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Roxy-Palast

Obj.-Dok.-Nr.: 09066236
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Friedenau
Strasse: Hauptstraße
Hausnummer: 78 & 79
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kino
Datierung: 1929
Entwurf: Punitzer, Martin Albrecht (Architekt)
Entwurf: Stohrer, Paul & Meltendorf, Bruno (Architekt)

Der "Roxy-Palast" in der Hauptstraße 78-79 (Abb. 154 f., Liste Nr. 84) wurde 1929 nach Plänen von Martin Punitzer (1889-1949) als Büro- und Geschäftshaus mit Lichtspieltheater für die "Berliner Bau- und Terrain A. G." errichtet - unmittelbar nördlich an das Friedenauer Rathaus anschließend. Das viergeschossige Gebäude ist ein dreiständriger Stahlskelettbau auf einer Fläche von 59 x 14 Metern mit zwei Treppenhäusern, je eines am Nord- und am Südende. Das ehemalige Lichtspieltheater erstreckt sich von der Straßenfront aus in den tieferen Teil des trapezförmig geschnittenen Grundstücks; das raumökonomisch geschickt angeordnete Kino wurde von der Straße her durch ein Foyer (das heute als Laden genutzt wird) im Erdgeschoß erschlossen.

Das Kino war ein Rangtheater mit damals 1.106 Plätzen. Im übrigen Erdgeschoß war ursprünglich ein Kaufhaus untergebracht, später wurde diese Fläche in Läden unterteilt, dann als Diskothek ("La Belle") genutzt, in der 1986 bei einem Sprengstoffanschlag zwei Menschen getötet wurden. Über dem ehemaligen Kaufhausbereich hat das Gebäude drei Bürogeschosse, über dem sehr viel höheren Kinosaal nur zwei. Der Schriftsteller Uwe Johnson mietete über dem Roxy-Kino ein "Schreibzimmer" nach dem Verlust seines Ateliers in der Niedstraße 14 durch Brand; er arbeitete hier - nach der Rückkehr aus den USA im September 1968 bis zu seinem Wegzug im September 1974 nach England - vor allem an seinem Roman "Jahrestage". Die Straßenfassade des Roxy-Palastes zeichnet sich durch langgestreckte, durchlaufende Fensterbänder in den Obergeschossen aus, die nur im Norden durch die versetzten Treppenhausfenster unterbrochen werden. Das Erdgeschoß ist völlig verglast bis hin zum Kinoportal, über dem eine abstrakte, farbige Reklame-Glasfläche mit einem vertikalen Pylon angeordnet war, die heute wiederhergestellt ist. Mit zwei gerundeten Dachaufbauten schließt der Bau an die Giebel der Nachbarhäuser an.

Der Roxy-Palast gilt als Hauptwerk des Architekten Punitzer und der Neuen Sachlichkeit in Berlin.

Literatur:
  • Bauwelt 21 (1930) 29 / Seite 6 - 7
  • 100 Berliner Bauten der Weimarer Republik, 1977 / Seite 30
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1985 BusB V A 1983 / Seite 174
  • BusB VIII A 1978 / Seite 118-119
  • Zechlin, H.-J., Lichtspieltheater. III/ Roxy-Palast in Berlin-Friedenau in Neue Bauwelt 7 (1952) 5 / Seite 17-23, bes. 22-23
  • Lampeitl u.a./ Architekt Punitzer, 1987 / Seite 2, 7, 12-15
  • Topographie Schöneberg/Friedenau, 2000 / Seite 108