Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen (rechts), im Gespräch mit Basil Kerski vom ESC
Der Saal im heutigen Finanzamt für Körperschaften war die Keimzelle des Stasi-Areals
Udo Dittfurth leitet das Standortmanagement
Das Podium mit Lutz Henke, Dr. Klaus Lederer, Moderatorin Isabel Fannrich, Dr. Robert Kaltenbrunner, Jette Helberg und Katrin Lompscher (v. links)
Katrin Lompscher (links) auf dem Podium neben Jette Helberg
Eine Ausstellung dokumentiert Geschichte und Perspektiven des Standorts
Die Projektion zum 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnerte auch an die alte Bebauung des Areals. Davor die Open-Air-Ausstellung zur Geschichte der Opposition in der DDR

Der lange Weg vom Stasi-Block zum Campus für Demokratie

4. Standortkonferenz diskutierte über Chancen und Herausforderungen für das ehemalige Stasi-Gelände
November 2019

"Erinnerungskultur dient der Zukunft", dieses Statement von Basil Kerski, dem Leiter des Europäischen Solidarność-Zentrums (ESC), hätte als Titel über der 4. Standortkonferenz zur Entwicklung des Areals der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg am 8. November 2019 stehen können. Man wolle zusammenfassen, was war, was ist und vor allem, was die Zukunft für den riesigen Block des ehemaligen Stasi-Geländes bringen könne, so der Moderator der mit rund 80 Gästen gut besuchten Veranstaltung am Vorabend des 30. Jahrestages des Mauerfalls, Dirk Spender vom Standortmanagement der Planergemeinschaft eG.

Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) und ein wesentlicher Initiator der Idee eines "Campus für Demokratie" auf dem Gelände im Stadtumbaugebiet Frankfurter Allee Nord, freute sich in seiner kurzen Ansprache über die Zustimmung des Bundestages vom 26. September zu einem Konzept für das hier neu zu errichtende Archivzentrum. Dort sollen zukünftig die Akten der Stasi, der SED sowie der Massenorganisationen der DDR unter dem Dach des Bundesarchivs zusammengeführt werden. Dies sei ein Teil des Gedächtnisses der Nation und werde für alle an der DDR-Geschichte Interessierten zugänglich bleiben, wie auch Maria Bering, die Leiterin der Gruppe K4, „Geschichte, Erinnerung“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), versicherte. Allein in Berlin lagern 51 Kilometer Stasiakten.

Der Standortmanager und Stadtplaner Udo Dittfurth von der Planergemeinschaft ordnete die Planungen des Bundes in das in Arbeit befindliche Gesamtkonzept für den Block ein. Nächste Schwerpunkte dieser Arbeit werden in der Herstellung einer durchgehenden öffentlichen Erschließung, eines Informations- und Wegeleitsystems und in der nutzungsverträglichen Entwicklung der privaten Liegenschaften liegen. 2020 sollen das Bebauungsplan­verfahren fortgeführt und die Ziele für die Sanierung des Areals fortgeschrieben werden. Man wolle so wenig wie möglich in das Gesamtensemble eingreifen und dennoch den hohen Leerstand bekämpfen. Neben dem Kern der Erinnerungskultur gibt es bereits ein Ärztehaus und ein Wohnprojekt auf dem Gelände. Vor allem für das historische Areal verträgliches Gewerbe, aber auch kreative Zwischennutzungen, könnten in den vielen leer stehenden Büros und technischen Gebäuden angesiedelt werden. 

In den Vorträgen der europäischen Gäste mit Beispielen aus Gdansk und Helsinki wurde die große Chance deutlich, die das Gelände für die Entwicklung eines neuen, nichtkommerziellen öffentlichen Raums der Begegnung, Kommunikation und des Lernens bietet. Dieser Raum kann am besten unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit und aller interessierten Akteure entwickelt werden, wie das Beispiel der Oodi-Bibliothek in Helsinki eindrucksvoll zeigte, das deren Leiter, Kari Lämsä, vorstellte. Wie das Europäische Solidarność-Zentrum (ESC) in Gdansk brauchte es lange Zeit bis zur Verwirklichung der Idee. In Gdansk waren es 15, in Helsinki über 20 Jahre. Doch der Erfolg gibt ihnen recht und macht auch den Akteuren der Standortentwicklung in Berlin-Lichtenberg Mut, sich die Zeit zu nehmen, um einen solchen historisch, kulturell und gesellschaftlich relevanten Ort zu ermöglichen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Kultursenator Dr. Klaus Lederer, Dr. Robert Kaltenbrunner vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Lutz Henke von der offiziellen Berliner Tourismusorganisation VisitBerlin und Jette Helberg von der Leipziger Initiative Aufbruch Ost über die kommenden Herausforderungen für den Campus für Demokratie aus.

Senatorin Katrin Lompscher nannte die ganz praktische Öffnung in die Stadt als eines der vorrangigen Ziele der Standortentwicklung. Zurzeit gibt es für das 7,6 Hektar große Gelände, in das mehr als zehn Fußballfelder passen würden, nur drei relativ schmale Zugänge. Kultursenator Dr. Lederer begrüßte die Idee, hier ein Forum zu Opposition und Widerstand in der DDR anzusiedeln und ermutigte den Bund, dies bei der Planung des Archivzentrums mitzudenken, Berlin sei als Partner mit dabei. Lutz Henke betonte das hohe Interesse an authentischen Orten der Geschichte bei den Gästen der Stadt. Ziel müsse es sein, diese authentischen Orte in die Gegenwart zu bringen. Dafür plädierte auch Jette Helberg, die daran erinnerte, dass die Kernthemen des Erinnerungsortes heute hochaktuell seien. Dieser Raum ist wie geschaffen dafür, sich mit den Gefahren einer allumfassenden Überwachung und der Verteidigung der Demokratie zu beschäftigen. 

Im Foyer wurde ein rund 20-minütiger Film von Lale Willan gezeigt, der die Sicht von Jugendlichen auf diese Themen widerspiegelt. Er wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen produziert. Link zum Film "Meine Demokratie" auf YouTube

Link zur Pressemeldung

Von: Anka Stahl u. Planergemeinschaft eG, Fotos: Planergemeinschaft, Foto 7: Anka Stahl

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