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Haus Sagebiel

Obj.-Dok.-Nr.: 09065181
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Cimbernstraße
Hausnummer: 13B
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1935
Entwurf: Sagebiel, Ernst (Architekt)

In der Cimbernstraße, die fast parallel zur Teutonenstraße die Prinz-Friedrich-Leopold-Straße kreuzt und weiter bis zur Rehwiese führt, steht neben Villen aus der Frühzeit der Kolonie und der auffälligen Einfriedungsmauer der Villa Schröer (siehe Libellenstraße 12) ein schlichtes Haus aus den 1930er Jahren. Haus Sagebiel, Cimbernstraße 13B, errichtete der Architekt Ernst Sagebiel 1935 für sich und seine Familie. (1) Da in der Villenkolonie Nikolassee in jenen Jahren nur vergleichsweise wenige individuelle Einfamilienhausbauten entstanden, ist das Haus Sagebiel ein bemerkenswertes Zeugnis für die Zeit des Nationalsozialismus. Innerhalb des Werks von Ernst Sagebiel, der 1929-32 im Büro Erich Mendelsohns gearbeitet hatte, bevor er zahlreiche Großprojekte für das NS-Regime wie das Reichsluftfahrtministerium, den Flughafen Tempelhof sowie weitere Flughäfen und Bauten für die Luftwaffe übernahm, stellt es darüber hinaus ein ungewöhnlich unprätentiöses Gebäude dar.

Das eingeschossige Haus mit Krüppelwalmdach, das sich traufständig zur Straße wendet, hat eine fast quadratische Grundfläche, nur ergänzt um einen schmalen seitlichen Anbau über der Garage im Kellergeschoss. Das Dach, an der Straßenseite von einer großen mittigen Gaube belebt, setzt ohne Überstand auf und gibt dem Haus eine kompakte Silhouette. Die glatten, hell verputzten Wandflächen sind durch Natursteinelemente akzentuiert. Ein von schmalen Travertinsäulen getragenes Vordach, die steinerne Rahmung der Haustür, die Bodenplatten von Zugangsweg und Terrasse, die Mauer der Einfriedung und die Travertin-Bodenplatte eines Balkons mit filigranem Eisengitter an der Ostseite des Hauses verleihen dem ansonsten beinahe schmucklosen Bau zwar eine zeittypische Note, aber auch eine gewisse Eleganz. Blickpunkt von der Straße ist der mittig angeordnete Eingangsbereich mit Vordach, wo die Tür und ein Rundfenster jedoch aus der Mittelachse herausgerückt sind. Im Gegensatz zu den NS-Großbauten fand Sagebiel für sein eigenes Wohnhaus zu einer Architektursprache, die sich "nicht einem wie auch immer vorgestellten im Nationalsozialismus gewünschten Stil anpasst, sondern sehr deutlich eine eigene Linie sucht". (2)


1) Im September 1934 hatte Sagebiels Ehefrau Gertrud das 668 Quadratmeter große Grundstück Cimbernstraße 13B gekauft. 1935 wurde das Haus gebaut und am 1. Oktober 1935 bezogen. Bauakten im Stadtplanungsamt Steglitz-Zehlendorf existieren erst ab 1955 (Werkwohnhaus der Siemens-Schuckert-Werke), möglicherweise wurde der Bau seinerzeit über die Bauverwaltung des Reichsluftfahrtministeriums abgewickelt. Vgl. Dittrich, Elke: Ernst Sagebiel, Leben und Werk 1892-1970, Berlin 2005, S. 99-101, 254-257.

2) Dittrich, Elke: Ernst Sagebiel, Leben und Werk 1892-1970, Berlin 2005, S. 257.

Literatur:
  • Dittrich, Elke: Ernst Sagebiel. Leben und Werk 1892-1970. Berlin 2005 / Seite 99-101, 254-257