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Haus Luckhardt

Obj.-Dok.-Nr.: 09075328
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Fabeckstraße
Hausnummer: 48
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Einfamilienhaus & Garage & Wohnhaus
Datierung: 1956-1957
Entwurf & Bauherr: Luckhardt, Wassili (Architekt)

Auf der Ostseite der Fabeckstraße liegt völlig verdeckt von Sträuchern und Koniferen auf dem hinteren Grundstücksteil eines der bedeutendsten Berliner Künstlerhäuser - das Haus des Architekten Wassili Luckhardt, Fabeckstraße 48. (1) Lediglich der originelle mannshohe Drahtglaszaun zur Straße lässt etwas vom Stil des Architektenhauses erahnen. Glas ist nämlich einer der Werkstoffe, der in Kombination mit Stahl, Beton und Naturstein das Wesensmerkmal des Hauses Luckhardt darstellt. Knüpfte doch Luckhardt bei seinem 1956-57 erbauten Eigenheim, einem breit gelagerten Bungalow mit Flachdach, konsequent an seine avantgardistischen, der Moderne verpflichtenden Bauten der 1920er Jahre an, bei denen er eben diese Baustoffe innovativ verwandte.

Luckhardt hat den Bungalow, eine Stahlbeton-Skelettkonstruktion, ganz auf seine eigenen und auf die Bedürfnisse seiner Frau Hedja Luckhardt-Freese (2) ausgerichtet, wobei für seine Ehefrau, eine anerkannte Malerin, wohl die kleine, rückwärtige Einliegerwohnung gedacht war. Auf der Rückseite liegen vor einem schmalen Gartenstreifen Büro und Schlafräume, während sich die Wohnräume und der Zeichenplatz von Luckhardt mit haushohen durchlaufenden Fensterflächen zur weiten ruhigen Rasenfläche mit altem Baumbestand öffnen. Die Wandscheiben der Innenräume enden mit einem Abstand vor der Glasfront, sie schaffen offene Arbeits- und Wohnbereiche mit Rückzugsmöglichkeiten. Jene partielle Offenheit des Grundrisses und auch die nur von schmalen Stahlstützen unterbrochene weite Fensterfront, verraten die Affinität Luckhardts für die in Dach- und Wandscheiben aufgelöste Architektur Mies van der Rohes. (3) Die Fensterwand läuft in einer Natursteinwand aus grob behauenen Steinen (4) aus, die abgewinkelt auch der Terrasse Begrenzung und Schutz bietet. So wird mit wenigen Mitteln der Garten zum erweiterten Wohnraum. Ausdrücklich hatte Luckhardt die Absicht, einen "landschaftlich weiträumigen Ausblick" zu gestalten. Hierfür stellte er den Baukörper an die hintere Grundstücksseite, um anstelle der abgeräumten Kriegsruine einen weiten Rasenplatz zu erhalten, "der ohne irgendwelchen Blumenschmuck, allein durch seine grüne, teppichartige Erscheinung als Erweiterung der Wohnräume wirken" sollte. (5) Im Haus Luckhardt, das der Architekt bis zu seinem Tode 1972 bewohnte, verknüpfen sich die Leichtigkeit und Transparenz des Neuen Bauens mit den Materialien der 1950er Jahre.

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(1) Wohnhaus des Architekten W. Luckhardt in Berlin. In: Architektur und Wohnform 66 (1958), Nr. 3, S. 109-113; Rave/Knöfel 1963, Obj. 184; Wassili Luckhardt, Mit einer Einleitung von Helga Kliemann, Tübingen 1973, S. VIII, 39-42; BusB IV C, S. 274 f., Obj. 2023; Reclams Kunstführer 1977, S. 524; Wörner/Mollenschott/Hüter 1997, S. 425 Obj. 665; Brüder Luckhardt und Alfons Anker 1990, S. 168 f., 274 f. (dort weitere Literaturangaben).

(2) Malerin und Gestalterin von Mosaik-Kompositionen, vgl. auch Amerikanische Kirche, Hüttenweg 46.

(3) Z.B. Haus Tugendhat in Brünn von Mies van der Rohe, 1928-30 erbaut.

(4) Die Natursteine stammen vom Vorgängerbau, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

(5) Wassili Luckhardt, Erläuterungen zum "Haus Luckhardt in Berlin-Dahlem". In: Brüder Luckhardt und Alfons Anker 1990. S. 274 f.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite S. 274 f.
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 141
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1963 / Seite Obj. 184
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite Obj. 352
  • Architekturführer Berlin, 1989