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Domäne Dahlem

Obj.-Dok.-Nr.: 09075371,T
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Königin-Luise-Straße
Hausnummer: 47 & 49 & 51
Strasse: Pacelliallee
Hausnummer: 30
Strasse: Franz-Grothe-Weg
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Gutshof
Bauherr: Willmersdorff, Cuno Johann von

Besonders eng mit der Geschichte des Dorfes verbunden und nach wie vor für den ländlichen Charakter des Dahlemer Ortskerns prägend sind die erhaltenen Gebäude und Felder des ehemaligen Gutshofs, der heute bekannt ist unter dem Namen Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 47/51 u.a.. Die Entwicklung vom mittelalterlichen Rittergut zur Königlichen Domäne, danach zur Staatsdomäne und zum Berliner Stadtgut, das noch bis 1973 zur Versorgung der Bevölkerung beitrug, lässt sich an der in Berlin einzigartigen Anlage noch immer ablesen. Wesentliche Bestandteile des Gutes sind heute neben der noch vorhandenen Feldflur das ehemalige Herrenhaus, dessen Baugeschichte vom 16. bis in das 20. Jahrhundert reicht, zwei Wirtschaftsgebäude des 19. Jahrhunderts, der Hofbrunnen sowie die Villa des Gutsverwalters von 1901-02. Der heutige Betreiber, die Stiftung Domäne Dahlem - Landgut und Museum, bewahrt als landwirtschaftlicher Demonstrationsbetrieb und als agrargeschichtliches Museum am historischen Standort des Gutshofes Teile seiner ursprünglichen Funktionen und vermittelt zugleich ein lebendiges Bild des vergangenen dörflichen Lebens. (1)

Bedeutendstes Bauwerk der Anlage ist das ehemalige Herrenhaus, das in seiner heutigen Form weitgehend in den 1670er Jahren entstand. Ältere Bausubstanz hat sich im Gebäudeinneren erhalten, so unter anderem ein massiver, unterkellerter und sterngewölbter Raum, der von einem ansonsten in Fachwerk errichteten Vorgängerbau aus der Zeit um 1560 stammt. (2) Zu den umfassenden Baumaßnahmen durch Cuno Hans von Willmerstorff, der Dorf und Gut 1671 erworben hatte und sein Wappen 1680 über dem Eingang im Hof anbringen ließ, gehörten die massive Überformung des Fachwerkbaus und die westliche Erweiterung dieses Kernbaus, vermutlich auch der straßenseitige Südflügel. (3) 1912-13 veränderte sich das Äußere noch einmal durch einen Erweiterungsbau von Heinrich Schweitzer, der den zweigeschossigen barocken Putzbau - mit Satteldach und hofseitigem Mittelrisalit - in stilistisch angepassten Formen verlängerte. Der spätgotische Raum mit Sterngewölbe und Terrakottareliefs als Konsolen (4), wie er in Brandenburgischen Herrenhäusern des 16. und 17. Jahrhunderts verbreitet war, hatte als einziger feuersicherer Ort die Funktion einer Hofstube für Schreibarbeiten, zur Aufbewahrung wichtiger Dokumente und den Empfang von Gästen. Nach Entdeckung dieses Raumes und der Rekonstruktion der Baugeschichte des Herrenhauses wurde deutlich, welche einzigartige Bedeutung das Gebäude sowohl für das Dorf als auch für die Entwicklung der Profanbaukunst in der Mark Brandenburg hatte. (5) Den Zweiten Weltkrieg überstand das Herrenhaus fast unbeschadet. Sanierungs- und Umbauarbeiten für die Nutzung durch die Freie Universität 1950-53 haben jedoch im Inneren große Schäden angerichtet. Räume wurden in Grundriss und Ausstattung verändert, der barocke Dachstuhl ging verloren. Eine behutsame Restaurierung in den 1980er Jahren hat nach umfassenden Bauuntersuchungen einige der Veränderungen rückgängig machen und die verbliebene originale Substanz sichern können, sodass das Haus heute in seiner historischen Grundstruktur wieder erkennbar ist.

Die Stall- und Wirtschaftsgebäude des Gutes, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts vielfach um- und neu gebaut worden waren, sind durch einen Brand 1904, vor allem aber bei Bombardierungen 1943-44 stark dezimiert worden. Zum Denkmalbestand der Domäne zählen heute nur noch die ehemalige Stellmacherei aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ein Stallgebäude, ehemals Pferdestall und Getreidespeicher, von 1830. (6) Die eingeschossige Stellmacherei, die als Holz- und Geräteschuppen errichtet worden war und seit 1907 als Wohnung des Hofstellmachers diente, ist der einzige bekannte Bau in Kalk-Pisee-Bauweise im Berliner Raum. (7) 1981 instandgesetzt, wird die Stellmacherei heute als Werkstatt alter Handwerkskünste genutzt. Das große Stallgebäude bestand ursprünglich aus zwei separaten Bauten: dem eingeschossigen Pferdestall, einem schlichten Ziegelrohbau, der zwischen 1850 und 1893 umgebaut und erweitert wurde, sowie dem zweigeschossigen Getreidespeicher. 1896 richtete man im nördlichen Teil des Pferdestalls die heute erkennbare Schmiede ein. Nach Brandschäden im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Gebäude bereits 1943-44 wieder aufgebaut. Hierbei fasste man sie zusammen unter einem hohen Satteldach, das ein mittig angeordnetes Zwerchhaus enthält, außerdem wurden Fensteröffnungen, Fassadengliederung und die Aufteilung im Inneren verändert. Das Gebäude wird nach einer denkmalgerechten Sanierung einer musealen Nutzung zugeführt, im Erdgeschoss sollen Schmiede und Pferdestall erhalten bleiben. (8)

Der historische Brunnen im Wirtschaftshof nordwestlich des Herrenhauses wurde 1990 bei Bauarbeiten im Erdreich unter der gepflasterten Hoffläche wiederentdeckt. Etwa einen Meter unter der Oberfläche fand man eine Kuppel über einem mit Feldsteinen ausgekleideten, 16 Meter tiefen Brunnenschacht. Die Kuppel wurde erhalten und eingezäunt. Um in den Schacht von oben hineinsehen zu können und um an seine Funktion zu erinnern, wurde die heutige Rundmauer aus Ziegelsteinen neu aufgemauert und zum Schutz mit einem Gitter abgedeckt.

Das Wohnhaus im südöstlichen Teil des Grundstücks an der Königin-Luise-Straße wurde 1901-02 für den neu eingesetzten Verwalter der Domäne errichtet. Das Charlottenburger Architekturbüro Reimarus & Hetzel hat es als zweigeschossige Villa in Ziegelmauerwerk mit Putzdekor, Erker, Balkon, Giebeln und bewegter Dachlandschaft entworfen. Der Grundriss entspricht dem klassischen Villentypus mit Küche und Wirtschaftsräumen im Keller, Gesellschaftsräumen wie Salon, Zimmer des Herrn, Speisezimmer und Diele im Erdgeschoss und den Schlafräumen im Obergeschoss. Für die Nutzung durch die Freie Universität wurde die Villa in den 1950er Jahren nur geringfügig im Inneren verändert. Sie dokumentiert daher in ihrer architektonischen Gestaltung noch heute die Veränderungen, die in Dahlem nach dem Beschluss zur Aufteilung des Domänengeländes "zum Zwecke der Umwandlung in eine Villenkolonie" erwartet wurden. (9) Der Neubau des Dienstsitzes für den Gutsadministrator, der von nun an für die Bewirtschaftung des verbleibenden Domänenbetriebes zuständig war, geriet erstaunlich repräsentativ, auch wenn der preußische Behördenstil in Materialwahl und Fassadendekor erkennbar blieb. Die Baupläne hatte Hugo Thiel, der zuständige Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium und Vorsitzender der Aufteilungskommission, als Bauherr selbst unterzeichnet.

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(1) Die Stiftung wurde 2009 vom Land Berlin und dem seit 1976 bestehenden Verein der Freunde der Domäne Dahlem gegründet, 1995-2008 war die Domäne Dahlem Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Vgl. Domäne Dahlem 1997, S. 227 ff.; www.domaene-dahlem.de (zuletzt geprüft am 6.1.2011).

(2) Bauforschung am Herrenhaus 1983-85. Vgl. Domäne Dahlem 1997, S. 27 ff.; Dahlem - St. Annen 1989, S. 52 ff., 64 f.

(3) Das Datum 1680 auf dem Wappen gilt als Zeitpunkt der Fertigstellung der Bauarbeiten, die man sich wohl in zwei Etappen - Modernisierung des Altbaus und dessen Erweiterung - vorstellen muss. Die genaue Bauzeit des Südflügels ist ungeklärt. Das Wappen über dem Eingang ist heute eine farbige Kopie, das Original befindet sich im Museum. Vgl. Domäne Dahlem 1997, S. 27 ff.Sie zeigen drei Evangelistensymbole und den leidenden Christus. Es wird vermutet, dass die Konsolen erst nachträglich zur Dekoration eingebaut wurden und auf Anfang des 15. Jahrhunderts zu datieren sind. Vgl. Domäne Dahlem 1997, S. 50.

(4) Sie zeigen drei Evangelistensymbole und den leidenden Christus. Es wird vermutet, dass die Konsolen erst nachträglich zur Dekoration eingebaut wurden und auf Anfang des 15. Jahrhunderts zu datieren sind. Vgl. Domäne Dahlem 1997, S. 50.

(5) Schade, Ingrid: Die Domäne Dahlem im Kontext brandenburgischer Herrenhäuser. In: Domäne Dahlem 1997, S. 48 ff.

(6) Akten der Domänenverwaltung (Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, PrBrRep. 2A, Reg. Potsdam III D, Nr. 26672, Blatt 74a).

(7) Gebäude Inventarium 1850, S. 26 f. Piseebau ist eine Bauweise, bei der die Mauern aus fest gestampftem Lehm o.ä., hier Kalksand, bestehen.

(8) Gebäude Inventarium 1850, S. 22 ff. Ein Gutachten zur Baugeschichte des Stallgebäudes befindet sich im Archiv der Domäne Dahlem.

(9) "Allerhöchster Erlass" vom 25. März 1901. Vgl. Engel 1984, S. 30.

(11)

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 584 f.
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 84
  • Weber/ Kleine Baugeschichte Zehlendorfs, 1970 / Seite 11 f.
  • Melms, Carl-Philipp, Chronik von Dahlem, Berlin 1982Spatz, Willy, Der Teltow, 3. Teil, Geschichten der Ortschaften des Kreises Teltow, Berlin 1912 / Seite 45 ff.
  • Stroschein, Ulrich, Beiträge zur Baugeschichte Dahlems, Das Gutshaus in
    Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 3 (1952) / Seite 13 ff.
  • Kaak, Heinrich/ Domäne Dahlem in
    Geschichtslandschaft, Zehlendorf, 1992 / Seite 160-175
  • Hesse, Harald; Kaak, Heinrich; Wendland, Karin: Zwei Leben und das ihrer beiden Familien im Kreis Teltow der Mark Brandenburg zwischen der Mitte des Dreißigjährigen Krieges und dem Beginn des preußischen Aufstiegs (Zeit von 1634 bis 1720), 2013
Teilobjekt Gutshaus & Einfriedung
Teil-Nr.: 09075371,T,001
Sachbegriff: Gutshaus & Einfriedung
Datierung: um 1560
Umbau: 1680 & 1912-1913
Entwurf: Schweitzer, Heinrich (Architekt)
Teilobjekt Hofbrunnen
Teil-Nr.: 09075371,T,002
Sachbegriff: Brunnen
Teilobjekt Stellmacherei
Teil-Nr.: 09075371,T,003
Sachbegriff: Stellmacherei
Datierung: 1800/1825?
Teilobjekt Pferdestall
Teil-Nr.: 09075371,T,004
Sachbegriff: Stall
Datierung: 1830
Teilobjekt Gutspächtervilla
Teil-Nr.: 09075371,T,005
Sachbegriff: Gutshaus
Datierung: 1901-1902
Entwurf: Reimarus und Hetzel