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Wohn- und Geschäftshaus Hallesches Ufer 24 & 25 & 26 & 27 & 28 Wilhelmstraße 149 & 150

Obj.-Dok.-Nr.: 09097778
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Hallesches Ufer
Hausnummer: 24 & 25 & 26 & 27 & 28
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 149 & 150
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohn- und Geschäftshaus
Datierung: 1968-1970
Entwurf: Fehling, Hermann & Gogel, Daniel (Architekt)
Bauherr: Mosch, Heinz (Bauunternehmer)

Für den Bauunternehmer Heinz Mosch errichteten die Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel 1968-1970 am Halleschen Ufer 24/28, Wilhelmstraße 149-150 ein Wohn- und Geschäftshaus mit 116 Wohnungen, Büros und Praxen und 8 Läden. (1) Mosch zählte in den 1960er und frühen 1970er Jahren zu den größten privaten Bauträgern Deutschlands. In Berlin führte er seit der Einführung des Berlin-Hilfe-Gesetzes und den damit verbundenen erheblichen Steuerabschreibungsmöglichkeiten über 100 Bauprojekte im Wert von 660 Millionen Mark durch. (2)

Das Gebäude besteht aus zwei separaten Abschnitten. Am Halleschen Ufer nimmt ein siebengeschossiger Baukörper die Flucht der westlich gelegenen Nachbarhäuser und auch ihre Höhe auf. Nach einer Baulücke folgt ein 22-geschossiges, polygonales Hochhaus, das um einen runden Innenhof förmlich gewickelt ist. Vom Hochhaus fällt eine steile Diagonale zu einem langgestreckten Flügel ab, der den weiten Vorplatz an der Straßenkreuzung begrenzt und schließlich in die Flucht der Wilhelmstraße einknickt. Dort endet er auf der selben Höhe wie das sich anschließende Mietshaus. An den Fassaden dominiert die Horizontale: Die Fenster sind zu Zweier- und Dreigruppen mit Loggien zusammengefasst, teils in Achsen übereinander, teils versetzt angeordnet, sodass ein lebhaftes Bild entsteht. Aus der klassischen Moderne stammt das Motiv des langgestreckten Balkons mit rundem Abschluss, das an allen Gebäudeecken Anwendung findet und diese überspielt, so, wie es Hans Scharoun an seinem Appartementhaus am Hohenzollerndamm von 1928-30 vorgemacht hatte. Auch die Treppenhäuser bilden plastische Formen, verglast an der Straßenfront, geschlossen an der Hofseite. Die Fassade des Innenhofs mit ihren flachen, scharf eingeschnittenen Laubengangschlitzen entwickelt eine plastische Kraft, die an den Lichthof von Frank Lloyd Wrights Guggenheim Museum in New York denken lässt, eine Verbindung, die immer wieder im Werk von Fehling & Gogel auftaucht. Die Architekten Fehling & Gogel nehmen eine sehr individuelle Haltung in der Architektur der Nachkriegszeit ein, Wolfgang Pehnt bezeichnet sie als "Berliner Spätexpressionisten", auch werden sie als Vertreter des organischen Bauens eingeordnet. (3)

An der breiten Verkehrs- und Grünachse des Landwehrkanals und seiner Uferstraßen bildet das Miets- und Geschäftshaus in der Abfolge der Hochhäuser des Potsdamer Platzes und des Postgiroamts einen Orientierungspunkt. Geschickt ist der 22-geschossige Hochhausteil vor die Bauflucht geschoben, sodass er von Westen wie ein Solitär wirkt. Nach Südosten, an der großen Kreuzung an der Mehringbrücke, zeigt das Gebäude eine einzigartige stadtbildprägende Silhouette und vermittelt zugleich zur alten Mietshausbebauung an der Stresemannstraße.

Das Wohn- und Geschäftshaus Hallesches Ufer 24 muss im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Mehringplatzes und der Neuordnung der umgebenen Straßenverläufe durch die Planung von Hans Scharoun gesehen werden. Es formuliert den neuen Abschnitt der Wilhelmstraße und die neue ausgedehnte Straßenkreuzung Hallesches Ufer/Wilhelmstraße. Die kriegszerstörte Stadt wird an dieser Stelle wieder aufgebaut, aber nicht rekonstruiert, sondern durch eine zeitgenössisch-moderne Architektur, die sich in die neue städtische Situation selbstbewusst einbringt, neu interpretiert.


(1) Conrads, Ulrich/Sack, Manfred (Hrsg.): Hermann Fehling + Daniel Gogel, Reissbrett 1, Berlin - Braunschweig 1981, S. 77; Werkverzeichnis von Fehling & Gogel in: Werk, Bauen und Wohnen 75 (1988), Nr. 7/8, S. 67; Gruss, Peter/Klack, Gunnar/Seidel, Matthias: Fehling + Gogel. Die Max- Planck-Gesellschaft als Bauherr der Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel, Ausst.-Kat., Berlin 2009, S. 129 f.

(2) Die Großen im Baugeschäft. In: Die Zeit Nr. 47, 19.11.1971.

(3) Pehnt, Wolfgang: Deutsche Architektur seit 1900, München 2005, S. 327.

Literatur:
  • Ulrich Conrads und Manfred Sack (Hrsg.): Hermann Fehling + Daniel Gogel, Reissbrett 1, Berlin/Braunschweig 1981. / Seite 77
  • Peter Gruss, Gunnar Klack und Matthias Seidel: Fehling + Gogel, Die Max- Planck-Gesellschaft als Bauherr der Architekten Hermann Fehling und Daniel Gogel, Ausst.-Kat. Berlin 2009. / Seite 129f.
  • Wolfgang Pehnt: Deutsche Architektur seit 1900, München 2005. / Seite 327
  • Werkverzeichnis in
    Werk, Bauen und Wohnen 7/8 (1988). / Seite 67
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 183 f.