Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Engagierte Diskussion
Nadine Fehlert und Tim Nebert von JMP notieren die Vorschläge zum Aktivpark
Landschaftsarchitekt Thomas Jarosch (l.) mit Moderator Karsten Scheffer
Tina K. wirbt für Toleranz im öffentlichen Raum
Beatrix Mohren freut sich über die vielen Vorschläge aus der Werkstatt

Brunsbütteler Damm / Heerstraße: Landschaften zum Wohlfühlen für Mensch, Tier und Pflanze

Bürgerwerkstatt diskutierte über neue Naherholungsgebiete
Juni 2018

Diejenigen, die glauben, außer Zitadelle, Havel und Wohnzeilen entlang der Heerstraße hätte Spandau nichts zu bieten, sollten einmal die ausgedehnten Grünzüge in diesem Bezirk per pedes oder Rad erkunden. In der Spekteniederung läuft z.B. seit Jahren ein Renaturierungsprogramm, dessen Ergebnisse beeindrucken. Und gerade erst – zum Tag der Städtebauförderung – wurde die Badestelle am Großen Spektesee wieder eröffnet.

Nun geht es in die nächste Etappe. Der Egelpfuhlgraben soll mehr Raum bekommen und der dazugehörige Park ein neues Antlitz. Für diese beiden Maßnahmen stehen Mittel aus dem Programm Stadtumbau zur Verfügung. Wichtig ist dem Bezirk, dass dieses Geld nur unter Mitsprache der Anwohnerinnen und Anwohner verausgabt wird. Deshalb werden seit April Nachbarn befragt, wie sie sich den Park und den Egelpfuhlgraben vorstellen.

Am 30. Mai war Gelegenheit, sich über die ersten Meinungen der Bevölkerung, die Analysen der Landschaftsplaner und die Wünsche des Bezirksamtes auszutauschen. Trotz brütender Hitze kamen engagierte Nachbarn in die Carlo-Schmidt-Schule zur ersten Bürgerwerkstatt. Als Gäste konnte Moderator Karsten Scheffer neben Tina vom Verein „I am Jonny“ den Gruppenleiter für den Fachbereich Stadtumbau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Hendrik Hübscher, begrüßen sowie Spandaus Baustadtrat Frank Bewig und dessen Amtskollegen Andreas Otti, zuständig für Umwelt und Naturschutz. Die gelungene Veranstaltung organisierte das Planungsbüro Jahn, Mack & Partner (JMP), welches den Bezirk bei der Koordination von Stadtumbaumaßnahmen in diesem Gebiet unterstützt.

Der Ort war gut gewählt – liegt doch die Schule direkt am geplanten Jonny-K.-Aktivpark und will überdies ein eigenes Ideenbündel vorlegen, wie die Mittelstufenleiterin Frau Botorabi an diesem Abend betont. Die ersten Schüler-Entwürfe sollen zum Stadtteilfest am 22. Juni vorliegen. Dass der Park nach ihrem Bruder benannt wird, berührt Tina sehr. Die junge Frau, die seit dem gewaltsamen Tod von Jonny im Jahr 2012 bundesweit um Zivilcourage wirbt, machte deutlich, dass es auch bei der Gestaltung des Parks um Toleranz geht. Sie, die hier in der Nähe aufgewachsen ist, möchte, dass sich dort alle – ob alt oder jung – sicher fühlen und erholen können.

Diesen generationenübergreifenden Ansatz teilt Beatrix Mohren. Sie erarbeitet derzeit mit ihren Kollegen vom Büro bgmr Landschaftsarchitekten eine Machbarkeitsstudie für den Aktivpark. An diesem Abend kommen an den Werkstatt-Tischen und aus dem Podium zahlreiche Vorschläge hinzu. Bis zum Jahresende haben Anwohnerinnen und Anwohner noch mehrmals die Möglichkeit, ihre Meinungen einzubringen.

Dies gilt natürlich ebenso für die geplante Neugestaltung des Egelpfuhlgrabens selbst. Landschaftsarchitekt Thomas Jarosch gerät wegen der dort beheimateten Flora und Fauna ins Schwärmen und hofft, dass in den nächsten Jahren die Lebensbedingungen für Lurche, Molche und die geschützten Orchideen noch verbessert werden können. Auch sein Büro (häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh) erarbeitet eine Studie, die nur unter Mitwirkung der Spandauer*innen die gewünschte Qualität erhält. Schließlich sollen ruhesuchende Spaziergänger und sportliche Radler gemeinsam die Wege entlang des Grabens nutzen können, ohne dass es Konflikte untereinander oder mit der Natur gibt.

Im Verlauf des Abends entwickelte sich ein lebendiges Werkstatt-Flair. In Einzelgesprächen und an den Tischen wurde konstruktiv diskutiert. Viele konkrete Vorschläge kamen zusammen, die demnächst online nachzulesen sind und in der nächsten Werkstatt im September ergänzt werden.

Von: Text & Fotos: B. Gericke / Redaktion Stadtumbau