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Volksbühne

Obj.-Dok.-Nr.: 09080037
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Rosa-Luxemburg-Platz
Hausnummer: 1
Strasse: Linienstraße
Hausnummer: 227
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Theater
Entwurf: 1911
Datierung: 1913-1914
Umbau: 1952-1954
Umbau: 1972
Entwurf: Kaufmann, Oskar & Kratz, Wilhelm & Stolzer, Eugen & Becherer, Heinz & Bangemann, Werner (Architekt)
Entwurf: Metzner, Franz (Bildhauer)
Entwurf: Sieburg, Georg (Bildhauer)
Entwurf: Unger, August (Maler)
Entwurf: Richter, Hans (Architekt)
Entwurf: Barth & Mann (Bildhauer)
Ausführung: Knina, Gustav (Ingenieur)
Ausführung: "Union" Baugesellschaft auf Aktien (Baufirma)
Ausführung: Eisen und Stein (Ingenieur-Firma)
Ausführung: Rast und Dieterich (Firma)
Ausführung: Kölle und Hensel (Firma)
Bauherr: Neue Freie Volksbühne E.V.

Für den Verein "Neue Freie Volksbühne" errichtete der bedeutendste Berliner Theaterarchitekt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Oskar Kaufmann 1913-14 einen der modernsten Theaterbauten Berlins, die Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz 1. (1) Unter dem Motto "Die Kunst dem Volke" verwirklichte der Verein mit der Errichtung eines eigenen Hauses sein Anliegen der Vermittlung von Kunst und kultureller Bildung an breite Kreise der Bevölkerung. Die Volksbühne war neben dem ebenfalls von Oskar Kaufmann entworfenen Hebbel-Theater der wichtigste Berliner Theaterbau der beginnenden Moderne. Es verfügte neben einem modernen Bühnenhaus mit Drehbühne noch über einen Zuschauerraum, der dem klassischen Rangtheater verpflichtet blieb. Kaufmann war sich dieser Ambivalenz durchaus bewusst und begründete sie mit dem Bedürfnis, für das Erleben der neuen Theaterkunst kleine individuelle Zuschauergruppen zu bilden und somit eine intime Stimmung zu ermöglichen. Holzgetäfelte Wände im Zuschauerraum und den Foyers erzeugten eine warme und intime Atmosphäre.

Kaufmann hatte den frei stehenden Baukörper aus dem Grundriss heraus entwickelt. Auf dem Areal des niedergelegten Scheunenviertels konnte sich der Bau in der Blickachse der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Rosa-Luxemburg-Straße) mit der effektvoll inszenierten monumentalen Kalksteinfassade frei entfalten und bildet seitdem den Mittelpunkt des neu geordneten Stadtbereiches. (2)

Nach schweren Kriegszerstörungen begann der Wiederaufbau nach einem Wettbewerb im Jahre 1948, vorerst in modernen Formen, wie sie die seitlichen Anbauten dokumentieren. Der prägende Wiederaufbau 1952-54 nach Entwurf von Hans Richter hatte zum Ziel, "(...) unter weitgehender Benutzung des alten Mauerbestandes ein neues Theater zu bauen." (3) Die Wiederherstellung der Umfassungsmauern mit der monumental geschwungenen Hauptfront mit sechs Muschelkalksäulen verzichtete auf den bildkünstlerischen Schmuck von Franz Metzner, behielt aber die äußere Form bei. Anstelle der Kupferhaube und des Dachtambours wurden Flachdächer errichtet, somit erhielt das Bühnenhaus einen geraden Abschluss. Durch die Begradigung der elegant schwingenden Linien der Dachlandschaft erhielt der Baukörper eine wuchtigere stadträumliche Wirkung. Erhalten blieb im Inneren des Bühnenhauses der von Kaufmann entworfene und im hinteren Teil halbkreisförmig die Drehbühne überwölbende Kuppelhorizont. Der Zuschauerraum und die umlaufenden Galerien bekamen wieder die bereits für die Kaufmannsche Fassung typische wertvolle intarsiengeschmückte Wandtäfelungen, ergänzt durch Marmorbekleidungen und vergoldete Stuckdekorationen. Die völlige Neugestaltung des Inneren ist ein bedeutendes Dokument der repräsentativen Theaterarchitektur der frühen DDR und veranschaulicht die große Bedeutung, die der Volksbühne in dieser Zeit zugemessen wurde.


(1) Vgl. Stahl 1918.

(2) Vgl. BusB V, Bd. A, S. 78ff.

(3) Vgl. Richter 1955, S. 122.

Literatur:
  • Haberlandt 22 (1912) &
    Haberlandt 23 (1913) &
    Haberlandt 24 (1914)Stahl, Fritz, Das Haus der Volksbühne in
    Wasmuths Monatshefte für Baukunst 3 (1918/19) / Seite 353 ff.
  • N.N./ Berliner Architektur unter jüdischem Einfluß in
    Die Bauzeitung 36 (49) (1939) 1Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 275
  • Bonatz, Karl in Neue Bauwelt 3 (1948) / Seite 389-393
  • Richter, Hans in Deutsche Architektur 4 (1955) 3 / Seite 122-129
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 524 f.