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    Städtebau  

 

Molkenmarkt

Archäologie


Grabungen am Molkenmarkt, 2019 © DSK GmbH / S. Steinberg im Auftrag von SenStadtWohn
Grabungen am Molkenmarkt, 2019
© DSK GmbH / S. Steinberg im Auftrag von SenStadtWohn

Der Molkenmarkt ist einer der Gründungsorte von Berlin. Zwischen Mühlendamm und Klosterruine haben sich Spuren aus 800 Jahren Stadtgeschichte im Boden erhalten. Das Landesdenkmalamt Berlin führt vor der Realisierung der Hochbauten und während des Baus des neuen Hauptstraßenzugs archäologische Ausgrabungen durch. Nach der Verlegung der Grunerstraße wird auch ein Großteil der aktuellen Straßenflächen untersucht werden.

Im gesamten Plangebiet finden sich Orte von besonderer historischer Bedeutung – wie beispielsweise das Areal um die Ruine der Franziskaner­klosterkirche oder der ehemalige Große Jüdenhof. Doch auch Zeugnisse der Alltagskultur der früheren Berliner*innen werden ans Tageslicht gebracht. Die Grabungen dokumentieren alle Spuren der wechselvollen Geschichte städtischer Quartiere, seien es mittelalterliche Holzkeller, frühe Elektrizitätswerke oder Weltkriegsbunker.

Im Bereich des Großen Jüdenhofs konnten zwischen 2010 und 2013 die Fundamente der Bebauung des 18. und 19. Jahrhunderts sowie Überreste mittelalterlicher Bebauung freigelegt werden. Als Bodendenkmal ist ein mittelalterlicher Steinbau im nordöstlichen Platzbereich in die Denkmalliste eingetragen. Das Landesdenkmalamt strebt seine Wiederfreilegung und Integration als archäologisches Fenster in die künftige Freiflächengestaltung des Großen Jüdenhofs an. In diesem Bereich ist auch ein Durchgang zur zukünftigen Blockrandbebauung und eine Freifläche im Umfang der ehemaligen Französischen Kirche aus dem frühen 18. Jahrhundert geplant. Am ehemaligen Kirchenstandort selbst werden die mit großer Wahrscheinlichkeit im Untergrund erhaltenen Kirchenfundamente freigelegt werden.

Von großer stadtgeschichtlicher Bedeutung ist das Areal des in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründeten Franziskanerklosters zwischen Kloster- und Littenstraße. Ihr Grundstück hatten sie von den askanischen Landesherren erhalten, deren "Hohes Haus" sich einst ebenfalls in der Klosterstraße befand. Im Umfeld der Klosterkirchenruine sind im Boden noch die Fundamente der mittelalterlichen Klosterbebauung erhalten, die seit dem 16. Jahrhundert vom "Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster" genutzt wurde. Auf dem Areal erfolgten in den Jahren 2013 und 2014 archäologische Sondagen auf drei ausgewählten Flächen. Dabei konnten unter anderem Fundamente des Kapitelsaals, Pfeilerreste des Kreuzgangs sowie Bodenbeläge ausgegraben werden. Sowohl der Kreuzgang als auch der Kapitelsaal wurden als Bodendenkmal unter Schutz gestellt.

Bei den archäologischen Untersuchungen im Straßenland des Mühlendamms im Jahr 2019 konnten im Bereich des historischen Molkenmarkts neben dem heutigen Nikolaiviertel nicht nur 800 Jahre Stadtgeschichte dokumentiert werden. Über drei Meter unter der heutigen Geländeoberkante geborgene Feuersteinwerkzeuge belegen, dass sich im Bereich des heutigen Mühlendamms bereits vor ca. 5.000 Jahren mittelsteinzeitliche Nomaden aufhielten.

Seit dem Jahr 2019 werden zwei Grabungsfelder mit einer Gesamtfläche von fast 7.000 Quadratmetern auf beiden Seiten der Grunerstraße ausgegraben. Auf der Fläche A vor dem Alten Stadthaus konnten im ehemals dichtbebauten Quartier diverse Keller, Hausfundamente und für Hinterhöfe typische Befunde wie Brunnen, Pflaster oder Gruben freigelegt werden. In Teilabschnitten der Fläche B am Roten Rathaus wurde das 1889 in Betrieb genommene Elektrizitätswerk Spandauer Straße und Relikte des mittelalterlichen Stadtpalais‘ Haus Blankenfelde freigelegt.

Plan der Archäologischen Grabungen des Landesdenkmalamts Berlin am Molkenmarkt, Stand: Juni 2020 © SenStadtWohn
Plan der Archäologischen Grabungen des Landesdenkmalamts Berlin am Molkenmarkt, Stand: Juni 2020
Die Grabungsfelder sind mit roten gestrichelten Linien umrandet.
© SenStadtWohn

Ausgrabungen

360-Grad-Tour zu den Ausgrabungen
Die beliebten Führungen über die archäologischen Grabungen am Molkenmarkt müssen bis auf Weiteres entfallen.
Zum Ausgleich steht ab sofort eine virtuelle 360-Grad-Tour mit faszinierenden Aufnahmen zur Verfügung. mehr