Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Alte und neue Bärenskulptur am SO-Eingang des Volksparks Jungfernheide
Bezirksbürgermeister Naumann kennt den Park von Kindheit an
Vor dem Start: Treffen im Familienzentrum
Hinter den Bäumen, am Ort des ehemaligen Feriencamps ensteht eine Waldkita
Das Wahrzeichen von Park und Stadtteil ist der Wasserturm
Am Eingang des Stadtteilzentrums können Kritikkärtchen abgegeben werden. Die vier Diskussionsgruppen werden gelost
Ideensammlung in der Gruppe

Tag der Städtebauförderung 2019: Mit Bezirksbürgermeister Naumann im Volkspark Jungfernheide in Charlottenburg Nord

Am Nachmittag wurden in der "Zukunftswerkstatt Jungfernheide" Visionen entworfen
Mai 2019

Welcher Berliner Bär mit spielenden Kindern ist original? Die beiden Skulpturengruppen am südöstlichen Eingang zum Volkspark Jungfernheide gleichen sich. Nur wer genau hinsieht, erkennt die verwitterte Nase des Kindes unter der behütenden Bärin an der fast 100 Jahre alten Plastik und dagegen die Kopie von 2011, die noch besser in Schuss ist. Genau hinsehen wollen am Tag der Städtebauförderung rund 50 Interessierte auf einem Rundgang durch den Park. "Wo sind die Stärken, was gibt Anlass zur Kritik?", die Gebietsbeauftragte Nadine Fehlert vom Büro Jahn, Mack und Partner erinnert unterwegs daran, die vorher verteilten Kärtchen mit diesen Fragen auszufüllen, damit die Zukunftswerkstatt am Nachmittag viel Stoff zum Diskutieren hat.

Moderator der Veranstaltung ist auch Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann. Lebhaft wie immer, erheitert er die Gäste mit Anekdoten. Er ist ganz in der Nähe aufgewachsen und als Kind mit seiner Oma oft im Park gewesen. Solche Erfahrungen haben einige der Gäste des Rundgangs, nicht wenige von ihnen wohnen seit mehr als zwanzig Jahren in dieser Gegend.

Alteingesessene und Zugezogene waren um 10 Uhr zum Startpunkt Familienzentrum Jungfernheide gekommen. Reinhard Naumann und Doris Leymann, im Büro des Bürgermeisters u.a. verantwortlich für den Stadtumbau, führen dort in das Thema ein. Gartenarchitekt Dr. Dietmar Land zeigt historische Fotos des Park-Architekten Erwin Barth. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Dr. Land mit dessen weitsichtigen Planungen und erarbeitete auf dieser Grundlage im Auftrag des Bezirks das Parkpflegewerk. Erwin Barth plante den idyllischen Park in den 1920er-Jahren als Volks- und Naturerlebnispark; das ist er bis heute geblieben.

Zurzeit tut sich sehr viel: Im Bereich des früheren Feriencamps "Kinder in Luft und Sonne" wird gerade eine Kita gebaut. Die Lieferwege müssen befestigt und beleuchtet werden, nicht ganz unproblematisch im Landschaftsschutzgebiet. Gleichzeitig gehört der Park zur Pufferzone des Weltkulturerbes Siemensstadt. Dr. Land hat für das Bezirksamt ein Auge auf die Entwicklung, ist bei allen wichtigen Abstimmungen dabei. Er weiß: Um ein wirklicher Volkspark zu bleiben, braucht das Gartendenkmal Volkspark Jungfernheide auch Veränderungen. 

Die gab es in den fast 100 Jahren reichlich: Das Wildschweingehege ist verschwunden, auch den Bootsverleih gibt es nicht mehr. Dafür bringt der Klettergarten viel Leben in den Park. Das alte Kassenhäuschen der Freilichtbühne ist schon seit Jahren als "Kulturbiergarten" beliebt. Das Wahrzeichen des ganzen Stadtteils, der Wasserturm, beherbergt seit einiger Zeit ein Café, wie es Erwin Barth geplant hatte.

Doch es gibt auch eine ganze Menge Probleme: Der Wasserturm ist "in die Jahre gekommen" , eine Wendung, die auf diesem Rundgang oft zu hören ist. Ein Netz gegen herabfallende Steine musste gespannt werden. Die Ufer des großen Teichs bröckeln, die Wasserqualität im Bereich der sogenannten Plansche war in den letzten Jahren so schlecht, dass dort niemand mehr baden sollte; nicht alle halten sich daran. Auch der Spielplatz war früher schöner, sagen die Älteren. Deshalb hat das Bezirksamt Fördergelder beantragt, um die Wasserqualität zu verbessern, die Ufer zu sanieren und den Spielplatz aufzuwerten. 

Auf dem Rundgang mit vielen Stopps und Erklärungen wird deutlich, dass die Anwohnerinnen und Anwohner die Veränderungen positiv sehen und eigene Ideen haben. Damit geht es am Nachmittag im Stadtteilzentrum am Halemweg weiter.

Gebietsbeauftragte Nadine Fehlert moderiert nach dem langen Spaziergang im zweitgrößten Volkspark Berlins die Ideen-Werkstatt. Lob und Kritik sind notiert und gesammelt, nun geht die Gruppe einen Schritt weiter: Kritik soll in positives Denken umgewandelt und gemeinsam eine Vision für das Jahr 2040 entwickelt werden. In vier Gruppen wird diskutiert, ob und welche Veränderungen im Park eine Antwort auf die Veränderung der Stadt geben können, die uns erwarten: multikulturell und mit einer veränderten Mobilität, viel dichter bevölkert, extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt und mit weniger grünen Oasen, die für Abkühlung sorgen. 

Viele haben klare Vorstellungen, was im Park abgewandelt oder verbessert werden sollte: Die Freilicht-Bühne müsse reaktiviert werden, u.a. für Auftritte einer Schülerband, Vorträge oder Kino. Gewünscht werden Flächen zum Grillen und ein Nachbarschafts-Garten in der ehemaligen Baumschule, um die Umweltbildung zu fördern. Die zukünftigen Kitakinder könnten den Streichelzoo nutzen, auch Workshops mit wissenschaftlicher Begleitung sind denkbar. Das Erlebnis Wald könnte man bei regelmäßigen Führungen durch Naturschützer vertiefen.

Im Anschluss werden die vielfältigen Ideen sichtbar notiert und im großen Saal vorgestellt. Der eine oder andere ist erstaunt, denn in vielen Punkten sind sich die Gruppen einig: Eigentlich muss nicht viel verändert werden; es geht vor allem darum, den natürlichen Charakter und die Vielfalt im Park zu erhalten und ihn einfach wieder ein bisschen heraus­zuputzen. Nun sind die Leute gespannt, wie es weitergeht.

Beabsichtigt ist, die Ideen und auch die gesammelten Kritikpunkte noch einmal intensiv mit der Verwaltung zu prüfen und dann voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte eine zweite Werkstatt durchzuführen. Hier sollen Verwaltung, Anwohner*innen und die Akteure der Einrichtungen vor Ort gemeinsam überlegen, was umsetzbar ist, wie man es anpacken könnte und wen man als Partner gewinnen kann.

Dokumentation der Zukunftswerkstatt

Von: Anka Stahl, Gudrun Radev, bearb.: N. Fehlert

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