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Schauspielhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09065015
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Gendarmenmarkt
Hausnummer: 3 & 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Konzertsaal
Datierung: 1818-1821
Umbau: 1883
Umbau: um 1985
Entwurf: Schinkel, Karl Friedrich (Architekt)

In der Mitte des Platzes steht, axial auf die Kuppeltürme des Deutschen und Französischen Domes ausgerichtet, das 1818-21 von Karl Friedrich Schinkel errichtete Schauspielhaus, Gendarmenmarkt 3-4. (1)

Bereits im 18. Jahrhundert hatte hier ein Komödienhaus parallel zu den beiden Kirchenbauten gestanden, das 1802 durch das Nationaltheater von Carl Gotthard Langhans ersetzt wurde. Nachdem dieses bei einem Brand 1817 zerstört worden war, beauftragte der König Karl Friedrich Schinkel, bei Nutzung der alten Grundmauern einen Neubau zu errichten. Schinkel gab dem querrechteckigen Theaterbau durch einen höheren, zum Platz vorspringenden Mittelteil eine neue Ausrichtung und griff damit sehr zum Vorteil des Gendarmenmarktes in das städtebauliche Gefüge ein. Durch den gestaffelten Aufbau von der Haupttreppe über die Säulenordnung des Portikus bis hin zu den übereinander liegenden Giebeln von Portikus und Mittelbau wird eine platzbeherrschende imposante Wirkung erzeugt.

Vorbild für die Gliederung der Fassade durch Pilasterordnungen war das athenische Thrasyllos-Monument, erbaut 320 v. Chr. als Auszeichnung für die Siege des Chorführers Thrasyllos im musischen Wettstreit. Schinkel wollte den Bau durch die Wahl griechischer "Formen und Constructionsweisen" unter Vermeidung aller Bögen und Gewölbe zu einem homogenen Körper vereinheitlichen. Anstatt "gewöhnliche Fenster" zu wählen, löste er die Fassaden in Harmonie mit Säulenportikus und Pilasterordnung in Fensterbänder auf, die durch Pfeiler unterteilt sind. (2) Diese sehr zweckmäßige und klare Gliederung durch Reihung gleicher Elemente stellt eine schöpferische Weiterentwicklung der historischen griechischen Architektur dar. Sie wirkt auch heute sehr modern und wird seit dem frühen 20. Jahrhundert von funktionalistisch eingestellten Architekten als Vorläufer der modernen Architektur angesehen. (3)

Das Schauspielhaus besteht aus einem Mittelteil und zwei seitlichen Flügeln. Im Mittelteil befanden sich Zuschauerraum und Bühnenbereich, in den Seitentrakten waren ursprünglich links der Konzertsaal sowie ein Festraum und rechts ein Probensaal mit den erforderlichen Nebenräumen angeordnet.

Die aus Gründen der Sparsamkeit zur Bauzeit verputzten Fassaden wurden erst 1883-84 mit Sandstein verblendet. Der reiche Skulpturenschmuck von Christian Friedrich Tieck mit Darstellungen aus der Antike beinhaltet ein auf die Funktion des Gebäudes bezogenes plastisches Programm nach Vorgaben von Schinkel: Sinnbilder der Bühnenkunst im Giebel des Bühnenaufbaus, die Niobidengruppe auf dem Portikusgiebel, ein Bacchanal auf dem Nordgiebel sowie Orpheus und Eurydike auf dem Südgiebel. (4)

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schauspielhaus stark zerstört. Beim Wiederaufbau 1976-84 als Konzerthaus erhielt es bei weitgehend originalgetreuer Wiederherstellung der Außenarchitektur eine neue Innenausstattung. Die Entscheidung zur Nutzung als Konzerthaus hatte von vornherein die Konsequenz, dass die Räume nicht in der von Schinkel konzipierten Form wieder aufgebaut werden konnten. Nach Diskussionen über eine moderne Einrichtung sind die Innenräume in freier Adaption der Ausstattung Schinkels gestaltet worden. Als Vorbild und Orientierung für die Einzelformen im großen Konzertsaal diente der kleine Konzertsaal von Schinkel, wobei die Dimensionen teilweise um das vier- bis fünffache gesteigert wurden. Foyer und kleiner Konzertsaal sind in klassizistischen Formen ausgestaltet, haben aber kein konkretes Vorbild.


(1) Vgl. Rave 1941, S. 88-138; Heese 1981.

(2) Schinkels Text in: Forssmann/Iwers 1990, S. 77.

(3) Vgl. Bothe 1979, S. 310.

(4) Vgl. für den Skulpturenschmuck am Schauspielhaus Maaz 1995, S. 58-66.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 213 ff.
  • BusB II 1896 / Seite 493-498
  • Zeitschrift für Bauwesen (1892) / Seite 484-512
  • Scheidewind, Klaus (Red.): Berliner Metallgestaltung. Fritz und Achim Kühn, Ausstellungskatalog, Berlin 1989 / Seite .
  • Goralczyk, Peter: Der Platz der Akademie, Berlin 1987 / Seite 321 f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 137-147
  • Gißke, Eberhardt/ Just, Klaus/ Prasser, Manfred: Das Schauspielhaus am Platz der Akademie in Berlin in
    Deutsche Architektur 34 (1985) 3 / Seite 94-101
  • Prasser, Manfred: Zum Wiederaufbau des ehemaligen Schauspielhauses als Konzerthaus am Platz der Akademie in Berlin in
    Deutsche Architektur 30 (1981) 2