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Haus Nitze

Obj.-Dok.-Nr.: 09065381
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Im Schwarzen Grund
Hausnummer: 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Einfamilienhaus & Wohnhaus
Datierung: 1914
Umbau: 1916-1917 & 1939
Entwurf & Bauherr: Nitze, Philipp (Architekt)

Einer der ersten Bauten in der Straße Im Schwarzen Grund war das Haus Nitze, Im Schwarzen Grund 4, das Reichsbankbaudirektor Philipp Nitze 1914 für sich und seine Familie gebaut hat. (1) Nitze, der zwei Jahre zuvor in die Position des leitenden Architekten der Bauabteilung der Deutschen Reichsbank aufgestiegen war, konnte sich frühzeitig und an prominenter Stelle in der aufstrebenden Villenkolonie Dahlem ein seiner neuen Stellung angemessenes Wohnhaus errichten. Geschickt auf dem Hanggrundstück zum Thielpark platziert, mit einem durchdachten Grundriss und einer Wohnlichkeit ausstrahlenden äußeren Gestaltung verkörpert das Haus alles, was auch die Qualität der Bankgebäude des Architekten auszeichnet: einen hohen Repräsentationsanspruch, eine zweckmäßige Gliederung und eine möglichst sachliche Gestaltung. Ein zeitgenössischer Autor charakterisierte das Haus Nitze folgendermaßen: "Bei aller Schlichtheit und dekorativen Zurückhaltung erreicht der Bau dank der sicheren künstlerischen Gestaltung des Ganzen die selbstbewusste Wirkung des vornehmen Landsitzes, der mit der Gartenanlage und der umgebenden Natur verwachsen ist." (2)

Nitze hatte das Hanggrundstück wegen des niedrigen Preises und der Möglichkeit erworben, das Haus an der Straße eingeschossig und zum Park dreigeschossig anzulegen. Auch im Garten konnten unterschiedliche Bereiche auf terrassenartigen Flächen ausgebildet werden. Die beinahe quadratische Grundfläche des Hauses wird durch einen halbrunden Altan an der Südseite und die Auflösung der Nordspitze des Hauses in einen elliptischen Söller, der das Licht von Osten und Westen einfangen kann, aufgelockert. Das die beiden Obergeschosse übergreifende Mansarddach ist an drei Seiten mit Schopfgiebeln und über dem Altan mit einer großen geschweiften Dachgaube gegliedert. Der gesamte Bau vermittelt mit seiner bewegten Dachlandschaft, den Erkern und Gauben, mit Klappläden und Eckquaderung sowie einer originalen barocken Haustür, die Nitze von einer Dienstreise mitgebracht hatte, den Eindruck eines malerischen Landsitzes. Mit seinen schlichten klaren Konturen, dem blockhaften Baukörper und den glatt verputzten Wandflächen zeigt es innerhalb der gestalterischen Entwicklung vor dem Ersten Weltkrieg jedoch schon sachliche Tendenzen, die sich erst später durchsetzten. Dazu gehört auch, dass sowohl die äußere Form wie die Grundrissaufteilung allein den individuellen Wohnbedürfnissen der Familie angepasst waren. Die geschickte Art, wie Nitze die Gesellschafts- und Wirtschaftsräume im Erdgeschoss und die Privaträume im Obergeschoss in die kompakte Grundfläche einpasste, sowie die Proportionierung und die handwerklich solide gearbeitete Ausstattung der Räume verliehen dem Haus eine zugleich und künstlerisch anspruchsvolle wohnliche Atmosphäre. (3)

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(1) Der Straßenname Im Schwarzen Grund taucht 1916 erstmals im Adressbuch auf (vorher Straße 9), 1915 sind außer dem Haus Nitze nur zwei weitere Häuser verzeichnet. Als die Familie Nitze im September 1914 in das Haus Im Schwarzen Grund 4 einzog, war der Innenausbau durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen worden und konnte wegen der Material- und Arbeitskräfteknappheit nur langsam vollendet werden (Erfassung Landesdenkmalamt Berlin). Vgl. Schade, Frank: Haus und Garten Dr. Supf, Berlin-Dahlem, Diplomarbeit an der Fachhochschule Neubrandenburg 2003, S. 35 f.; Zu den Arbeiten von Architekt Dr. Ing. Philipp Nitze, Berlin. In: Moderne Bauformen 21 (1922), S. 321 ff., 349 ff.

(2) In: Moderne Bauformen 21 (1922), S. 322.

(3) Im Kellergeschoss gab es ursprünglich eine kleine Wohnung für den Gärtner. Heute wird das Haus als Zweifamilienhaus genutzt.

Literatur:
  • Moderne Bauformen 21 (1922) / Seite 322 (Text), 339 (Grundrisse) u. 349 ff (Ansichten)
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 235
  • Moderne Bauformen 21 (1922) / Seite 322 (Text), 339 (Grundrisse) u. 349 ff (Ansichten)