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Kaiserliche Biologische Anstalt für Land- und Forstwirtschaft & Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaftt des Kaiserlichen Gesundheitsamtes)

Obj.-Dok.-Nr.: 09075366
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Königin-Luise-Straße
Hausnummer: 17 & 19
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Laboratorium & Wohnhaus
Datierung: 1902-1904
Entwurf: Hückels, Johann
Ausführung: Erhardt

Der alte Weg von Steglitz über Dahlem zum Jagdschloss Grunewald ist im Zuge der Erschließung des Domänengebietes zu einem attraktiven Straßenzug ausgebaut worden. Die bevorzugte und verkehrsgünstige Lage nahe dem neuen U-Bahnhof Dahlem-Dorf zog eine Reihe von wissenschaftlichen Institutionen und staatlichen Fachbehörden an, die aufgrund ihres hohen Flächenbedarfs in der Innenstadt keinen Bauplatz fanden. Neben dem Botanischen Garten mit seinen Forschungs- und Sammlungseinrichtungen und der Königlichen Gärtnerlehranstalt kam auch die Kaiserliche Biologische Anstalt für Land- und Forstwirtschaft, Königin-Luise-Straße 17/19, nach Dahlem. (1) Für diese auf Anregung des als Pionier des Acker- und Pflanzenbaus geltenden Albert Schultz-Lupitz gegründete Forschungsinstitution entstanden 1902-04 zwei zur Königin-Luise-Straße orientierte Anstaltsbauten, ein dreigeschossiges Labor- und Dienstgebäude sowie, neben der Zufahrt, ein Direktorenwohnhaus. Die Baupläne fertigte der Geheime Oberbaurat Johann Hückels, die Baudurchführung hatte der Königliche Baurat Ehrhardt inne. (2)

Die erste Forschungstätigkeit auf dem 10 Hektar großen Areal geht bereits auf das Jahr 1898 zurück. Damals hatte das Kaiserliche Gesundheitsamt zur Verbesserung des Pflanzenschutzes eine Biologische Abteilung erhalten, für die man an der Königin-Luise-Straße ein eigenes Versuchsfeld anlegte und dieses bis 1901 mit den notwendigen Laboratorien ausstattete. Sie war damit - nach dem Botanischen Garten - die zweite Forschungseinrichtung, die sich noch vor den Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auf dem Dahlemer Domänengelände niederließ. Hier war auch das bakteriologische Laboratorium mit der Veterinär-Abteilung des Gesundheitsamtes untergebracht, das allerdings aufgrund der raschen Entwicklung der Bakteriologie sowie des Entstehens neuer toxikologisch-pharmakologischer Forschungsfelder zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder ausgelagert wurde. Diese Forschungseinrichtung bekam 1906 auf einem ebenfalls auf Domänengebiet gelegenen Grundstück an der heutigen Straße Unter den Eichen 82-84 ein neues Domizil. Von der bakteriologischen und Veterinär-Abteilung zeugen noch die im hinteren Grundstücksteil des ehemaligen Versuchsfeldes stark verändert erhaltenen Gebäudeteile des so genannten "Seuchenhofes" von 1901: ein Laboratorium mit drei Ställen.

Architektur und Ausstattung der Anstaltsbauten spiegeln die gewachsene wissenschaftliche Bedeutung der biologischen Forschung um die Jahrhundertwende wider. Labor- und Dienstgebäude sowie das Wohnhaus treten mit ihren Fassaden im historisierenden Backsteinstil weitaus mehr in Erscheinung als die gegenüberliegende Gärtnerlehranstalt. Durch den Verlust des hohen Dachreiters in der Nachkriegszeit - er schmückte einst den südwestlichen Eckpavillon des Laborgebäudes - ging ein Teil des stattlichen Eindrucks allerdings verloren. Der Dachreiter sollte ursprünglich auf der höchsten Geländeerhebung auch die Einmündung der hier geplanten Straße markieren, an deren fiktivem Verlauf sich der abknickende Seitenflügel orientiert. (3) Auch das Beamtenwohnhaus mit drei geräumigen Wohnungen im Erdgeschoss und einer einzigen Wohnung für den Direktor im Obergeschoss bezeugt die damalige Anerkennung der noch jungen Forschungsdisziplin. Sie zeigte sich nicht zuletzt auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis in den USA. Dort wurde ein Modell der Dahlemer Einrichtung mit den Versuchsfeldern und den dazugehörigen Gebäuden präsentiert. (4) Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Einrichtung unter ihrem Präsidenten Otto Appel zu einer Forschungsanstalt mit hohem nationalen und internationalen Ansehen. (5) Bis heute wird die Tradition des Geländes bewahrt; es wird nun von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft genutzt - einer Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Auf den seit 100 Jahren kontinuierlich bewirtschafteten Versuchsfeldern werden insbesondere Untersuchungen zu Pflanzenschutzmaßnahmen vorgenommen.

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(1) 1905 erhielt die biologische Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes den Status einer selbstständigen Reichsbehörde unter der Amtsbezeichnung "Kaiserliche biologische Anstalt für Land- und Forstwirtschaft", ab 1919 "Biologische Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft".

(2) Johann Hückels war auch bauleitend beteiligt am 1897 eingeweihten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kaiserlichen Gesundheitsamt in der Klopstockstraße im Berliner Hansaviertel. Architekt war August Busse.

(3) 1922 erhielt dieser Seitenflügel einen schmalen dreiachsigen Anbau.

(4) Amtlicher Bericht über die Weltausstellung in St. Louis 1904, Teil I, Berlin 1906, S. 416. Danach bestand der Ausstellungsbeitrag in erster Linie in dem vielbeachteten Modell des Dahlemer Versuchsfeldes, über das es in dem Bericht heißt: "Das Versuchsfeld umfaßt 10 ha (...). Außerdem finden sich größere Flächen von 5 und 10 Ar, um verschiedene Fruchtwechsel zu studieren; auch ein Laboratorium, ein Obst- und Gemüsegarten, eine Bauschule sind vorhanden, ferner auch ein Vogelhort, ein Bienenhaus usw. Vor allem interessierten die Besucher die Isolierzellen in den Gewächshäusern, wo jede Pflanzenkrankheit sozusagen in Einzelhaft gehalten wird. Auch das großartige erst neuerdings erbaute Geschäftshaus und die übrigen Gebäude gaben einen Begriff von der Bedeutung der Anstalt."

(5) Laux, Wolfrudolf: Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft 100 Jahre in Dahlem. In: Zehlendorf 1999, Altes und Neues von Menschen, Landschaften und Bauwerken, Berlin-Zehlendorf 1998, S. 109.

Literatur:
  • Laux, Wolfrudolf, Zur Gründungsgeschichte der Biologischen Bundesanstalt in
    Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, H. 242Topographie Dahlem, 2011 / Seite 131