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Institut für Pflanzenphysiologie und Zellbiologie der FU

Obj.-Dok.-Nr.: 09075365
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Königin-Luise-Straße
Hausnummer: 12 & 14 & 16
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Forschungseinrichtung & Wohnhaus & Werkstatt
Entwurf: 1963
Datierung: 1966-1970
Entwurf: Luckhardt, Wassili (Architekt)
Ausführung: Ingenieurbaugesellschaft
Bauherr: Senator für Bau- und Wohnungswesen

Das 1966-70 erbaute Institut für Pflanzenphysiologie und Zellbiologie, Königin-Luise-Straße 12/16 (1), steht in fachlicher Verbindung zu den unweit gelegenen botanischen Einrichtungen. Schräg gegenüber der ehemaligen Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft, auf dem spitzwinkligen Grundstück zwischen Gustav-Meyer-Straße und Altensteinstraße errichtet, bricht das Institutsgebäude radikal mit der traditionellen Bauweise der Dahlemer Forschungsanstalten. Kein Walmdach, keine Giebel und Erker, keine Risalite oder Portale suchen eine Annäherung an die Dahlemer Villenarchitektur. Scharfkantige Baukuben, aufgelöst in Sichtbeton, Glas und Stahl, weisen den Institutsbau als konsequenten Vertreter der Moderne aus. Dieses konnte man vom Architekten des Hauses Wassili Luckhardt erwarten, der hier bei seinem letzten Werk dem Formenkanon des Neuen Bauens treu blieb.Ungemein kraftvoll gliederte Luckhardt den breit gelagerten Baukörper analog den beiden Aufgabengebieten des Instituts, Lehre und Forschung. Raumgreifend schwebt ein zweigeschossiger Forschungstrakt (2) über einem ebenerdigen Bauteil für die Lehre, der sich mit einer verglasten Eingangshalle zur Königin-Luise-Straße öffnet, seitlich von Unterrichts- und Seminarräumen begleitet wird und sich mit einem großen mittigen Hörsaal rückwärtig herausschiebt. (3)

Betritt man die Eingangshalle, so verblüfft deren großzügige Weitläufigkeit und Transparenz, die von keinen weiteren Einbauten als von einer elegant geschwungenen Betontreppe akzentuiert wird. In die Halle hinein ragt körperhaft ein verglaster Lichthof, der der Halle auch auf dieser Seite lichte Durchlässigkeit verleiht. Fulminanter Blickpunkt des Hofes, und damit auch des Foyers, ist seine ganzflächige farbige Mosaikwand, deren abstraktes leuchtendes Farbmuster selbst von der Königin-Luise-Straße her erfahrbar ist. Konzipiert wurde das Kunstwerk von der Ehefrau des Architekten, Hedja Luckhardt-Freese. Wie bei vielen seiner Schöpfungen, suchte Luckhardt auch bei diesem Projekt, Kunst und architektonische Form miteinander in Beziehung zu setzen - hier zur Steigerung und Inszenierung der Eingangssituation. Der freie Durchblicke bietenden Halle sprach Luckhardt einen gewichtigen Sinngehalt zu: Sie ist zugleich Durchgangsraum und Kommunikationsort, ein Zentrum der Begegnung und der Diskussion. Als öffentlicher Raum soll sie - wie die Architektur insgesamt - einen freien und demokratischen Universitätsalltag visualisieren.

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(1) Heute FU-Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie - Institut für Biologie, Pflanzenphysiologie und Mikrobiologie. Mit dem Hauptbau entstanden sieben Gewächshäuser und ein Hausmeisterwohnhaus mit Werkstatt. Siehe dazu: Wassili Luckhardt, Pflanzenphysiologisches Institut der Freien Universität Berlin. In: Die Bauverwaltung 8 (1969), S. 406, 422; Bauwelt 61 (1970), S. 1219-1222; Villen, Rost- und Silberlauben 1993, S. 62 f.; Brüder Luckhardt und Alfons Anker 1990, S. 172 f., 290-292 (dort weitere Literaturangaben); BusB V B, S. 92, 297.

(2) Die Außenwandflächen des oberen Forschungstraktes haben eine gerasterte Vorhangfassade mit vorgesetzten Stahlstützen und Eternit-Glasalplatten erhalten.

(3) Das Motiv des aufgeständerten Quertraktes über einem längsgerichteten Flachbauteil findet man im Nachkriegswerk der Gebrüder Luckhardt oftmals vertreten. Vgl. u.a. Landesversorgungsamt Bayern und Versorgungsamt München, erbaut 1954-56, abgebrochen 1989.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 134