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Schadowhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09065050
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Schadowstraße
Hausnummer: 10 & 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnbau
Fertigstellung: 1805
Umbau: 1851
Umbau: um 1960
Bauherr: Schadow, Johann Gottfried (Bildhauer)
Ausführung: Oberhofbauamt

Das Schadowhaus, Schadowstraße 10-11, Wohnhaus des Hofbildhauers Gottfried Schadow, gehört mit den Häusern am Kupfergraben 5-6A zu den letzten bürgerlichen Wohnbauten, die aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Dorotheenstadt erhalten sind. 1804-05 ließ Gottfried Schadow den zweigeschossigen Putzbau mit Seiten-, Quergebäuden und Gartenhaus errichten. (1) Das Bildhaueratelier befand sich im eingeschossigen Quergebäude, der Saal "zur Aufstellung der fertigen Arbeiten" war im Erdgeschoss des nördlichen Seitenflügels eingerichtet.

Die klassizistische Fassadengestaltung von 1805 ist nicht überliefert, nur die Anordnung der Fensterachsen und die seitlichen Risalite sowie die Supraportenreliefs von Gottfried Schadow zeugen noch von der bauzeitlichen Gliederung. (2) Den ursprünglichen Grundriss zeigen noch die Enfilade an der Straßenseite und der oktogonale Raum, der als Bindeglied zwischen Vorderhaus und rechtem Seitenflügel ein frühes Beispiel des so genannten "Berliner Zimmers" ist.

1850-53, nach dem Tode Schadows, ließ sein Sohn, der Historienmaler Felix Schadow, das Gebäude umfassend erweitern. Vorderhaus und rechter Seitenflügel erhielten ein zweites Obergeschoss, die übrigen Hofgebäude wurden durch Neubauten ersetzt. Felix Schadow ließ dabei das Atelier seines Vaters abtragen und an gleicher Stelle ein eigenes Atelier errichten. Die neue Fassadengestaltung des Vorderhauses mit Quaderung, durchlaufenden Gesimsbändern und Rankenfries unter dem Traufgesims ist weitgehend erhalten. Die Reliefs am ersten Obergeschoss - in der Mitte ein Bildnis von Schadow, flankiert von Genien, seitlich Medaillons mit Maler- und Bildhauerwerkzeugen - stammen von Hermann Schievelbein. Das Fresko im oktogonalen Raum des ersten Obergeschosses "Die Künste am Brunnen des Lebens" wurde 1837 von Eduard Bendemann, dem Schwiegersohn Schadows, gemalt. Es enthält einige Porträts von Familienmitgliedern.

Nach der Übernahme durch den Königlichen Fiskus 1898 wurde das Haus in den Baukomplex des Preußischen Innenministeriums zwischen der Straße Unter den Linden und der Dorotheenstraße integriert und im Bereich der Hofgebäude erweitert. Bauinspektor Kern errichtete 1900-02 nach Abriss des Ateliergebäudes einen Bibliotheksneubau, der später mit den Ministeriumsanbauten von 1933-37 verbunden wurde. Im Rahmen einer baulichen Instandsetzung des Schadowhauses konnte 1981-83 anhand von restauratorischen Befunden ein Teil der Dekoration von 1850 in der Durchfahrt wieder hergestellt werden. Die Herrichtung für Nutzungen durch den Deutschen Bundestag berücksichtigt den historischen Bestand und arbeitet den zwischenzeitlich verunklärten Grundriss des 19. Jahrhunderts wieder heraus.


1) Architekt unbekannt; möglicherweise war Oberhofbaurat Friedrich Wilhelm Konrad Titel neben Carl Gotthard Langhans und Georg Christian Unger für den Entwurf verantwortlich. Besitzerfolge, Kaufverträge und Erbfolge der Grundstücke in den Akten des Zentralen Grundbucharchivs Berlin, Grundbuchbezirk Dorotheenstadt, Blatt 292, Grundakten-Tabelle. In der Plansammlung der Technischen Universität befinden sich die Grundrisse des Schadowhauses aus der Bauzeit.

2) Themen der Reliefs links: Die Kunst des Altertums in ihren Hauptepochen, rechts: Bedeutende Kunstmäzene.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite S. 205-208
  • Dehio, Berlin und Potsdam, 1983 / Seite S. 69 f.
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite S. 121 f.
  • Kohte, Wohnhäuser, 1923 / Seite S. 180
  • Das Ministerium des Inneren Unter den Linden in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 58 (1938) 1 / Seite S. 34 f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 281 f.