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Wohnhaus Neue Kreisstraße 9 & 9A

Obj.-Dok.-Nr.: 09065338
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Neue Kreisstraße
Hausnummer: 9 & 9A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1964-1967
Entwurf: Nather, Heinz (Architekt)
Bauherr: Heinz Nather & Wolfgang Rebitzki

Das Doppelwohnhaus in der Neuen Kreisstraße 9-9A wurde 1964-67 von Heinz Nather als eigenes Wohnhaus und als Wohnhaus für seine Schwägerin entworfen und gebaut. (1) Es ist ein Hauptwerk des Architekten, der zusammen mit Klaus Kirsten eine Architektengemeinschaft bildete, die zu den herausragenden Büros im Berlin der 1950er und 1960er Jahre zählte. Jeder ihrer Bauten, egal ob es sich um ein Fabrikgebäude oder ein Wohnhaus handelt, zeichnet sich durch einen gleichermaßen eigenwilligen wie souveränen Umgang mit Formen und Materialien aus. Kirsten & Nather entwarfen abseits vom architektonischen Mainstream und dem Nierentisch-Repertoire der Wirtschaftswunderjahre. Das Doppelhaus von Heinz Nather überzeugt durch eine stark skulpturale und höchst individuelle Architektur. Es ist ein Künstlerhaus par excellence - mehr Atelier und Kreativschmiede, denn konventionelles Wohnhaus. Singulär im Einfamilienhausbau Berlins und wohl auch darüber hinaus ist die radikal-offene innere Struktur des Hauses, das auf Innenwände weitgehend verzichtet.Großflächige Wandfelder und Fensteröffnungen, die mit ihrer kleinteiligen Untergliederung teilweise die gesamte Gebäudehöhe einnehmen, bestimmen das Äußere der nach Nordwesten ausgerichteten Straßenfassade. Hinter dem Quadratraster der Drahtglaswände liegt bei beiden Haushälften die Haupttreppe, während an die vertikal gegliederten Fenster jeweils ein Arbeitsraum angrenzt. Zur Strukturierung der Außenfassade blendete Heinz Nather den Glasscheiben quadratische Formstücke aus Eternit vor, die plastisch hervortreten und leicht abgerundete Ecken besitzen. Ein zurückgesetztes, vertikales Fensterband markiert die Grenze des dreigeschossigen Hauses zur benachbarten Haushälfte, die nur zweigeschossig ausgeführt ist und einen halben Meter höher liegt. Lediglich im Bereich der Eingänge wird die im Inneren vielfach aufgehobene Geschossteilung ablesbar. Sämtliche Wandöffnungen der Straßenfassade belichten bei Haus Nather eine zentrale Wohnhalle, die im Erdgeschoss nahezu die gesamte Grundfläche des Hauses einnimmt. Offene und geschlossene Wandflächen alternieren kontrastreich und betonen den kubisch-scharfkantigen Charakter der durch Vor- und Rücksprünge und in der Höhe gestaffelten Baukörper. Auf der weniger expressiv gestalteten Gartenseite bleibt die Geschossteilung dagegen deutlich ablesbar. Hier sind die Obergeschosse zurückgestaffelt und geben Raum für große Terrassen. Fensterbänder und Fenstertüren - im Erdgeschoss zusätzlich mit durchlaufenden Lichtbändern oberhalb der Stürze - betonen die Horizontale; zusammen mit den die Terrassen einfassenden "Wolkenbügeln" sind sie eine deutliche Referenz an die dynamische Moderne der 1920er Jahre.

Errichtet ist das Doppelhaus als Stahlbeton-Skelettkonstruktion, die unter Einbeziehung der Stützen eine weitestgehend freie Raumaufteilung im Inneren gestattet. Bei seinem eigenen Wohnhaus hat Hans Nather diese Möglichkeiten bis zum Extrem ausgenutzt. Gut ein Drittel des Gebäudevolumens wird hier von der lichtdurchfluteten Atelierhalle mit offenem Grundriss eingenommen. Indem er sämtliche Wohnebenen und Verbindungsgänge zur Halle hin öffnete, schuf Nather einen großzügigen Raumeindruck mit mannigfaltigen Blickbeziehungen, der das recht bescheiden dimensionierte Haus wesentlich größer erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. Durch eine geschickte Wegeführung, Lichtregie und unterschiedliche Oberflächenmaterialien wird eine schnelle Orientierung möglich. Auch das etwas kleinere, nur für zwei Personen konzipierte Nachbarhaus zeichnet sich durch eine weitgehend offene Grundrissdisposition aus. Hier sind die Innenräume durch Wandfelder und Einbauschränke stärker untergliedert, sodass das tragende Pfeilergerüst weniger in Erscheinung tritt.


1) Erfassung LDA (Alexander Hoff und Thomas Steigenberger).

Literatur:
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 154f