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Haus Kretzschmar

Obj.-Dok.-Nr.: 09065339
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Hermannstraße
Hausnummer: 2
Strasse: Straße zum Löwen
Hausnummer: 8
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1882
Umbau: 1905 & 1898
Entwurf: Braun, Rudolf (Architekt)
Entwurf: Stahn, Otto (Architekt)
Bauherr: Kretschmann, Hermann
Entwurf: Kaiser & v. Grozsheim (Architektensozietät)

Im weiteren Verlauf der Straße Zum Löwen ergibt sich auf der rechten Seite der Ausblick auf das höher am Hang in der Hermannstraße 2, Straße zum Löwen 8 gelegene Haus Kretzschmar - heute Wohnheim des Lutherischen Gemeinschaftsdienstes - und ihren herausragenden Garten. (1) Die harmonische Anlage bildet ein eindrucksvolles Zeugnis für ein großbürgerliches Anwesen aus der Frühzeit der Villenkolonie Alsen. Bauherren waren 1882 der Bankier Hermann Kretzschmar und seine Frau Susanne, eine Tochter des Malers Oskar Begas. (2) Die Entwürfe für die rot-gelbe Backsteinvilla lieferte der Hofbaumeister Rudolf Braun, die Fertigstellung erfolgte 1883. (3) Im Laufe der folgenden Jahre erweiterten die Kretzschmars ihren Besitz und bebauten ihn entlang des Nutzgartens sukzessive mit - zum Teil erhaltenen - Nebengebäuden, sodass er im Jahr 1905 auf 8.369 Quadratmeter angewachsen war. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch eine bauliche Erweiterung der Villa nach Plänen der Bauräte Kayser & von Groszheim. (4) In der damaligen Fassung ist das Gebäude im Wesentlichen erhalten. Die Anbauten sind mit hellen Putzfassaden bewusst vom Altbau abgesetzt. Dieser vereint Stilelemente des späten Klassizismus mit denen des Rundbogenstils. Die zum Wannsee ausgerichtete Gartenfassade bildet die Hauptschauseite des Gebäudes. (5) Der kubische Baukörper wird durch ein kräftiges Stockwerkgesims - mit Girlandenfries aus grünen Steinen - horizontal in ein etwas höheres Erd- und ein niedrigeres Obergeschoss geteilt. Das flach geneigte Walmdach mit weitem Überstand erstreckt sich über einer dekorativen Attika mit Holzkonsolen und rot-gelben Klinkerfeldern. Die Erdgeschossfenster der Hangseite sind im Rundbogenstil gehalten, wobei das große Wintergartenfenster die Achsensymmetrie der Fassade bricht; am zurückliegenden Erker rechts wird das Rundbogenmotiv in Form eines Spaliers aufgegriffen. Die Fenster im Obergeschoss und an Hof- und Eingangsseite sind hingegen im Stichbogen geschlossen. Die späteren Anbauten mit Turm, Putzfassaden und Mansarddächern verleihen der Villa ein malerisches Gepräge. Im Inneren des Gebäudes von 1882 sind die ursprüngliche Raumdisposition und die wandfeste Ausstattung im Wesentlichen erhalten; hierzu gehören eine lichte Halle mit zweiläufiger Holztreppe, ein holzgetäfeltes Speisezimmer, ein Wintergarten mit großem Rundbogenfenster und die im Keller gelegene Küche. Ein dekoratives Bauteil stellt der keramische Wandfries in der Eingangshalle dar. Er stammt aus der 1903 gegründeten Keramikmanufaktur Cadinen in Ostpreußen und wurde von dem mit Kretzschmars befreundeten Maler Paul Heydel entworfen. Dargestellt sind Kinder bei der Gartenarbeit, wobei das Mädchen ganz rechts die jüngste Tochter Hildegard Kretzschmar darstellt. (6)


1) Heinisch/Schumacher 1988, S. 207 f.

2) Hermann Kretzschmar (1846-1926) war Aufsichtsrat der Commerz- und Disconto-Bank mit Sitz in der Berliner Behrenstraße 34; er war lange Zeit Schatzmeister des Vereins Berliner Künstler und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Seglerhaus am Wannsee (Am Großen Wannsee 24/26). Vgl. Krause, Detlef: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870-1920/23, Bankgeschichte als Unternehmensgeschichte, Wiesbaden 2004. Seine Ehefrau Susanne Kretzschmar, geb. Begas (1857-1929), hinterließ eine umfangreiche Autografensammlung. (Vgl. Begas-Sammlung in der Akademie der Künste, Berlin.) Ihr Vater Oskar Begas residierte im Sommer am Kleinen Wannsee; sein dortiges Haus existiert nicht mehr.

3) Über ihn ist nur wenig bekannt. Schumacher weist ihn bei verschiedenen Bauvorhaben in Wannsee nach. Vgl. Heinisch/Schumacher 1988, S. 125, 169 f., 171, 201 f., 205, 207. In der Bauakte Hermannstraße 2 ist als Adresse der Firma angegeben: Ritterstraße 79 in Berlin. Die Berliner Denkmalliste verzeichnet zwei Gebäude von Rudolf Braun: Lindenstraße 3 und Tempelhofer Ufer 10, von 1892-93. Die Villa Braun, Am Kleinen Wannsee 8, war wie die Villa Kretzschmar ebenfalls ein Backsteinbau. Bruno Ahrends schrieb anlässlich ihres 1928 geplanten Umbaus ein Gutachten, in dem er die Villa als "eines der wenigen wirklich guten Bauwerke in Wannsee" bezeichnete. Vgl. Heinisch/Schumacher 1888, S. 170.

4) 1898 hatte bereits Otto Stahn eine erste, weniger gravierende Erweiterung vorgenommen.

5) Dies belegt eine Postkarte von 1899: Gruß vom Wannsee - Villa Kretzschmar. Abb. in: Max Liebermann in Wannsee 1997, S. 7.

6) Architekten der Eingangshalle: mittag + föller. Über den Maler, Grafiker und Buchillustrator Paul Heydel, geb. 1854, ist wenig bekannt. Eine zweite, etwas spätere Ausfertigung des Wandbildes befindet sich im U-Bahnhof Klosterstraße in Berlin-Mitte. Weitere Majolikabilder von ihm sind an und in der Villa des Fabrikanten Eugen Conrad in Teltow erhalten (1905). Vgl.: Inspirieren, verwandeln, sichtbar machen. In: Bäke-Courier 10 (2010) vom 4.6.2010. Zu den Majoliken aus Cadinen siehe: http://westpreussen.we.funpic.de/Cadinen/cadinen6/cadinen.6 .htm (zuletzt geprüft am 01.03.2013).

Literatur:
  • Heinisch, Tilmann Johannes; Schumacher, Horst: Colonie Alsen, Ein Platz zwischen Berlin und Potsdam, Berlin 1988 / Seite 207-208
  • Krause, Detlef: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870-1920/23, Bankgeschichte als Systemgeschichte, Unternehmensgeschichte BzUG Band 19, Wiesbaden 2004 (Diss. HU Berlin 2003), darin Nachweis Hermann Kretzschmar Aufsichtsrat.Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2 / Seite 112f