unklare Zuwegungen zu den öffentlichen Gebäuden sowie teilweise nicht nutzbare Freiflächen erschweren die Orientierung und Durchlässigkeit des Gebiets. Auch bei der Gestaltung und Aufenthaltsqualität bleiben die Grün- und Freiräume hinter ihren Möglichkeiten zurück. Der Tempelhofer Damm bedarf auf dem Abschnitt zwischen Alt-Tempelhof und Albrechtstraße einer Attraktivitätssteigerung und Funktionsstärkung.

Im Zuge der erforderlichen Aufwertungsmaßnahmen besteht in diesem Bereich zudem die Chance, durch Neuordnung und Wiedernutzung nicht oder minder genutzter öffentlicher Flächen neue Bereiche für den Wohnungsbau zu schaffen.

Leitbild und Entwicklungsziele

Die denkmalgeschützten Parks und Grünräume sind eine wesentliche Qualität des Gebiets. Hier: der "Alte Park"
Blick auf die Rückseite von Bänken mit Menschen im Park

Unter dem Leitbild „Neue Mitte Tempelhof“ soll eine umfassende Neuordnung und funktionale Verdichtung des Kernbereichs zwischen Götz- und Albrechtstraße erfolgen. Ein Großteil der öffentlichen Einrichtungen wird durch Neubauten an anderen Standorten im Gebiet ersetzt, die es ermöglichen, mehrere Angebote und Nutzungsprogramme integriert zusammenzuführen. Am Rathaus entsteht so ein neues Kultur-, Bildungs- und Bürgerhaus. Auch das Stadtbad und die Polizeidirektion erhalten Neubauten an der Götzstraße. Zusätzlich sind der Bau einer Kita und einer Jugendfreizeiteinrichtung sowie die Sanierung der bestehenden Paul-Simmel-Grundschule geplant. Durch die Neuordnung der öffentlichen Infrastruktur wird außerdem Platz für den Bau von ca. 500 Wohnungen an der Götzstraße ermöglicht.

Mit der behutsamen Umgestaltung des Dorfangers Alt-Tempelhof und des Reinhardtplatzes sowie der Grün- und Parkanlagen werden die historischen Wurzeln des Ortsteils sichtbar gemacht. Aus Mitteln des Stadtumbaus sollen unterstützend u.a. weitere Grün- und Freiflächen sowie Stadtplätze aufgewertet, die innere und äußere Erschließung des Gebiets verbessert und Grundstücke für die Neubebebauung vorbereitet werden.

Insgesamt soll eine partizipative, partnerschaftlich getragene und sozialorientierte Gebietsentwicklung erfolgen, mit dem Ziel den Bereich als integrierten, gut erschlossenen Dienstleistungs-, Kultur- und Gewerbestandort zu stärken und gleichzeitig größere zusammenhängende Flächen für den Wohnungsbau zu schaffen.

Vorbereitende Untersuchung

Großes öffentliches Interesse beim Erkundungs-Rundgang durch das Gebiet im Juni 2018
Laufende Menschen vor Tempelhofer Rathaus mit Turm

Mit Hilfe sogenannter vorbereitender Untersuchungen nach § 141 Baugesetzbuch wurde geprüft, ob und in welchem Umfang für eine Aufwertung und Weiterentwicklung des Gebietes ein integriertes Stadterneuerungs­verfahren und der Einsatz von Städtebaufördermitteln in Frage kam. Dieser Prozess dauerte von August 2016 bis ins Mitte 2018. Im Rahmen der Untersuchungen wurden städtebauliche Mängel und Miss­stände erfasst und über­greifender Ziele für die Entwicklung herausgearbeitet. Angesichts des hohen Anteils an landeseigenen Flächen im Kernbereich der städtebaulichen Neuordnung hat sich die Festsetzung eines Stadtumbaugebiets als angemessenes Instrument für die Gebietssteuerung herausgestellt.

Für die Entwicklung des Gebiets ist der Umgang mit den zentralen Stadtbausteinen Bezirkszentralbibliothek, Polizeidirektion 44, Stadtbad und ehemaliger BVV-Saal des Rathauses entscheidend. Um zukunftsfähige Perspektiven mit den Nutzern und Eigentümern zu entwickeln, wurden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie vier verschiedene Entwicklungsoptionen gegenübergestellt und ausgewertet. In diesem Prozess entstand die Strategie der „Rochade“. In einer Folge „städtebaulicher Schachzü­ge“ werden die öffentlichen Einrichtungen Schritt für  Schritt an andere Standorte im Gebiet verlagert. Mit dieser Strategie erhalten diese Einrichtungen Neubauten, die ihren individuellen Ansprüchen an Funktion und Flächenbedarf  entsprechen. Zugleich wird eine gut erschlossene landeseigene Fläche für ein neues Wohnquartier an der Götzstraße für etwa 500 Wohnungen gewonnen.

Um den Dialog mit den Schlüsselakteuren zu unterstützen, wurde zusätzlich eine Machbarkeitsstudie beauftragt, in der unterschiedliche Entwicklungsvarianten für die öffentlichen Gebäude herausgearbeitet wurden. Bevorzugt wird nun die Variante der sogenannten "Rochade", die den Umzug der Bezirkszentralbibliothek in ein neu zu schaffendes Kultur-, Bildungs- und Bürgerhaus sowie weitere Neubauten für die Polizeidirektion und das Stadtbad vorsieht.

Beteiligung

Die Zwischenstände der Vorbereitenden Untersuchungen wurden in drei öffentlichen Veranstaltungen und in Form von Ausstellungen vorgestellt und mit Bürgerinnen und Bürgern sowie den Trägern der sozialen Infrastruktur vor Ort diskutiert. Die Ergebnisse der Beteiligung flossen in den Endbericht der Vorbereitenden Untersuchung ein. Nach Aufnahme des Gebiets in die Stadtumbau-Förderkulisse sind weitere Beteiligungsformate zur Gebietsentwicklung und konkreten Einzelmaßnahmen geplant.

Ausblick

Im Juli 2018 hat das Bezirksamt beschlossen, die Vorbereitenden Untersuchungen als Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) und damit als Handlungsgrundlage für den Stadtumbau in der „Neuen Mitte Tempelhof“ heranzuziehen. Die Festlegung des Stadtumbaugebiets durch den Senat erfolgte am 25. September 2018.

Als Starterprojekte sollen aus Fördermitteln ab 2019 der Spielplatz im Franckepark saniert und erweitert sowie ein Parkpflegewerk für die denkmalgerechte Aufwertung der Grünlagen links wie rechts des Tempelhofer Damms erarbeitet werden. Die Senatsverwaltung wird zudem ein städtebauliches Gutachterverfahren zur Vorbereitung des Bebauungsplanverfahrens rund ums Rathaus durchführen.

Quelle: SenStadtWohn, bearb. A. Stahl
Stand: Januar 2019

Fördergebiete & Projekte

Gebietsporträt zum Download

Ansprechpartner

Fuhrmann, Paul
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Tel: (030) 90139 4867
Knappe, Christopher
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Stadtentwicklung u. Bauen, Stadtentwicklungsamt
Tel: (030) 90277-3482

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