Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

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Das Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße aus der Entstehungszeit des Wohngebiets
Was tun? Passendes Motto zur Diskussion im Klubhaus Wabe
Gut gefüllt - die ehemalige Gaststätte und heutige Kleinkunst-Bühne Wabe
Im Podium: Fachleute aus Architektur, Kunst und Denkmalschutz

Prenzlauer Berg: Kommentare zu einem Monument gesucht

Wie umgehen mit einem Denkmal aus DDR-Zeiten?
November 2018

Am 27. November 2018 trafen sich Fachleute und Interessierte im gut besuchten Klubhaus WABE im Ernst-Thälmann-Park zu einem Colloquium zur geplanten künstlerischen Kommentierung des monumentalen Thälmann-Denkmals direkt an der Greifswalder Straße. Für die künstlerische Auseinandersetzung und Kommentierung, stehen im Programm Stadtumbau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Mittel bereit. Dieser Nachmittag diente als Auftakt. 

Anfangs konzentrierten sich die Referate von Fachleuten aus  Denkmalpflege, Stadtplanung und Bauwesen darauf, Fakten und Hintergründe zum Wohngebiet, der Parkanlage und deren Schutzstatus zu beleuchten. Das war insofern wichtig, als es sich um ein geschütztes Denkmal handelt, obwohl es  bereits zu seiner Enthüllung – so Augenzeugen – enttäuschte und künstlerisch überholt wirkte. Diese kritische Sicht ließen auch Referenten erkennen.

Staatschef Erich Honecker hatte den bekannten sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel (1917 bis 2003), vom dem bereits das Marx-Monument in Chemnitz stammte, 1984 persönlich mit dem monumentalen Werk beauftragt und damit den DDR-Künstler-Verband übergangen. Ursprünglich war die Skulptur von zwei Stelen aus Bronze mit Zitaten von Thälmann und Honecker flankiert, die heute in der Zitadelle Spandau zu sehen sind. Das gesamte Ensemble wurde 1986, zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann, eingeweiht und lief nach der Wende Gefahr, ebenso wie das Lenin-Standbild von Tomski abgerissen zu werden. 2014 wurde es jedoch als Beispiel sozialistischen Bauens in die Denkmal-Liste Berlins eingetragen.

Für die künstlerische Neukommentierung wünschte sich die Leiterin der Galerie Pankow, Annette Tietz - verantwortlich für Kunst im Stadtraum - ein Zusammenwirken von Denkmalpflege, Historikern, Künstlern und Nachbarschaft. Dazu sollten die geladenen Fachleute an diesem Nachmittag erste Überlegungen anstellen, darunter Bau-Historiker Thomas Flierl – vielen bekannt als Leiter des Kulturamtes Prenzlauer Berg und Kultursenator Berlins von 2002-2006

Doch wozu wird eine Kommentierung überhaupt benötigt? Die Historikerin Annette Leo zeichnete das in der DDR propagierte Bild von Ernst Thälmann nach, das mit der historischen Wahrheit und Thälmanns Rolle in der Weimarer Republik wenig zu tun hatte. Auch die markante Faust, die auch das Denkmal zeigt, sei historisch nicht nachzuvollziehen. Vor diesem Hintergrund erinnerte Anette Leo an bereits vorliegende, humorvolle künstlerische Entwürfe und schlug vor, daran anzuknüpfen. Die Künstlerin Renata Stih betonte, wie wichtig es sei, in der Auseinandersetzung Kontakt zur Öffentlichkeit zu halten und weiterhin Raum für Diskussionen zu bieten. Sie schuf im Bayerischen Viertel die viel beachteten 80 Laternen-Schilder mit anti-jüdischenVerordnungen der Nazis. 

Im weiteren Verlauf des Colloquiums wurden Fragen aufgeworfen, wie: Soll der große leere Platz mit dem Denkmal an der Greifswalder Straße seine Mono-Funktion behalten? Wird er nicht zu wenig genutzt? Holt man die Stelen mit den Zitaten wieder zurück? Werden die Graffitis regelmäßig entfernt? Für die Künstlerin Karla Sachse wären Projektionen mit Video oder Licht denkbar, die das Monument nicht beschädigen. Sie schlägt Klang-Installationen, Hörstationen, wie am S- Bahnhof Bornholmer Straße, oder mobile digitale Angebote wie Apps vor. Vorstellbar wären am Denkmal auch Street Art, temporäre Ausstellungen oder Performances. Einig waren sich Podium und Publikum, dass die Diskussion weiter fortgesetzt werden müsse.

Von: Text u. Fotos: Gudrun Radev, Bearbeitung u. Foto 1: Anka Stahl

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