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Monitoring Soziale Stadtentwicklung

Bericht Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2017


Karte Gesamtindex Soziale Ungleichheit 2017
Karte Gesamtindex Soziale Ungleichheit 2017


Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung (MSS) dient der kleinräumigen Beobachtung von Veränderungen der soziostrukturellen Entwicklung in den Teilgebieten der Stadt Berlin. Im Ergebnis des MSS werden auf räumlicher Ebene der Planungsräume Berlins Gebiete identifiziert, die im gesamtstädtischen Vergleich überdurchschnittlich stark von sozialer Benachteiligung betroffen sind und die erhöhter stadtentwicklungspolitischer Aufmerksamkeit bedürfen. Dem MSS kommt im Rahmen der Stadtentwicklungspolitik Berlins eine Hinweis- und Frühwarnfunktion zu.

Die hier vorgelegte Fortschreibung des Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2017 (MSS 2017) umfasst den Beobachtungszeitraum der Jahre 2015 und 2016 (Datenstand: 31.12.2014-31.12.2016). Die Berechnungen zum MSS 2017 erfolgen auf der Basis eines gestuften Indexverfahrens. Vier Index-Indikatoren, die jeweils als Status und als Dynamik (Veränderung Status über 2 Jahre) dargestellt werden, bilden die Basis zur Berechnung eines Status- und eines Dynamik-Index:
  • Arbeitslosigkeit (nach SGB II und III),
  • Langzeitarbeitslosigkeit (nach SGB II und III),
  • Transferbezug (existenzsichernde Leistungen für Nicht-Arbeitslose nach SGB II und XII)
  • Kinderarmut (Transferbezug SGB II der unter 15-Jährigen).
Aus der Überlagerung der gebildeten vier Klassen des Status-Index (hoch, mittel, niedrig, sehr niedrig) und der drei Klassen des Dynamik-Index (positiv, stabil, negativ) wird im Ergebnis des MSS 2017 der Gesamtindex Soziale Ungleichheit in insgesamt 12 Ausprägungen ermittelt, denen die betrachteten 436 Planungsräume(1) zugeordnet werden. Diese Zuordnung ermöglicht für jeden der betrachteten Planungsräume eine Aussage über dessen aktuelle soziale Situation sowie dessen Entwicklung in den Jahren 2015 und 2016. Ergänzend werden für jeden betrachteten Planungsraum 16 weitere Kontext-Indikatoren berechnet, die die sozialräumliche Situation vertiefend beschreiben.


Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2017:
Soziale Benachteiligungen nehmen leicht ab, räumliche Unterschiede bleiben bestehen


Die Werte für die vier Status-Indikatoren haben sich im Untersuchungszeitraum (31.12.2014 bis 31.12.2016) für Berlin gesamt leicht verbessert, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Der Anteil von Personen, die von Arbeitslosigkeit oder Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, geht bereits seit 2006 kontinuierlich zurück. Der Anteil an nicht arbeitslosen Bezieherinnen und Beziehern von Transferleistungen blieb im Untersuchungszeitraum hingegen nahezu konstant. Die Kinderarmut nahm geringfügig ab, befindet sich im Bundesvergleich aber weiterhin auf einem hohen Niveau.

Es gibt eine hohe Konstanz bei der räumlichen Verteilung von Gebieten mit sozial benachteiligten Einwohnerinnen und Einwohnern in Berlin. Das bestätigen auch die nur geringfügigen Veränderungen gegenüber den Ergebnissen des MSS 2015. Die räumliche Konzentration der auffälligen Gebiete mit überdurchschnittlich hohen Werten bei den vier Index-Indikatoren – Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Transferbezug und Kinderarmut – ist nach wie vor in Spandau-Mitte, Wedding-Moabit, Neukölln-Nord sowie in Kreuzberg-Nordost zu finden. Hinzu kommen mehrere Planungsräume (PLR) in Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf sowie einzelne Planungsräume in der Äußeren Stadt, die durch Großwohnsiedlungen geprägt sind.


Positive Entwicklung vor allem in der Inneren Stadt und in Marzahn-Hellersdorf


Es ist festzustellen, dass vor allem die innere Stadt und östliche Stadtgebiete von der rückläufigen Entwicklung sozialer Benachteiligungen profitieren. Positive Dynamiken zeigen sich demnach zum einen in innerstädtischen Lagen wie Moabit-Ost, Kreuzberg-Nordost oder teilweise auch dem Norden Neuköllns. Außerdem weisen vor allem Planungsräume im östlichen Stadtgebiet positive Entwicklungen bei den einzelnen Index-Indikatoren auf. Insbesondere Gebiete in Nord-Marzahn und Nord-Hellersdorf können ihren sozialen Status gegenüber dem MSS 2015 verbessern.


Im Fokus: Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf


Aus dem durch Überlagerung ermittelten Gesamtindex Soziale Ungleichheit ergibt sich, dass ca. zehn Prozent der betrachteten Planungsräume (44 von 436) einen sehr niedrigen sozialen Status mit unterschiedlicher Dynamik oder einen niedrigen sozialen Status mit negativer Dynamik aufweisen. Sie gelten als "Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf" und sind in der stadtentwicklungspolitischen Planung besonders zu berücksichtigen, da dort mehrfach soziale Problemlagen anzutreffen sind.

Gegenüber dem MSS 2015 sind zehn Planungsräume im MSS 2017 neu als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf ausgewiesen. Dies sind die Planungsräume Huttenkiez, Beusselkiez und Heidestraße (jeweils Mitte / Moabit), Eiswerder und Magistratsweg (jeweils Spandau), Gewerbegebiet Köllnische Heide, Buschkrugallee Nord und Gropiusstadt Nord (jeweils Neukölln) sowie Thermometersiedlung (Steglitz-Zehlendorf) und Scharnweberstraße (Reinickendorf). Im Gegenzug waren 9 Planungsräume im MSS 2015 als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf klassifiziert, die es im aktuellen Monitoring nicht mehr sind. Dies betrifft vor allem Planungsräume in Marzahn-Hellersdorf (drei PLR) sowie Lichtenberg und Reinickendorf (jeweils zwei PLR).


Kontext-Indikatoren des MSS 2017


Im Rahmen des MSS 2017 wurden wie im vorherigen Monitoring ergänzend 17 Kontext-Indikatoren berechnet und ausgewiesen. Die Kontext-Indikatoren dienen der vertiefenden Beschreibung der sozialräumlichen Situation in den Planungsräumen. In Ergänzung zu den Index-Indikatoren bilden sie in unterschiedlicher Weise spezielle Aspekte der sozialen Lage und der Lebensbedingungen in den Planungsräumen ab (wie etwa Altersarmut und Jugendarbeitslosigkeit).

Die Kontext-Indikatoren werden Handlungsfeldern der integrierten Stadtteilentwicklung zugeordnet. Drei Handlungsfelder wurden dabei als wesentlich identifiziert: "Besondere, von Armut bedrohte Zielgruppen", "Integration" sowie "Wohnen und Stabilität der Wohnbevölkerung". Die Berechnung der Kontext-Indikatoren erfolgt wie bei der Berechnung der Index-Indikatoren als relativer Anteil und über ein Standardisierungsverfahren. Hierzu wird wiederum die Methode der z-Standardisierung verwendet. Dieses Verfahren ermöglicht vergleichende Aussagen über das Ausmaß der Abweichung vom Mittelwert der betrachteten 436 Planungsräume. Dadurch werden Gebiete mit starken Abweichungen vom Durchschnitt der betrachteten Planungsräume besser identifizierbar.

Hinweis: Für den Kontext-Indikator K02 "Anteil der alleinerziehenden Haushalte mit Kindern an allen Haushalten mit Kindern in Prozent" standen für das MSS 2017 keine Daten zur Verfügung.



Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2017





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(1) Im MSS 2017 werden 11 Planungsräume, die unter 300 Einwohner haben oder hohe Ausreißerwerte aufweisen, aus der Betrachtung ausgeschlossen.

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Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2017

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