Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


So soll es im nächsten Jahr wieder aussehen - Visualisierung cpm Architekten
Hilmar Schädel vom Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg mit Kerstin Jahnke, Beauftragte für das Stadtumbaugebiet
Jörg Meißner, Technischer Service Berliner Wasserbetriebe
Interessiertes Publikum trotz Novemberwetter
Seit Jahren ein Stein des Anstoßes: der defekte Brunnen

Starterprojekt für Friedrichshain-West: Die Fontänen werden wieder sprudeln

An der Karl-Marx-Allee werden drei Brunnenbecken saniert
November 2017

„Bereits im Frühjahr rollen die Bagger und 2019 könnten die Brunnen wieder dauerhaft in Betrieb sein“, so Hilmar Schädel. Er ist Fachbereichsleiter für Grünflächen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und eröffnet das Vor-Ort-Gespräch an diesem 10. November 2017. „Dass es nun doch so schnell losgehen kann, verdanken wir als Bezirk den Fördergeldern aus dem Programm Stadtumbau und unserer Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben“, erklärt er und verweist auf den neben ihm stehenden Jörg Meißner von den Berliner Wasserbetrieben.

Der hat an diesem verregneten Nachmittag die Pläne der Architekten und historische Fotos mitgebracht. Jörg Meißner erläutert, in welchen Phasen gebaut werden soll. So werde der Abriss der drei Brunnenbecken zwischen Koppen- und Andreasstraße und die Errichtung einer unterirdischen so genannten Brunnenstube samt Versorgungsschächten und Wasserleitungen sicher mit Lärm verbunden sein. Nötig ist der Bau, weil man zu DDR-Zeiten die Fontänen einfach über den Hausanschluss der dahinter liegenden Wohnblöcken speiste - ein Umstand, der heute undenkbar wäre. Auch die Tiefe der Becken müsse den heutigen Sicherheitsvorgaben angepasst und somit um 30 Zentimeter verringert werden. Später, nach dem Rückbau der Baustellenauffahrt, wollen Landschaftsgärtner auch die Grünanlage mit Bänken, Bäumen und Büschen in Angriff nehmen. Der Platz erhält zusätzlich einige junge Bäume, einen barrierefreien Zugang und der Gehweg neue Platten. 

Die etwa 30 anwesenden Nachbarn folgen sichtlich zufrieden den Erklärungen und sind dankbar, dass der lange Jahre stillgelegte Brunnen nun saniert wird. Die detaillierten Nachfragen an Kerstin Jahnke von der Planergemeinschaft, verantwortlich für das Stadtumbaugebiet Friedrichshain-West, zeugen von großem Interesse. Bezirk und Land lassen sich die Rekonstruktion der Brunnenanlage und der Freiflächen insgesamt 785.000 Euro kosten – ein Betrag, der alle Anwesenden optimistisch stimmt. Gute Laune herrscht indes auch deshalb beim Bezirk, weil die Sanierung der Brunnenanlage den Startpunkt für das 2016 beschlossene Stadtumbaugebiet setzt. Petra Troppa, die sich schon lange für die Sanierung engagiert, freut sich schon auf schöne Sommernachmittage auf ihrer Lieblingsbank. Nicht nur sie vermisst das muntere Treiben der Familien rund um das kühlende Nass. „An heißen Tagen war an und im Becken immer viel los“, ergänzt eine andere Anwohnerin.

Ihre Existenz verdanken die benachbarten Blöcke und der dreiteilige Brunnen übrigens einer historischen Pointe, denn genau an dieser Stelle stand zehn Jahre lang die größte Stalin-Statue der DDR. Während der Tauwetterperiode 1961 verschwand dieses 4,7 Meter hohe Ungetüm in einer Nacht- und Nebel-Aktion. In die entstandene Baulücke setzte man besagten Brunnen, der davon ablenken sollte, dass die dahinter errichteten Wohnbauten nun gar nicht zum teuren, neoklassizistischen Baustil der Karl-Marx-Allee passten, weshalb dieser kurze Straßenabschnitt nicht unter Denkmalschutz steht. Dies wiederum erlaubt die beschleunigte und kostenmäßig akzeptable Instandsetzung der Brunnenanlage.

Weitere Details erfährt man im benachbarten Kulturcafé Sibylle. Dort lässt sich auch ein Teil des einstigen Stalindenkmals besichtigen. Ein pfiffiger Bauarbeiter hatte in jener Nacht das linke Ohr von Stalin an sich genommen und es nach der Wende dem Café übergeben. 

Historische Ansichten des Standortes (PDF; 13,7 MB, Quelle: CPM-Architekten / Wasserbetriebe)
Bauplanung Brunnen- und Freiraumkonstruktion (PDF; 9,4 MB, Quelle: CPM-Architekten / Wasserbetriebe)

Von: Text und Foto: B. Gericke / Redaktion Stadtumbau

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