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Ev. Kirche zum Guten Hirten

Obj.-Dok.-Nr.: 09066196
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Friedenau
Strasse: Friedrich-Wilhelm-Platz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev.
Datierung: 1891-1894
Umbau: 1901 & 1970
Entwurf: Doflein, Carl (Bildhauer)
Ausführung: Koch, Albert
Bauherr: Gemeinde-Kirchenrat

Im Mittelpunkt von Friedenau erhebt sich auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz (Abb. 47-49, Liste Nr. 46) die evangelische Kirche "Zum Guten Hirten" , die 1891-93 nach den Plänen des Berliner Architekten Carl Doflein (1856 - ? ) errichtet worden ist. Bereits 1883 hatte die Gemeinde Friedenau das Grundstück für den Kirchenbau zur Verfügung gestellt, die Grundsteinlegung erfolgte jedoch erst am 22. Oktober 1891 in Gegenwart der Kaiserin Auguste Viktoria, die Einweihung am 10. November 1893. Ursprünglich waren die Pläne vom Architekten zum Wettbewerb für die Dankeskirche im Wedding eingereicht worden, wurden dann aber auf Wunsch der Kaiserin für die Kirche in Friedenau verwendet.

Die Kirche ist ein neugotischer, fünfjochiger, nach Norden orientierter Langbau in rotem Sichtziegelmauerwerk mit einem 70 Meter hohen Turm im Süden. Das breite Mittelschiff ist mit einem hohen Steildach gedeckt, die schmalen Seitenschiffe werden durch jeweils vier Querdächer abgeschlossen. Der Turm bildet den Point de vue für die Hauptachsen von Friedenau: die Bundesallee, die Wiesbadener und die Schmargendorfer Straße, sowie die Goßler- und die Schmiljanstraße. In den schmalen Seitenschiffen sind Emporen angeordnet. Das Mittelschiff und der im Norden befindliche Chor sind mit Kreuzrippengewölben überdeckt. Der Chor ist gerade geschlossen. An seiner Westseite ist die Taufkapelle, an seiner Ostseite die Sakristei, außerdem an beiden Seiten je ein Treppenturm für die Emporen angefügt. Der Turm wird von Treppentürmen flankiert, die die Emporen in den Seitenschiffen und die Orgelempore erschließen. Vom Hauptportal der Kirche öffnet sich über eine Vorhalle im Turm der Weg durch das Doppelportal ins Mittelschiff. In der Vorhalle erhebt sich über dem Doppelportal am Mittelpfeiler die Skulptur "Christus als guter Hirte", die beiden Treppentürme schmückt je eine weitere Skulptur: am östlichen des Apostels Petrus und am westlichen des Apostels Paulus. Die Skulpturen stammen von dem Bildhauer Albert Koch. Von der ursprünglichen Innenausstattung (Kanzel, Altar, Taufe, Malerei und so weiter) ist nach der Renovierung und Umgestaltung von 1968 nichts mehr erhalten geblieben.

Der Entwurf der Kirche Zum Guten Hirten folgt als neugotischer Langbau den Vorstellungen des "Eisenacher Regulativs" von 1861, er ist mit dem 22 Meter breiten Mittelschiff und den bloß drei Meter breiten Seitenschiffen eindeutig als Predigtkirche konzipiert. Allerdings besitzt der Bau kein Querhaus. Die Friedenauer Kirche ist deshalb im Gegensatz zu den meisten anderen Berliner Kirchenbauten des späten 19. Jahrhunderts ein auf den Altar gerichteter Langbau, dem die Tendenz zum Zentralbau mit einer breiten Vierung fehlt, die viele Berliner Kirchen dieser Zeit aufweisen.

Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 13 (1893) / Seite S. 470-472
  • Deutsche Bauzeitung 27 (1893) 91 / Seite S. 559-560
  • BusB XI 1972 / Seite S. 281
  • Topographie Schöneberg/Friedenau, 2000 / Seite 54-55